Quadratkilometergroße Eisschollen können der sichere Tod sein: Weltenbummler Jürgen Schütte erzählt in Erfurt spannende (Lebens)Geschichten

Weltenbummler Jürgen Schütte. (Foto: privat)
  Erfurt: ... | Jürgen Schütte ist Aussteiger auf Zeit. Ein Mann, der sich irgendwann in seinem Leben aufmachte, um die Freiheit zu suchen, die manchmal an die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit geht. Am Freitag erzählt er in Erfurt von seinen Erlebnissen im hohen Norden.

Fernweh verspürt Jürgen Schütte schon als Kind. Vor allem der hohe Norden hat es ihm angetan. Doch die finanziellen Mittel sind knapp und an Informationen über diese Gegend mangelt es. Als junger Mann reist Schütte deshalb nach Indien und Amerika.
"Über 20 Jahre nach meinem Kindheitstraum sah ich einen Bericht über Spitzbergen im Fernsehen und die Reiselust war neu geweckt", erinnert sich der freischaffende Reisejournalist. Er recherchiert, plant drei Jahre lang die Reise, die ihn 850 Kilometer durch das Polarmeer führen wird. Jürgen Schütte will diese Strecke mit einem Kajak zurücklegen. "Man muss eine Expeditionsgenehmigung und einen Waffenschein haben", erzählt Schütte. "Wegen der Eisbären ist eine großkalibrige Pistole oder ein Gewehr Vorschrift. Nicht um die Tiere zu töten, sondern um sie bei Gefahr in die Flucht zu schlagen."

Ein Eisbär kann einen Menschen durch die Luft wirbeln


Eisbären sind die größten Landraubtiere der Welt, ein ausgewachsenes Exemplar wiegt um die 1000 Kilogramm. Weltenbummler Schütte stellt eine Verhältnisrechnung auf: "Ein erwachsener Mann im Verhältnis zu einem Eisbären ist wie ein zweijähriges Kind zu einem erwachsenen Menschen."
2010 begibt sich Schütte auf die Reise nach Spitzbergen, einem Inselarchipel mitten im Polarmeer. "Im Sommer ist es in der Hocharktis relativ warm", erzählt Schütte. "5 Grad plus bis 12 Grad minus."
Weil es die Natur mit Schütte gut meint, kann er auf dem 82. und 83. Breitengrad gut paddeln. "Wenn ich auf Eis gestoßen wäre, hätte ich umkehren müssen. Es passiert, dass man mit seinem Kajak von quadratkilometer großen Eisschollen eingeschlossen wird. Das ist der sichere Tod." Das Gebiet, so groß wie Belgien und Niederlande zusammen, wird nur von etwa 4000 Menschen bevölkert. Weder Lagerfeuer noch Leuchtrakete hätten Helfer aufmerksam gemacht.
"Deswegen ist ein Notpeilsender vorgeschrieben."

Allein unter Robben


Schüttes Paddelpartnerin fällt bereits nach zwei Wochen krankheitsbedingt aus, also setzt er die Reise allein fort. Und erlebt Atemberaubendes: "Papageientaucher, Robben die bis ans Boot herankommen und Wale - zum Greifen nah."
Jederzeit würde Jürgen Schütte diese Reise wiederholen, aber nicht allein. "Es gibt dort 60 Kilometer lange Steilküsten, an denen man nirgends anlegen kann. Das ging an meine Kräfte. Auch die wetterbedingten Depressionen kann man zu zweit oder in einer Gruppe besser händeln."


Drei Fragen an Jürgen Schütte:

Wie fühlt sich das an, wenn die Sonne monatelang nicht untergeht?
Besucher verlieren jegliches Gefühl für Zeit. Manchmal ist die Luft so klar, dass Entferntes greifbar nah erscheint, dann wieder hüllt Nebel alles tagelang in graue Schleier. Das macht auf Dauer depressiv.

Welchen Tieren sind Sie begegnet?
Es gibt in Spitzbergen allerhand neugierige Eisbären, Polarfüchse, Robben und Walrosse, die ich fotografiert habe. Meine Sammlung umfasstetwa 10.000 Bilder.

Wo liegt der älteste Wald der Welt?
In Svea, das ist eine der letzten Bergbausiedlungen auf Spitzbergen. Es gibt nur 15 Straßenkilometer, aber ein Vielfaches an Strecke, die man mit dem Auto durch die Mienenwelt fahren kann.
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8 Kommentare
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 20.11.2014 | 11:12  
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Constanze Fuchs aus Gotha | 20.11.2014 | 11:26  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 20.11.2014 | 11:41  
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Katrin Treydte aus Erfurt | 20.11.2014 | 13:19  
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Katrin Treydte aus Erfurt | 21.11.2014 | 13:27  
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Renate Jung aus Erfurt | 26.11.2014 | 21:01  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 27.11.2014 | 11:58  
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Renate Jung aus Erfurt | 30.11.2014 | 00:20  
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