Querdenker und Hobby-Fotograf: Erinnerungen an Dieter Stark

Lubi am Rost (Foto: Dieter Stark)
 
Blick in die Michaelisstraße (Foto: Dieter Stark)
Erfurt: Michaeliskirche |

Erinnerung an einen Querdenker: Eine Ausstellung in der Michaeliskirche zeigt bis Ende Mai Bilder des vor fünf Jahren verstorbenen Hobby-Fotografen und Erfurter Originals Dieter Stark.



Plötzlich ist er wieder da. Ganz nah. Fünf Jahre sind vergangen seit Dieter Starks Tod und der gefühlvollen Rede, die Wolfgang Musigmann an seinem Grab hielt. Der Abschied ist wie ein Buch, das sich für immer schließt. Manchmal erinnert er sich einiger Zeilen, bestimmter Begebenheiten daraus. Doch die Erinnerungen werden blasser. In diesen Tagen bekommen sie noch einmal neuen, frischen Glanz.


Dieter Stark hatte für sein Leben gern fotografiert. Eine Auswahl seiner Bilder ist jetzt in der Michaeliskirche zu sehen. „Als wir im vergangenen Jahr eine andere Ausstellung vorbereiteten, sind wir auf den gewaltigen Bilderfundus von Dieter Stark gestoßen“, erinnert sich Wolfgang Musigmann, der Leiter der Offenen Arbeit, an die erneute Begegnung mit den Starkschen Fotografien. Der größte Teil der insgesamt rund 4000 Bilder findet sich bei Starks einstiger Lebensgefährtin, andere in der Offenen Arbeit selbst. Dort war der Hobby-Fotograf seit 1979, vom ersten Tag an, präsent.

Seine Anliegen: Umwelt, Altstadt und die Menschen



Viele seiner Schwarz-Weiß-Aufnahmen geben bebilderte Zeugnisse von all dem, was dort bewegt wurde. Bei den Themen Umweltverschmutzung und wenn es darum ging, Verfall und drohende Zerstörung der Erfurter Altstadt zu dokumentieren, kennt Starks Eifer keine Grenzen. Brennende Mülltonnen oder warnend aufschreiende Aufnahmen, wie eine geplante Stadtautobahn mitten durch die City alles Historische niedertrampeln würde, sind seine Motive. Genau wie die Familie, die vielen Freunde oder die Arbeitskollegen bei Umformtechnik. Ihm, den sie alle 'Hännes' nennen, vertrauen sie, sie lassen es ohne Bedenken zu, wenn er ihnen mit der Kamera nahe kommt.


Manchmal hat nahekommen auch damit zu tun, jemandem auf die Füße zu treten. „Dieter hat immer Fragen gestellt, war an allem interessiert und hat eben auch sehr gern kritische Fotos gemacht, die so gar nicht dem Mainstream entsprachen. Er hatte genau den Blick dafür“, erinnert sich Wolfgang Musigmann an den Kämpfer mit der Kamera. „Er war ein Querdenker“, fügt er hinzu. Und lächelt bei der Erinnerung an die vielen Ideen, die Dieter Stark auch für die Offene Arbeit hatte. Einer, dem immer Neues einfiel, war er, ein Impulsgeber, „Nur, wie man das Ganze dann umsetzen könnte, hat er anderen überlassen.“ So war er eben.

Lebendige Erinnerung



Wer ihm einmal begegnete, hat ihn nicht so schnell vergessen. Er war eine markante Erscheinung, hob sich nicht nur mit seinen Bildern, sondern auch mit seinem Äußeren von anderen ab. Ein kritischer Mensch, der es auch verstand, zu leben und es sich gutgehen zu lassen. „Es war gar nicht so einfach, aus den vielen Bildern gut 90 für die Ausstellung auszusuchen“, haben Wolfgang Musigmann als Initiator und die anderen Mitstreiter lange um die richtige Auswahl gerungen. „Diese Bilder bringen mir Dieter wieder ganz nah an mein Herz, menschlich fehlt er mir und vielen seiner Freunde noch heute sehr“, gibt er zu. Es sei, als ob man die Welt noch einmal mit Hännes' Augen sähe.


Die Ausstellung:

“Dieter Stark. Fotografische Impressionen“, bis zum 27. Mai in der Michaeliskirche Erfurt.



Dieter Stark


Dieter Stark wurde 1949 geboren, er wuchs am Roten Berg auf. Er arbeitete im VEB Umformtechnik und war 1979 Gründungsmitglied der Offenen Arbeit Erfurt. Dreißig Jahre lang dokumentierte er fotografisch deren Aktivitäten und war ihr ein wichtiger Impulsgeber. Dieter Stark widmete sich wichtigen Themen wie Umweltverschmutzung und Verfall der Erfurter Altstadt, außerdem fotografierte er gern Menschen in seinem privaten und in seinem beruflichen Umfeld. Manche seiner Fotos bearbeitete er experimentell, um ihre Wirkung zu verstärken. Im Jahr 2010 starb Dieter Stark.
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