Nur über meinen Schreibtisch

 
Der Buchkalender ist Ingeborg Baders Heiligtum, obwohl sie die Termine für den OB längst auch am Computer koordiniert.
Hinter jedem starken Manager steht eine starke Frau. Die Chefsekretärin organisiert, koordiniert, hält ihm den Rücken frei. AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt stellt zwei Thüringer Chefsekretärinnen vor.


Ingeborg Bader (61), Mitarbeiterin im Büro des Weimarer Oberbürgermeisters Stefan Wolf:

Ingeborg Bader öffnet die Tür zum Zimmer ihres Chefs. Ein großer, nostalgisch anmutender Raum mit schwerem Mobilar aus Holz. Es ist das Dienstzimmer des Weimarer Oberbürger­meisters Stefan Wolf. Wer hinein will, muss zuerst an ihr vorbei.

Davon, dass ihr das eine gewisse Macht verleiht, möchte sie nichts hören: „Wer durchgestellt wird, entscheide ich nach sachlichen Kriterien.“ Jeden Morgen liest Ingeborg Bader zuerst die E-Mails, sortiert sie nach Wichtigkeit, stellt Terminanfragen zusammen, die sie mit Stefan Wolf bespricht. Mit zwei Mitarbeitern sorgt sie im OB-Büro für einen präzisen Arbeitsablauf des Chefs und drückt auch mal kurzfristige Termine in den Wochenplan. Zum Beispiel, wenn die frisch gekürte „Miss Germany“ aus Weimar zu einem Kurzbesuch in ihre Heimatstadt kommt. „Als sich die Schönste der Schönen ins Goldene Buch der Stadt eintrug, war das Medieninteresse groß“, erzählt Ingeborg Bader. Sie zieht Fotos hervor, die sie mit Genscher, Lindenberg und Putin zeigen. "Kommen prominente Gäste ins Rathaus, bin ich von Anfang an mit eingebunden." Und als das Schauspielerpaar Renate Krößner und Bernd Stegemann 2005 in Weimar heirateten, hat sie das Fest organisiert.

Seit ihrem Lehrbeginn 1966 im Rathaus Weimar ging Ingeborg Bader nie durch eine andere als die Rathaustür zur Arbeit. Seit 1970 ist sie Chefsekretärin beim jeweils wichtigsten Mann der Stadt. Stefan Wolf ist „ihr“ fünfter Oberbürgermeister. Vergleiche schließt sie aus: „Ich habe mich auf die verschiedenen Charaktere und Leitungsstile eingestellt.“ Loyalität und Vertrauenswürdigkeit zeichnen eine gute Chefsekretärin aus. Wichtig ist auch Organisationstalent. Denn Termin ist nicht gleich Termin. Braucht der OB ein Grußwort, die Zuarbeit einer Fachabteilung, einen Kranz mit Schleife? Ingeborg Bader achtet akribisch darauf, dass das Stadtoberhaupt perfekt auftreten kann. „Übersehe ich etwas, blamiert sich der Chef.“ Und das darf niemals geschehen.


Andrea Mühlig (47), Leiterin des Vorstandsbüros der Bauerfeind AG in Zeulenroda und Sekretärin des Firmenchefs Professor Hans B. Bauerfeind:

Der Montag hat es in sich. „Das ist unser Beratungstag. Dem Vorstands- folgt das Marketing- und dem das Vertriebsmeeting“, umreißt Andrea Mühlig das Arbeits­pensum. Sie schreibt die Protokolle. „Danach bin ich echt geschlaucht“, gesteht die 47-Jährige und versprüht dabei so viel Energie, dass ihr das nur schwer zu glauben ist.

Andrea Mühlig leitet das dreiköpfige Vorstandsbüro der Bauerfeind AG in Zeulenroda. Ein Unternehmen, das Bandagen, Orthesen, Kompressionsstrümpfe und orthopädische Einlagen produziert, mit 2000 Mitarbeitern weltweit. Am Ostthüringer Stammsitz sind es 850.

Da­rüber, wie die medizinischen Hilfsmittel entstehen, kann die Geraerin auch in Englisch plaudern. Ansonsten ist sie absolut diskret: „Wenn ich mit Kollegen essen gehe, rede ich am liebsten gar nicht über die Firma.“ Oben in der 12. Etage des Glastowers erfährt sie viele Interna. Das bedingt ein absolutes Ver­trauensverhältnis.

Die studierte Verwaltungsfachwirtin und Personal­fachkauffrau spricht von ihrem Chef mit höchstem Respekt. „Er ist ein strategischer ­Arbeiter und sehr akkurat“. Sie sitzt an der Kommunika­tionsstelle – ­filtert aus E-Mail-Flut, Postberg, Telefonaten und Gesprächs­protokollen das Wichtigste für ihn heraus. Nimmt sie so Einfluss auf den Chef? „Indirekt vielleicht schon“, überlegt Andrea Mühlig. „Aber nach 14 Jahren Zusammenarbeit weiß ich, worauf es ihm ankommt.“ Auch in der Terminplanung.

Und wie steht es um das Klischee der Kaffee kochenden Sekretärin? „Das ist passé. Unsere Vorstände sind selbstständig, gehen eine Etage tiefer an den Automaten und holen sich den Kaffee ihrer Wahl“, erzählt die Chef­sekretärin. „Manchmal haben wir sogar Glück und sie bringen uns einen mit.“
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