Nordthüringer Weltraum-Enthusiasten: Der Weg ins All führte über Bleicherode

Cartoon: Christian Habicht
Vor 50 Jahren - am 12. April 1961 - machte sich erstmals ein Mensch auf den Weg zu den Sternen. Für den Bleicheröder „Förderverein Institut Rabe“ ein besonderes Jubiläum. Er behauptet: Gagarins Flug begann in Bleicherode. AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt fragte bei Vereinsmitglied Detlef Köhler, einem Sondershäuser Weltraum-Enthusiasten, nach.

Warum soll der Weg ins All ausgerechnet über eine kleine Bergbaustadt südlich vom Harz geführt haben?
Vor und nach Kriegsende hielten sich hier innerhalb kurzer Zeitabstände die wichtigsten Raketenforscher der Welt auf: Die Gruppe um Wernher von Braun, die später in die USA ging und dort die Mond­landung ermöglichte, und die deutschen Spezialisten, die mit den Sowjets die russische Raumfahrt aufbauten. In Bleicherode wurden die Weichen für die östliche und westliche Raumfahrt gestellt.

Dabei hatte die Raketentechnik im Krieg nur Tod und Zerstörung gebracht.
Das darf nie vergessen werden. Auch nicht, dass die Rakete A4 besser bekannt unter ihrer Waffenbezeichnung V2 von Häftlingen im NS-Konzen­tra­tionslager Mittelbau-Dora unter unmenschlichen Bedingungen gebaut wurde und Tausende ihr Leben ließen. Zwei Aspekte, die bei unserer Aufarbeitung der Geschichte allgegenwärtig sind.

Eine A4-Rakete erreichte schon 1942 über 100 Kilometer Höhe und überschritt damit die Grenze zum Weltraum. Das weckte Begierde?
USA und UdSSR hatten das Potenzial der Raketen­technologie erkannt. Um an das deutsche Know-how zu kommen, schreckten sie selbst vor der Zusammen­arbeit mit den ehemaligen Feinden nicht zurück. Noch vor Kriegsende vereinnahmten die Amerikaner mehr als 100 Raketen samt deren Chefkonstrukteur von Braun.

Und die Sowjets?
Sie zogen im Juli 1945 einen Großteil des deutschen Entwicklerteams in Bleicherode zusammen und gründeten das „Institut Rabe“. Rabe als Abkürzung für Raketenbau und Entwicklung. Bis zur Verlagerung nach Russland im Herbst 1946 wurde hier an der Rekonstruktion und Weiterentwicklung der A4 geforscht. Die gesamte Dokumentation hatten ja die Amerikaner. Sogar der Chefkonstrukteur der sowjetischen Raumfahrt, Sergej Koroljow, war ein halbes Jahr vor Ort. Es galt, einen Technologievorsprung gegenüber Amerikanern, Franzosen und Engländern zu erreichen.

Das war vor allem ein ­militärischer Auftrag?
Sicher. Aber daneben hatten Koroljow und viele seiner deutschen Kollegen eine Vision: regelmäßige Flüge ins Weltall zur Erkundung von Orbit, Mond und Planeten. Ein wichtiger Schritt dafür wurde in Bleicherode getan.

Informationen:
http://www.institut-rabe.de/
http://www.weltraumtouristik.de/
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige