Silber zum Geburtstag

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Erfurt: Messehalle | "Die sonnige Königin der Schokolade", das Schokoladenschaustück von Konditormeister Thomas Junghans aus Gotha belegte einen zweiten Platz bei der Olympiade der Köche in Erfurt:


GOTHA. Es ist die leckerste Versuchung, seit Menschen den Kakao entdeckt haben. Genehmige ich mir mit Blick auf meine Figur nur gelegentlich einmal ein kleines Stückchen Schokolade, hantiert Thomas Junghans gleich kiloweise damit. Während ich mir die zarten Würfelchen lieber auf der Zunge zergehen lasse, baut der Konditormeister und Patissier aus diesem ganz besonderen Material Türme. Er modelliert mit geschickten Händen bizarre Formen und gießt Kugeln, zaubert Blätter, Blüten und Engelsgesichter, lässt zarte Ranken aus Schokolade wachsen oder formt eine Sonne mit ganz vielen Strahlen.

Es ist sein neuestes Schaustück, mit dem sich Schokolatier Junghans an der Olympiade der Köche in Erfurt beteiligt. „Bei einer Olympiade bin ich zum zweiten Mal dabei“, sagt er und gieß gerade wieder Formen mit flüssiger Schokolade aus. Ich will kosten. Nur einmal mit dem Finger ein wenig von der braunen Masse stibitzen. „Die Schokolade, die ich hier verarbeite, kann man essen“, sagt der Meister, „aber sie schmeckt nicht mehr.“ Schon mehrfach hat Thomas Junghans die Schaustücke hinterher wieder eingeschmolzen und zu neuen Kunstwerken verarbeitet. „Es ist zum einen der Preis, zum anderen aber der Respekt vor der Arbeit der Menschen, die mühevoll und beschwerlich dafür sorgen, dass wir Schokolade genießen, mit ihr arbeiten können, die mich daran hindern das alles hinterher wegzuwerfen.“

Für sein neuestes Werk, das den Namen trägt: „Die sonnige Königin der Schokolade“ verarbeitet der Gothaer Konditor zirka 7 Kilogramm Schokolade. Die tragenden Elemente, wie der Fuß und die massiven Seitenteile, sind aus dunkler Schokolade. „Diese Schokoladenart ist stabiler und schmilzt nicht so schnell. Denn nicht selten hat man beim Aufbau mit Erschütterungen und einer meist viel zu warmen Halle zu kämpfen. Dann geht es ganz schnell und die eben noch fest verklebten filigranen Anbauteile fallen ab oder das ganze Schaustück löst sich in seine Einzelteile auf. Dann ist die Arbeit vieler Wochen dahin“, plaudert Junghans aus dem Nähkästchen - in seinem Fall aber eher aus der Backstube.

Denn hier werden die meisten Teile vorbereitet, die dann in Schaumstoff und Styropor gehüllt am Wettkampfort zusammengebaut werden. „Dann muss man nur noch in einem bestimmten Zeitfenster fertig sein und auf die Juroren warten. Wenn sie ihre Bewertung abgeschlossen haben, kann das Schaustück ruhig zusammenbrechen“, grinst er genauso süß, wie die warme Masse, die er gerade in eine andere Form gießt.

Gestern Morgen war es dann soweit. Zwischen 5 und 7 Uhr herrschte in der Messehalle 3 in Erfurt emsiges Treiben. An die einhundert Weißjacken mit hohen Kochmützen wuselten um ihre Tische herum und legten letzte Hand an ihre Stücke an. Schokolade, so weit das Auge reicht. Ein Stück filigraner als das andere. Bei manchen scheinen die Gesetze der Schwerkraft auf wundersame Art nicht zu gelten. Blüten, die nur einen winzigen Schokoladen-Stengel haben, Engel, die zu schweben scheinen und abstrakte Gebilde, die kaum den Tisch zu berühren scheinen. Auch bei Thomas Junghans ist das so. Der unscheinbare schlanke Fuß trägt fast 7 kg Schokolade. Die kräftigen Seitenteile verjüngen sich nach oben zu zarten Ranken, dazu eine Blüte in der Mitte. Und das Ganze endet bei einer Höh von 110 Zentimetern. Damit auch alles wie aus dem Ei gepellt aussieht, wird alles mit dunkler Schokolade lackiert. „So bekommt man einen besonders feinen Glanz auf das Stück“, sagt Thomas Junghans und „klebt“ die letzten Ranken an.

Dann zeigt die Uhr 7 Uhr, und die Akteure müssen die Halle verlassen. Nun kommt die Stunde der Wahrheit, denn die Jury nimmt sich jedes einzelne Teil ganz genau vor.

Am Ende stand für den Gothaer eine Silbermedaille. Und das zu seinem Geburtstag. Was kann es Schöneres geben? Zumal die ganze Messehalle dem Schokokünstler ein Ständchen zum Ehrentag sang ...
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