Schreib mal wieder - per Hand!

„Greift wieder zum Füllfederhalter“, ermuntert ­Gabriele ­Trillhaase. Die Künstlerin mit Werkstatt in Oberweimar erfand den „Club zur Rettung der Handschrift“.
 
Die Handschrift eines Menschen trägt eine Unmenge von Informationen - wie die Stimme und der Ausdruck der Augen.
Eine gepflegte Muttersprache und handgeschriebene Briefe sind überholt? Von wegen! Zwei Thüringer machen sich stark für deren Rettung

Sieht aus wie ein ziemlich altes Schriftstück, ist aber eine aktuelle Bewerbung für einen Kunstmarkt. Eine Seite mit Füller per Hand beschrieben. Für Gabriele Trillhaase die schönste Art, sich mitzuteilen. „Handschrift ist etwas sehr Persönliches. Sie öffnet Türen.“ Nur leider nimmt sich kaum noch jemand Zeit dafür. Die Weimarer Künstlerin möchte die Menschen ermuntern, wieder mehr Briefe zu schreiben. Vor zwei Jahren rief sie den „Club zur Rettung der Handschrift“ ins Leben.

„Es ist kein Verein, sondern eine rein geistige Verbindung“, betont die 61-Jährige. Für die Autodidaktin, die sich mit Lederkunst und Postkarten einen Namen gemacht hat, ist der Club Teil ihres Gesamtkunstwerkes. Das geschriebene Wort prägt viele ihrer Arbeiten. Steht sie auf Märkten, bringt sie immer auch die Handschrift ins Gespräch. „Wenn ich an Schreibfreudige dann feierlich die Clubkarte überreiche, höre ich die schönsten Geschichten.“ Wie tief es eine Frau berührte, als sie einen Brief ihrer Mutter fand. Oder wie ein junger Mann das Herz des begehrten Mädchens nach langem Werben schließlich mit einem Liebesbrief gewann. 3800 Mitgliedskarten hat Gabriele Trillhaase bereits vergeben.

Die Künstlerin ist nicht gegen den Zeitgeist, kommuniziert auch elektronisch. „Aber einen dreiseitigen Brief zu schreiben, ist eine besondere, sinnliche Erfahrung.“ Es wäre schade, wenn diese jungen Menschen fortan entgeht.

Kay Neumeyer liegt nicht nur das geschriebene, sondern auch das gesprochene Wort am Herzen. Der 51-jährige Gierstädter ist Thüringer Regionalleiter des Vereins Deutsche Sprache (VDS). Die Interessengemeinschaft mit Sitz in Dortmund will den deutschen Wortschatz hüten, vermehren und vor unnötigen Anglizismen bewahren.
Gibt es denn so viel Sprachpanscherei ? „Leider ja. Man braucht bloß im Erfurter Zentrum den Blick schweifen lassen: die Beispiele reichen von Back-Factory bis Hairkiller.“ Das nervigste Wort im Moment: „Sale“. Vom Schlussverkauf redet kaum noch jemand.
Als weltlicher Trauerredner lebt Kay Neumeyer auch beruflich von Formulierungen. Er achtet deshalb sehr genau darauf, was sprachlich in seiner Umwelt passiert. Und er provoziert gern: „Ich sage T-Hemd statt T-Shirt, Rechner statt Computer, Tonträger statt CD – um zum Nachdenken anzuregen.“ Die Pflege der deutschen Sprache fängt für ihn im Kleinen an.
Rund 80 Mitglieder zählt der VDS in Thüringen. Es gibt keine Mitgliederversammlungen, aber die Vereinszeitung „Sprachnachrichten“. Und neueste Infos erreichen ihn über E-Post.

Als erste deutsche Stadt trat Mühlhausen im Jahr 2005 dem Verein Deutsche Sprache bei. Gotha, der Landkreis Sömmerda und Rudolstadt folgten dem Beispiel. Ihr Anliegen: die Muttersprache zu pflegen, Behördentexte verständlich zu formulieren und entbehrliche Anglizismen zu vermeiden.

Informationen
http://www.cookiedu.de/trillhaase/
http://www.vds-ev.de/
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2 Kommentare
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Uwe Zerbst aus Gotha | 09.02.2012 | 17:27  
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Heidrun Fischer aus Nordhausen | 11.07.2012 | 11:11  
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