Was baumelt denn da am Rückspiegel?

Annika Ehlke (Foto: Susanne Steinfeld)
 
Christian Wagner

Ein Blick in das Innere eines Fahrzeugs in Richtung Innenspiegel kann Erstaunliches offenbaren. Während es die einen eher spartanisch lieben und den Spiegel lediglich als notwendigen Gebrauchsgegenstand betrachten, nutzen andere dieses Detail der Innenausstattung als willkommenen Aufhänger für ihre Erinnerungen, Glücksbringer, für Duftbäumchen, als Hommage an ihr geliebtes Hobby oder ein anderes Statement. Die AA-Redakteure Simone Schulter, Sandra Rosenkranz, Michael Steinfeld und Helke Floeckner machten die Probe aufs Exempel und fragten nach, was denn einigen Thüringern derart am Herzen liegt, dass sie es Tag für Tag sichtbar im Auto bei sich haben wollen:


Annika Ehlke beherbergt gleich zwei Mini-Mitfahrer an Bord: Das kleine Püppchen gab es von ihrer Mutter zum ersten Auto nach der bestandenen Führerscheinprüfung. Die Wagen wechselten mit den Jahren, doch der Glücksbringer ist immer mit dabei und hüpft aufgeregt gegen die Windschutzscheibe, wenn die 27-Jährige mal durch ein Schlagloch fährt. Bisher hat das Püppchen seinen Job gut erledigt - es ist noch nichts Schlimmes passiert.Die Puffbohne bekam Annika von ihrem Freund Christian. Das Erfurter Maskottchen hat er ihr geschenkt, damit sie sich gleich heimisch fühlt, als sie von Apolda zu ihm in die Landeshauptstadt zog. Oft fragen Mitfahrer: „Was ist das denn für ein haariges Ei?“ Dann kann die Fahrerein erklären, dass sich geborene Erfurter als Puffbohnen bezeichnen. Offenbar sorgt der Rückspiegelschmuck auch für Liebesglück, denn im August heiratete Annika ihre Puffbohne Christian.



Eigentlich hält Christian Wagner ja nichts davon, etwas an den Rückspiegel zu hängen. Bis zum Jahr 2012. Da statteten er und seine Freundin Julia der schönen Stadt Paris einen Besuch ab und besuchten dabei auch Notre Dame. Das junge Paar aus Erfurt war von der Schönheit der Kathedrale derart angetan, dass es sich dort ein kleines Holzkreuz zulegte, aus Rosenholz gefertigt. Seitdem ziert die hölzerne Erinnerung den Rückspiegel vom Auto. Zwar ist das Auto inzwischen ein anderes, das Holzkreuz aber überstand den Wechsel und veredelt nun den neuen Spiegel. „Es ist auch ein bisschen Glücksbringer, wir hatten seitdem keinen Unfall“, ist sich Christian der talismanischen, unglückabwehrenden Wirkung sicher.



Linda Eisenschmidt, Weimar: "Ich nutze unseren Skoda Fabia gemeinsam mit meiner Mutti und deshalb hängen auch gleich zwei Glücksbringer an unserem Rückspiegel. Zur bestandenen Fahrprüfung hat mir meine Mutti einen kleinen Schutzengel geschenkt, der mich vor Unfällen bewahren soll. So alt wie das Auto ist der Korken, der ebenfalls am Spiegel baumelt. Er stammt von der Sektflasche, mit deren Inhalt wir das neue Auto getauft haben."



Am Rückspiegel von Sindy Haase aus Vogelsberg bei Sömmerda hängen zwei einzelne Babyschuhe in Größe 19/20. Der blaue hat seinen Ehrenplatz bereits seit 2006 und passte damals ihrem Sohn Jamie-Lee, der mittlerweile 10 Jahre alt ist. Der rosafarbige Schuh von der heute vierjährigen Jenni kam 2011 hinzu. „ Es sind die ersten Schuhe zum Drüberziehen, die meine Kinder als Baby anhatten. Es war mir damals zu schade, sie wegzuschmeißen oder nur wieder in den Schrank zu legen“, erzählt die 34-Jährige. So hatte sie die Idee, sie als Andenken an den Rückspiegel zu hängen. Der jeweilige Gegenpart hängt im Dienstwagen ihres Mannes.



Schon seit frühester Jugend ist Andreas Döring bekennender Fußballfan, kaum ein Spiel lässt er sich am Fernseher entgehen. Und von dieser Leidenschaft darf gern jeder wissen. Ein Blick zum Rückspiegel seines Autos offenbart die Begeisterung des Erfurters: Dort hängen zwei Mini-Trikots, eins von der deutschen Nationalmannschaft, eins von seinem Lieblingsverein Bayern München. Wenn sich Andreas Döring ein neues Auto zulegt, kommen die Anhängsel natürlich mit und zieren dann acuh dort den Rückspiegel.






Und das weiß Wikipedia zum Thema Rückspiegel:


Der (Außen-) Rückspiegel wurde 1909 von Dorothy Levitt aus London im Prinzip erfunden. Mit ihrem Werk “The Woman and the Car: A Chatty Little Handbook for the Edwardian Motoriste„ schrieb sie eines der ersten Handbücher zum Autofahren, darin schreibt sie:


„Frauen sollten an geeignetem Platz im Auto einen kleinen Handspiegel mitführen und ihn von Zeit zu Zeit hoch nehmen, um während der Fahrt im Verkehr nach hinten zu blicken.“


Der nachweislich erste fest installierte Rückspiegel wurde vom amerikanischen Rennfahrer Ray Harroun 1911 beim 500-Meilen-Rennen in Indianapolis an seinem Rennwagen montiert. Dadurch konnte der Platz für den Beifahrer eingespart werden, der zuvor dem Fahrer Informationen über das rückwärtige Geschehen geben mußte. Durch das dadurch verringerte Gewicht des Wagens gelang Ray Harroun der Sieg.


Erste Fahrzeughersteller montierten ab 1914 Rückspiegel an den Automobilen, als Standardausstattung setzten sich die Innen- und Außenspiegel erst in den 1930er- und 1940er-Jahren durch.
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3 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 20.09.2015 | 13:50  
Helke Floeckner aus Erfurt | 21.09.2015 | 20:10  
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Peer Floeckner aus Erfurt | 08.12.2015 | 15:28  
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