Wer steckt hinter der Maske? Zu Besuch bei Maskenmacher Dietrich Hanf in Ohrdruf

Manche der Masken - sogenannte Aufsetzköpfe - kommen direkt auf den Kopf, wie Dietrich Hanf es demonstriert. Gleich ist nicht mehr zu erkennen, wer unter der Maske steckt.
 
Nun fehlt nur noch das Kostüm
Gerade in diesen närrischen Tagen haben Masken Hochsaison. Oder sind sie das ganze Jahr gefragt? Ein Blick in die Maskenwerkstatt von Dietrich Hanf in Ohrdruf:


Das Hündchen wirft einen flehenden Blick. Komm spielen! Oder besser nicht, der Hahn mit den respektfordernden Augen sieht aus, als würde ihm das gar nicht passen. Krähattacke. Ob der gemütliche Gendarm nebenan wohl einschreiten wird? Und was sagt die zahnlose Alte dazu? Der Affe lacht sich derweil krumm wie eine Banane und tut es vielleicht dem herumalbernden Jungen nach: Der streckt die Zunge weit heraus. Schon gebietet die zerfurchte Hexe dem Treiben Einhalt...


Die Regale in diesen Räumen stecken voller Fantasie, voller Geschichten, die noch erdacht werden könnten, vor allem aber voller Masken. Dietrich Hanf und seine Frau Irene sind Maskenmacher. Heute ist die Maskenmacherei für das Ehepaar aus Ohrdruf nur noch eine kleine Abteilung im Hanfschen Verpackungsmittel-Betrieb. Eine, die sie mit viel Liebe pflegen.


Früher, weiß der heute 70-jährige Dietrich Hanf zu erzählen, waren Ohrdruf, Sonneberg und Manebach Zentren für dieses Handwerk. Inzwischen gibt es in Deutschland nur noch zwei bis drei Werkstätten der alten Zunft. Den neumodischen Kram, also industriell gefertigte Masken aus Kunststoff, zählt er nicht. Pappmaché-Masken sind die wahren Helden. „Es ist, als ob sie mit dem Träger atmen“, beschreibt Dietrich Hanf das einmalige Gefühl.

Familientradition der Hanfs


Gelernt hat er das Handwerk von seinem Großvater Carl. Der gründete 1921 seine Maskenmacher-Werkstatt in Ohrdruf. Krieg und Nachkriegszeit bringen ein paar Jahre Maskenpause, später, nach der Enteignung in den 70er Jahren, ist angeblich kein Bedarf mehr für derlei Handwerk. Dietrich, längst erwachsen und Ingenieur für Papierverarbeitung und Verpackungstechnik und studierter Maschinenbauer, steigt in das Familienunternehmen ein – und fertigt die Masken weiter, jetzt eben nach Feierabend. „Die Nachfrage war immer da“, erinnert er sich. Seit den 80er Jahren macht auch seine Frau Irene mit.

Hergestellt wird heute jede Maske so, wie es einst Großvater und Vater Hanf taten. Unterschieden wird zwischen Gesichtsmasken – ganzen oder welchen, die nur die obere Hälfte des Gesichts verdecken – und den Aufsetzköpfen, in die man mit dem Kopf schlüpft.

Als Vorlage dienen zumeist historische Formen aus Ton, gut 150 verschiedene haben die Hanfs für Gesichtsmasken, etwa 40 für die Köpfe. Von dieser Urform fertigt Dietrich Hanf Arbeitsformen. Um daraus eine Maske werden zu lassen, weicht er starkes Packpapier einen Tag lang in Wasser ein. Nach dem Abtropfen bestreicht er Lage für Lage mit Tapetenleim. Nun reißt er das Papier in kleine Streifen und Stücke. Die Teilchen kommen anschließend auf die Form, in zwei bis drei Schichten. „So wird alles stabil“, erklärt der Maskenspezialist. Bis zu drei Tage braucht die Maske, um zu trocknen, im Trockenschrank geht es schneller.

Ist alles soweit und von der Form gelöst, beginnt die Feinarbeit, also das Nachbessern und das Herausarbeiten von Mund, Nase und Augen, mit Werkzeugen wie Schlageisen und spitzen Messern.

Zu Großvater Carls Zeiten gab es die Masken zum Schluss fertig bemalt, Bewohner der umliegenden Orte verdienten sich mit dem Bemalen an langen Winterabenden ein Zubrot.

Nicht nur zur Faschingszeit


Ab und zu greifen die Hanfs heute noch selbst zu Pinsel und Farbe, meist aber sind die Masken im Urzustand gefragt. Merkwürdigerweise nicht besonders häufig zur Karnevalszeit, Thüringer Narren sind eher selten Maskenträger, die Zeit der großen Maskenbälle ist vorbei. Irene und Dietrich sind übers Jahr mit ihren Masken auf Festen und Märkten unterwegs, um Kleine und Große zum kreativen Gestalten anzuregen. Auch für Vereine ist das eine gute Möglichkeit, Kinder zu kleinen Künstlern werden zu lassen. „Besonders gefragt sind dabei Tiermasken“, berichtet Dietrich Hanf. Katzen, Hunde, Wölfe, Tiger und bei den Mädchen Pferde sind der große Hit. Damit können sie so wunderbar in andere Figuren schlüpfen, sich Geschichten ausdenken, Märchen spielen.


Auch bei anderen Gelegenheiten ist das Können aus Ohrdruf gefragt: Für eine Aufführung vom „Käthchen von Heilbronn“ gestaltete Familie Hanf nicht nur Masken, sondern 50 Ritterrüstungen aus Pappmaché. Die Puhdys bestellten einst für ihr geplantes Musical große Haifischköpfe, und ein Süd-thüringer Bürgermeister war bestimmt etwas verwundert, als er beim Faschingsumzug seinem vielfachen Konterfei gegenüberstand – als Maske. Jede einzelne mit viel Liebe gefertigt.


Weitere Infos: www.maskenwerkstatt-hanf.de
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