Projekt: Abendessen für Kinder im Jugendhaus Maxi

Ute Frommann kocht dreimal pro Woche für die Kinder. Huete gehen ihr Melissa, Anna und Laura zur Hand.
 
Ehrensache: Alle essen gemeinsam an der großen Tafel
Unsichtbare Grenzen

Projekt ermöglicht Kindern und Jugendlichen im Erfúrter Jugendhaus „Maxi“ ein warmes Abendessen

Von Helke Floeckner

ERFURT. „Hhmm, riecht das lecker“, verdreht der kleine Junge genüsslich die Augen und würde am liebsten sofort losmampfen. Doch noch sitzen nicht alle am Tisch. Und schließlich gehört es sich ja, zu warten und erst nach dem gemeinsamen „Guten Appetit“-Wünschen loszuessen. „Noch vor drei Monaten war das nicht so, viele Kinder kannten ein gemeinsames Essen nicht von zu Hause“, erinnert sich Manuela Reichmann, die Leiterin des vom Verein „Perspektiv e.V.“ betriebenen Jugendhauses Maxi.

Bis Dezember lief in der Einrichtung in der Rosa-Luxemburg-Straße das Projekt „Warmer Abendtisch“ als Versuch. Dieser hat sich wunderbar bewährt, der initiierende Verein „Children for a better world“, der deutschlandweit in sozialen Brennpunkten warme Mittagstische finanziell fördert, hat seine Unterstützung noch einmal bis Dezember 2011 verlängert. Der Hintergrund für dieses Engagement ist schnell erklärt: Inzwischen wächst in Deutschland jedes sechste Kind in Armut auf, Tendenz steigend. Oft bedeutet das für die Kinder, dass sie nicht ausreichend und falsch ernährt werden. Auch soziale Kontakte bleiben für viele Betroffene oft auf der Strecke. Armut schafft unsichtbare Grenzen.

Im „Maxi“ wird der Mittags- zum Abendtisch, zu dieser Zeit ist der Bedarf einfach größer, wissen die Hausleiterin und Anja Bachmann vom Perspektiv e.V. Auch der Children-Verein zeigt sich sehr offen und hat keine Probleme, in Erfurt die Mahlzeit in die Abendstunden zu verlegen

Immer montags, mittwochs und freitags wird hier selbst gekocht. Ute Frommann - eine liebe Mutti - steht dafür in der Küche, geht zuvor mit einigen Kindern Zutaten einkaufen und freut sich jedes Mal über ihre kleinen Küchenhelferlein, die gemeinsam schälen und schnippeln, würzen, rühren, abschmecken und alles tun, was dazugehört. Dass die Zutaten gesund und vor allem immer frisch sind, ist selbstverständlich.

Längst ist es Ehrensache für alle, die mitessen, dass sie die große Tafel selbst decken. Gerade jene, die anfangs am liebsten ganz für sich losessen wollten, bestehen jetzt darauf, dass möglichst immer Kerzen auf dem Tisch stehen. Und gemeinsam begonnen wird sowieso. Es tut gut, mit den anderen hier zu sitzen und beim Essen den vergangenen Tag zu besprechen. „Man muss gar nicht viel sagen, die Kinder leben es einander vor, lernen voneinander, wie es geht“, freut sich Manuela Reichmann über eine fröhliche, gesittete Abenbrot-Runde aus mindestens 15 Kindern.
Eigentlich richtet sich das Angebot an Kinder und Jugendliche. Manche von ihnen bringen auch das Geschwisterchen mit. Auch das soll ein warmes Essen haben und Gemeinschaft erleben.

Zusammen zu essen ist nicht für jeden selbstverständlich. Manchmal kann genau das so vieles bewirken. Im Jugendhaus Maxi werden Kinder satt. Und so „ganz nebenbei“ werden sie ein bisschen stärker fürs Leben. Vielleicht lassen sich unsichtbare Grenzen so besser überwinden.
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