Peter Liebau aus Büßleben liebt Sammeltassen

 

“Ein bisschen heilig waren sie schon!“ Peter Liebau sieht sie noch heute vor sich, die guten Stücke zu Hause, die am besten in Schrank und Vitrine aufgehoben waren, sicher vor grapschenden Kinderhänden: Sammeltassen.

Oma und Mutter hatten im Laufe der Jahre einige solcher porzellanen Schätzchen zusammengetragen. Zum Ansehen natürlich, meistens jedenfalls. „An Feiertagen, zu bestimmten Anlässen wurden sie aber dann doch rausgeholt und durften benutzt werden, ausnahmsweise, wenn Geburstag war oder zur Kirmes“, erinnert sich der heute 64-Jährige an Momente, in denen er als Kind an der Kaffeetafel besonders achtgeben musste.


Heute kann Peter Liebau Omas Freude an den hübsch verzierten Tassen noch viel besser nachvollziehen als damals. Seit zehn Jahren ist er selbst leidenschaftlicher Sammler. Ein paar übriggebliebene Stücke aus dem Familienbestand sind der Anfang, dann beginnt der Büßlebener, das eine oder andere Stück dazuzukaufen. Flohmärkte sind oft sehr sammeltassenergiebig. Mittlerweile kommt er beim Durchzählen auf stolze 200 Stück, in den verschiedensten Formen, unterschiedlich verziert. Jede hat ihren eigenen Reiz, jede lässt Peter Liebaus Sammlerherz schneller schlagen. Obwohl er der einen schon eine kleine Vormachtsstellung einräumt: „Ich liebe einfach Kobaltblau“, zeigt er auf seine Favoritin. Noch dazu wurde sie einst in Thüringen gefertigt. Ansonsten kommen seine Schätzchen auch aus anderen Regionen Deutschlands, ein paar stammen aus osteuropäischen Nachbarländern. Er liebt sie alle, egal, ob sie dick- oder dünnhäutig, wie sie geformt und verziert sind. Eine Bedingung allerdings hat er an seine Sammeltassen: Der Henkel muss so beschaffen sein, dass man ihn anfassen kann, um aus der Tasse zu trinken. Denn das gönnt er sich fast täglich: Einen genüsslichen Sammeltassen-Kaffeeschluck. Im Gegensatz zu Mutter und Oma kommen seine Schätze häufiger zum Einsatz. „Man sollte sich jeden Tag schön machen, es ist doch immer irgendwie ein bisschen Feiertag“, formuliert er seine entspannte Sicht auf den Alltag.


Manchmal hätte Peter Liebau zu Hause gern mehr Platz für seine Sammlung, er denkt gerade darüber nach, sie einem Museum zu überlassen. Die meisten Tassen muss er in Kartons lagern. Zu besonderen Anlässen holt er sie hervor, stellt sie auch mal anderswo aus. „Viele erinnern sich dann an früher, erkennen Tassen wieder, die es auch bei ihnen zu Hause gab und erzählen dazu Geschichten“, freut sich der Sammler über reges Interesse. Trotzdem sieht er die Sammeltassen-Leidenschaft realistisch: Es ist eine aussterbende Leidenschaft. „Ich würde mich freuen, wenn das nicht so wäre“, sagt er und weiß im selben Atemzug, dass junge Leute für derlei Relikte nicht mehr zu begeistern sind. Peter Liebaus Sammelfreude tut das keinen Abbruch.


Und das weiß Wikipedia zu Sammeltassen:



- Im frühen 19. Jahrhundert wurde Porzellan preiswerter, und es entwickelte sich in bürgerlichen Kreisen der Brauch, Tassen zu sammeln sowie zu besonderen Anlässen oder als Freundschaftsgabe, oft mit namentlicher Widmung, zu verschenken. Auch als Souvenir waren Sammeltassen im 19. Jahrhundert weit verbreitet.


- Die Erinnerungstassen waren weniger für den täglichen Gebrauch gedacht, sondern wurden als Repräsentationsstücke in den Vitrinen der biedermeierlichen Wohnzimmer zur Schau gestellt. Bei fast allen Manufakturen ließen sich individuelle Dekore und Beschriftungen bestellen.


- Im Gegensatz zu heute lag die Schauseite der Tasse dem Henkel gegenüber, damit er die Wirkung von Malerei und Beschriftung nicht störte.


- Besonders beliebt waren die Ansichtentassen mit dem Bild einer Landschaft oder einer Stadt. Daneben gab es auf den Tassen alle möglichen anderen Darstellungen wie Landkarten, Reliefporträts, Hausfassaden, Blumenbilder, Rosenblüten, Vögel oder bekannte Bauwerke. Weit verbreitet waren außerdem Tassen mit populären Sinnsprüchen.


- Auf die zunehmende Lust am Sammeln von Geschirr reagierten die Hersteller mit immer umfangreicheren Modellpaletten; die Porzellanmanufaktur Fürstenberg entwickelte zum Beispiel im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts über einhundert verschiedene Tassenformen und entsprechend viele Malereidekore.


- Die Blütezeit der Sammeltassen im 20. Jahrhundert währte bis in die 1930er Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die Tradition noch für zwei Jahrzehnte fort, bis sie in den 1970er Jahren endgültig an Bedeutung verlor. Für ältere Stücke entwickelte sich dann in den 1990er Jahren ein Sammlermarkt. Zugleich kreierten Künstler neue, dem Zeitgeschmack in Form und Dekor angepasste Einzelgedeck-Kollektionen.


- Zum Weiterlesen: Renate Möller: Porzellan von Meißen bis zur Gegenwart. Deutscher Kunstverlag. Georg Himmelheber: Kunst des Biedermeier 1815-1835. Prestel-Verlag. Ulrich Pietsch: Die Sammeltasse im 18. und 19. Jahrhundert. Zeitschrift Weltkunst, 60. Jahrgang (1990), Nr. 8.
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