Paparazzi des Rollfelds: Wenn der Flughafen zum zweiten Wohnzimmer wird – Planespotter haben ein ungewöhnliches Hobby

Maximilian Hartmann (links) und Lukas Kulik sammeln Flugzeuge. Der 20-jährige Student und der 32-jährige Fluglotse sind Planespotter. Auch eine kleine Cessna (Hintergrund) kann die beiden faszinieren.
 
Fotomotiv für Planespotter: ein Airbus A321-211 von Germania am Flughafen Erfurt-Weimar. (Foto: Maximilian Hartman)
Erfurt: Flughafen Erfurt-Weimar |

Maximilian Hartmann und Lukas Kulik sammeln Flugzeuge: von der kleinen Cessna bis zur riesigen Boeing. Der 20-jährige Student und der 32-jährige Fluglotse sind allerdings keine Multi-Millionäre mit extravagantem Hobby. Es reicht ihnen schon, nur Fotos der Maschinen zu schießen. Die beiden sind Planespotter.

Flugzeuge haben so etwas Geheimnisvolles“, erklärt Maximilian Hartmann seine ­Faszination. „Egal, wie lange ich das Hobby schon betreibe. Immer wenn die Maschine vorbeirollt, ist das ein Gänse­hautgefühl.“ Seit er 14 Jahre alt ist, vergeht kaum eine Woche, ohne dass er mit seiner Kamera zum ­Flughafen in ­Erfurt fährt. Rund 20 000 Fotos von Fliegern hat er mittlerweile auf seinem Rechner, sortiert in einer Datenbank. Doch er erinnert sich ohnehin an jede Auf­nahme ganz genau, an die Stimmung beim Fotografieren, an die Gespräche mit den anderen Spottern. „Ich kann zu jedem Bild eine ­Geschichte erzählen.“

Besonders freut sich der ­Erfurter, wenn er ältere Maschinen vor die Linse bekommt: eine Tupolew 154, eine DC-10 oder MD-11. „Die haben einen besonderen Klang. Das hört sich noch nach Flugzeug an.“ Ein Ende der Sammelleidenschaft ist trotz des reichen Bilderschatzes noch lange nicht in Sicht: „Es gibt ja immer wieder neue Flug­pläne im Sommer und Winter. Die Maschinen ändern ihren Besitzer, ihr ­Design oder die Registrierung.“ Schon ein neuer Sticker ist Grund genug, die Maschine erneut abzulichten, auch wenn er sie schon zwölf Mal in seiner Sammlung hat. Auch sonst saugt Hartmann jedes Wissen rund um die Luftfahrt wie ein Schwamm auf – egal, ob es um Technik oder Wirtschaft geht.

Maximilan Hartmann: "Immer nur Fotos von der Besucherterrasse sind langweilig."


Lukas Kulik saß mit zwölf Jahren das erste Mal in einem Flugzeug. „Da ging es auch gleich los mit der Faszination für die Luftfahrt“, schwärmt der gebürtige Nürnberger. Aus seinem Hobby wurde ein Studium und letztlich der Beruf zum Verkehrsleiter und Fluglotsen am Erfurter Flughafen. Er kann hinter die Kulissen der Flughäfen gucken und mit dem Sicherheitsausweis ohne störenden Zaun fotografieren, wenn es denn die Arbeit einmal zulässt.

Für Kulik spielt die Distanz zum Flieger eine entscheidende Rolle. Gebannt blickt er auf die ­Maschinen hoch am Himmel oder durch die ­Scheibe auf der Piste wie auf Filmstars am roten Teppich. Irgendwie unerreichbar, nur kurz für ein Foto zu erhaschen. „Diesen besonderen Moment will ich einfangen“, sagt der Papa­razzo des Rollfelds.

Vor allem aber schätzt Kulik die Atmosphäre an den Flughäfen. „Dort herrscht pure Harmonie. Bahnhöfe sind für mich die Hölle, Flughäfen der Himmel.“ Am liebsten würde er im Terminal eine Liege aufstellen und die Seele baumeln lassen. „Alle sind hier gut drauf, lächeln, freuen sich vielleicht auf den Urlaub. Die Menschen umarmen sich zum Abschied oder bei der Rückkehr. Das hat etwas Schönes“, beteuert er, dass er das nicht nur sagt, weil er es aus Berufsgründen muss.

Lukas Kulik: "Andere besichtigen im Urlaub Kirchen oder Museen und wir eben Flughäfen."


Die Thüringer Planespotter-Szene ist übersichtlich, die Fans aber voller Leidenschaft. Wettstreit gibt es unter Spottern nicht, man ergänzt sich. „Wir fahren mit der Gemeinschaft zusammen zum Frankfurter Flughafen, nach Leipzig oder Berlin und verbringen dort einen ganzen Tag von früh bis spät“, berichtet Maximilian Hartmann. „Die Airlines in der Masse hat man ja in Erfurt gar nicht.“

Dass Thüringens einziger Flughafen zu den kleinsten gehört, mindert nicht seinen Reiz. Während andere 0815-Flughäfen für Hartmann oft austauschbar erscheinen, ist für ihn in Erfurt vom Riesenbanner am Hangar bis zum Wetterhäuschen alles besonders, persönlicher, individueller, fast familiärer. Für eine besondere Fotogelegenheit kann ihn Kulik auch gerne um drei Uhr in der Nacht aus dem Bett klingeln. „Wenn dort auch nur eine Cessna steht, gibt mir ­Lukas Bescheid. Für uns ist das etwas Besonderes, denn so kleine Maschinen sind schwerer zu bekommen als eine Boeing 747“, sagt er.

„Mittlerweile kenne ich in ­Erfurt natürlich alle Ecken, alle Positionen, die sich für Fotos eignen.“ Aus dem Parkhaus hat er einen guten Blick. Auf der anderen Seite des Flughafens kann er durch den grobmaschigen Zaun fotografieren. Das Wetter, das Licht und die Tageszeit spielen eine Rolle. Ebenso, ob die ­Maschine landet, startet oder nur über die Bahn rollt.

„Das sind immer tolle Fotos“, lobt Fluglotse Kulik. „Zum Dank geben wir vom Flughafen Infos weiter oder nehmen die Spotter bei einer Führung mit aufs Vorfeld.“ „Dazu gehört viel ­Vertrauen“, kennt Hartmann die Sicherheitsbestimmungen. „Aber alle wissen: Wir Spotter wollen nicht Böses. Wir wollen nur die Maschinen fotografieren. Uns ist egal, wo sie hin­fliegen oder wer an Bord ist.“

Auf einige Motive ist Hartmann richtig stolz. „Ich bin zum Beispiel froh, dass ich die Air Namibia A330 fotografiert habe, die aus Windhoek kam und Einflugverbot in Frankfurt hatte.“ Für solche ­Momente harrt er sechs, sieben Stunden am Flug­hafen aus, um den passenden Augenblick zu erwischen. „Das verstehen andere nicht“, weiß Kulik und ist sich für ein Wortspiel nicht zu schade: „Doch für ­Luftfahrtliebhaber vergeht die Zeit wie im Flug.“

Hintergrund

• Ihre Bilder stellen die Thüringer Planespotter in der Facebook-Gemeinschaft „Erfurt Aviation Forum“ ein. Auch der Flughafen Erfurt-Weimar teilt die Bilder auf seiner Facebook-Seite.
• Als Fotogalerie gibt es die Bilder auch beim Flughafenfest am 27./28. Juni zu sehen.
• Weitere Infos:
www.flughafen-erfurt-weimar.de
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