Stall statt Laufsteg

  Abenteuerlustig: Katharina Höwner aus Riethgen ist die Thüringer Milchkönigin

RIETHGEN. 333 Einwohner und eine Königin – das ist die Situation im beschaulichen Riethgen. Die erst 20-jährige Katharina Höwner ist Thüringens Milchkönigin und damit die einzige Hoheit im Ort.

 Die Studentin ist aber nicht etwa nur wegen ihres Aus­sehens zu diesem Titel gekommen. Die Prüfungsbedingungen sind hart. Zum einen müssen die Anwärterinnen beruflich irgendetwas mit dem Thema Milch zu tun haben. Zum anderen wartet nicht der Spaziergang auf einem Laufsteg – sondern schwere Prüfungsaufgaben auf die jungen Damen. Handmelken und ein Wissenstest mit 30 Fragen. Und als sei das noch nicht genug: Ein Kurzreferat zu einem Thema, das aus einem Lostopf gezogen wird. Um nichts davon würden sie die meisten Majestäten im Freistaat beneiden.

 Als sich Katharina Höwner mit dem AA für ein Gespräch trifft, hat sie kurz zuvor einem Kälbchen auf die Welt geholfen, in Schlossvippach bei „LAPROM“ absolviert sie den Praxis-Teil ihres Agrar­management-Studiums. In dem geht es zur Sache, dort muss sie, wie in der Landwirtschaft üblich, richtig ackern.

 „Für mich stand aber fest, dass ich in die Landwirtschaft gehe“, erklärt die junge Frau selbstbewusst. Mit viel Hingabe erzählt sie von ihrer Arbeit und den Terminen, die als Vertreterin der Landesvereinigung Thüringer Milch e.V. hinter ihr liegen. Die Krönung davon waren die „Grünen Tage“ auf der Messe Erfurt – in doppelter Hinsicht. Zum einen wurde sie dort offiziell als die Nachfolgerin von Annemarie Stoye vorgestellt. Zum anderen war es ihr bislang schönster Termin. Dort hat sie den Produzenten von Ziegen und Schafsmilch erklärt, dass sie auch ihre Vertretung gerne übernimmt. Als Milchkönigin müsse sie nicht nur den Verband und die Milchwirtschaft vertreten, sondern auch ihre ehrliche Meinung.

Dass Milch nicht nur müde Männer munter macht, sondern auch bei Frauen zu wirken scheint, merkt jeder, der mit der jungen Frau zu tun hat. Die Abenteuerlust scheint indes die ganze Familie erfasst zu haben. Da kann es schon mal vorkommen, dass die Höwners den Amazonas entlang wandern, dabei auch brusthoch im Wasser waten, trotz unzähliger giftiger Schlangenarten. Ihr bisher größtes Abenteuer aber brachte die junge Frau im Sommer hinter sich: Mit dem Pferd an die Ostsee zu reiten. Das hatte sie sich in den Kopf gesetzt, nahm ihre Freundin und deren Mann gleich mit. Einer langen Vorbereitung hatte das bedurft: In der Woche trainierte sie 30 Kilometer lange Ausritte, am Wochenende saß sie gut 60 Kilometer im Sattel. „Schwierig war es, die richtige Strecke zu planen. Dafür mussten wir viele Karten in großem Maßstab ausdrucken. Jede Übernachtungsmöglichkeit musste geplant werden, denn wir haben ja im Zelt geschlafen“, erinnert sich Katharina.

 Einige Schreckmomente habe es dann auf der Tour gegeben: Einmal habe sie ein kräftiges Gewitter überrascht. „Unglücklicherweise standen wir auf einer Anhöhe und wurden damit zum höchsten Punkt in der Gegend“. Am Ende sei aber alles gut gegangen. „Schön war der Morgen an der Elbe, als alle bei zehn Grad direkt nach dem Wachwerden baden gingen. Ein Traum war es auch, mit den Pferden an der Ostsee am Strand zu reiten.“ Eine Menge Abenteuer liegen noch vor ihr. Auch als Vertreterin der Milchwirtschaft in Thüringen, die sie noch mehr als 20 Monate lang ist.
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