Pater Franz' Un-Ruhestand

Pater Franz ist eigentlich seit drei Jahren im Ruhestand, doch er ist genauso rührig wie zu seinen aktiven Zeiten. Anderen Freude zu geben, ist sein Lebenselixier.
  Seine Augen strahlen, wenn er spricht. Dieser Mann ist die Zuversicht in Person, ist Freude, ist der Glaube an das Gute.

Pater Franz Schwarz steht seit fast vierzig Jahren dem Priorat St. Wigberti in Werningshausen vor. Dass er sich eigentlich seit drei Jahren im Ruhestand befindet, ist Nebensache. Er ist rührig wie eh und je. „Dass ich all das tun kann, ist ein wunderbarer Lohn“, gesteht der 68-Jährige. Es gibt keinen Sonntag, an dem Pater Franz den Gottesdienst nicht selbst abhält. Nur eine seiner vielen Aufgaben. Sein oberstes Ansinnen: „Ich möchte den Menschen eine Botschaft übermitteln, ihnen Freude schenken und sie glücklich machen“, sagt er. Genau das ist sein Lebens­elixier.

In einem gewissen Alter, so sagt er heute lächelnd, habe man das Recht, seine Erinnerungen zu vergolden. Pater Franz muss das nicht tun, er spricht von seiner sehr glücklichen Kindheit. Ein strenger und zugleich liebevoller Vater, eine ebensolche Mutter, die durch ihre Geradlinigkeit auffiel, haben ihn geprägt. Auch er mag es direkt. Die Meinung muss gesagt werden.

Der Glaube hat bereits den jungen Franz begleitet. Obwohl er in diesen und selbst in späteren Jahren oft dafür angefeindet wurde. Der Heranwachsende begann, in Kirchen Klavier und Orgel zu spielen, später wurde er Schrift- und Kirchenmaler. Und immer mehr hat er die Kirche als Heimat der Menschen begriffen. Auch als seine Heimat. „Der Glaube hebt den Menschen aus der Perspektive des Alltags etwas höher, er verleiht Weitsicht“, hat er schon bald erfahren. Schließlich, so sinniert er, sei der Glaube durch die Weitergabe von Generation zu Generation im Laufe der Zeit sehr gereift.

„Ich bin mit Leidenschaft Pfarrer geworden“, erklärt Pater Franz heute rückblickend. „Du darfst niemals von oben herab predigen, musst immer mitten unter den Menschen, sein“, hatte er sich vorgenommen, ein Pfarrer des Volkes zu werden. Deshalb hat er damals erst einmal klein angefangen, pflegte vor dem Theologiestudium behinderte Kinder. Das war ihm wichtig. Heute ist er das, was er immer sein wollte. Ein Pfarrer, den die Leute zu den ihren zählen. Seine Kirche ist ein sehr offenes Haus, ebenso das benachbarte Kloster. So mancher festliche Gottesdienst muss zweimal abgehalten werden, derart viele Menschen wollen ihn erleben. In den Orten ringsherum gibt es auch immer zu tun, viele fragen, ob sich Pfarrer Schwarz nicht persönlich um Hochzeiten und um Taufen, um Trauerfeiern oder die Christenlehre kümmert. Sein Zuspruch ist gefragt, oft sein Trost. Selbst Trauerfeiern für Menschen ohne Religion hält er in seiner Kirche ab. „Sind doch alles meine Schäfchen“, sagt er und lächelt erneut sein unwiderstehliches Lächeln.

Von Ruhestand kaum eine Spur. „Ach was, den genieße ich schon. Früher hätte ich nicht die Zeit gehabt, mich am Tage einfach mal hinzusetzen und zu plaudern“, wendet er ein. Es gibt noch eine Menge zu erzählen.



WISSENSWERTES:

• Das Priorat St. Wigberti ist ein ökumenisches Benediktinerkloster.

• Brüder aus verschiedenen Konfessionen beten und arbeiten hier nach dem Leitfaden der über 1500 Jahre alten Klosterregel des Heiligen Benedikts.

• Im Land der Reformation wollen sie durch ihr Wirken ein Zeichen setzen für die Einheit der Christen und zeigen, dass die Zerrissenheit der Kirche überwunden werden kann.

• Gegründet in den 60-er Jahren der DDR wurde die Gemeinschaft 1987 als erstes lutherisches Benediktinerkloster nach der Reformation in Deutschland von der Evangelisch-Lutherischen Kirche anerkannt.

• Jedes Jahr findet hier eine Vielzahl von Veranstaltungen statt.

• Das Kloster beherbergt gern Gäste, die den Klosteralltag erleben oder stille Tage genießen können. Auch Klosterführungen sind möglich. Anmeldungen sind erforderlich. Infos: www.wigberti.de
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