Warum uns Erfurt zur Heimat wurde

IGA Arbeitseinsatz 1 1959 beim freiwilligen, unbezahlten Arbeitseinsatz im „Kulturpark Cyriaksburg“ zur Herrichtung des Geländes für die IGA (Internationale Gartenbauausstellung), die 1961 erstmals stattfand.
 
IGA Arbeitseinsatz 2 Beim Arbeitseinsatz 1959 (IGA) erlebte ich den kindlichen Spieltrieb junger Männer. Wir hatten u. a. Gestrüpp zu roden, das verbrannt wurde. Wir arbeiteten sehr eifrig, um ständig ein großes loderndes Feuer zu haben.
Ich bin 82 Jahre alt und lebte bisher die längste Zeit in Erfurt. Diese Stadt wurde mir und meiner Familie nicht allein dadurch zur Heimat, dass wir hier nunmehr mehr als ein halbes Jahrhundert lang wohnen, sondern auch, weil wir vom Lande kamen und in Erfurt einen gediegenen Großstadtcharakter mit ländlichem Einschlag vorfanden. Im Zentrum sind für „beingesunde“ Menschen fast alle Einkaufs- und Einkehrstätten, medizinische Einrichtungen und Ämter, der Bahnhof, Kirchen, Museen und Sehenswürdigkeiten sowie Theater und Kinos per Fuß zu erreichen.
Im Übrigen ist mit Straßenbahnen und Bussen die Stadt sinnvoll verkehrstechnich erschlossen. Erfurt hat eine bewegte und interessante Geschichte, deren Inhalte besonders in der Gegenwart immer deutlicher hervorgebracht werden. Die Stadt ist reich an denkmalgeschützten wundervollen Häusern und Kirchen sowie anderen Gebäuden, deren Renovierung und Erhaltung zwar Schwierigkeiten macht, aber seit der Wende gibt es dabei gewaltige Fortschritte.
Besonders hervorzuheben sind die Parks und vor allem der Steigerwald als „grüne Lunge“ der Stadt und die IGA (Internationale Gartenbau- Ausstellung) heute EGA (Erfurter Gartenbau-Ausstellung).
Auf dem 36 ha großen Gelände der Grolmannshöhe gab es 1950 bis 1960 den „Kulturpark Cyriaksburg“, der dann ab 1961 zur IGA (Internationale Gartenbauausstellung) umgestaltet wurde.
Gut erinnere ich mich an die Zeit der Vorbereitung dieses Ausstellungsgeländes. Ich war als Tierarzt beim Rat des Bezirkes Erfurt angestellt und musste wie alle Mitarbeiter freiwillige, unbezahlte Aufbaustunden beim Aufbau der IGA leisten. Das war meistens in der Woche nach Feierabend und an Samstagnachmittagen. Dabei erlebte ich den kindlichen Spieltrieb junger Männer. Wir hatten u. a. Gestrüpp zu roden, das verbrannt wurde. Wir arbeiteten sehr eifrig, um ständig ein großes loderndes Feuer zu haben.
Heute bietet die EGA im Frühjahr, Sommer und Herbst eine unvergleichliche Blütenpracht und für Groß und Klein ständig interessante temporäre Ausstellungen.
Der Kinderspielplatz hat sich zu einer großen Attraktion für Kinder aller Altersstufen entwickelt. Wir besuchten im Sommer 2013 mit unseren zwei- und vierjährigen Urenkelinnen den Spielplatz und sahen mit großer Freude, dass dieser sehr vorteilhaft gestaltet wurde.
Wir wohnten 32 Jahre am Rande der Innenstadt, am Fuße der IGA, in einer Gegend mit Häusern und Villen, die um die Jahrhundertwende 1900 gebaut wurden.
Wir sahen noch, als wir 1960 nach Erfurt umzogen, an der Stirnseite des Doms das Marienbild.
Umgeben ist Erfurt mit fruchtbaren Feldern, auf denen Blumen und Blumenkohl gut gedeihen. Leider werden heute viele dieser fruchtbaren Flächen Bauplätze.
Nicht zuletzt werden in Erfurt vielseitige kulturelle und wissenschaftliche Veranstaltungen, umfangreiche schulische Ausbildungsmöglichkeiten sowie eine medizinische Versorgung auf hohem Niveau geboten.
Diese bedeutenden und angenehmen Bedingungen gehören dazu, machen aber noch nicht den Inbegriff Heimat aus. Für uns war wichtig, dass wir durch Mitbewohner in unserem Haus sowie Nachbarn und Bekannten Unterstützung für ein schnelles Eingewöhnen fanden.
1992 zogen wir um in eine neuerrichtete Eigentumswohnung in der Nähe vom Ortsteil Windischholzhausen mit etwa 200 m Entfernung zum Waldgebiet „Buchenberg“. Durch die in nur fünf Minuten Fußmarsch zu erreichende Straßenbahnhalttestelle bleiben wir bei einer Fahrzeit von ca. 15 Minuten mit dem Stadtzentrum verbunden. Als meine Schwiegermutter, damals 87 Jahre alt, von unserem Umzug erfuhr, sagte sie: „ Ich besuche euch niemals mehr in Erfurt. Eine solch schöne Wohnung mit Garten, herrlicher Wohnumgebung und so freundlicher Nachbarschaft aufzugeben, werdet ihr bereuen.“ Durch allerlei Tricks lotsten wir die alte Dame in die neue Wohnung und erreichten, dass sie schnell und gründlich ihre Meinung änderte. Künftig besuchte sie uns bis zum Jahre 2000, in dem sie (95 Jahre alt) starb, mehrmals jährlich für einige Wochen und lobte immer wieder die herrliche grüne Umgebung und die Nähe des Waldes sowie die reine, saubere wohltuende Luft. Sie saß sehr gern auf dem Balkon und genoss, dass kein Verkehrslärm die Stille stört.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige