Wie ist das Leben als Architekt, Herr Einicke?

Die Erfurter Architekten Sebastian Einicke (links) und Torsten Hanel.
Erfurt: visualcore | Architekt Sebastian Einicke plant keine Häuser. Ja, überhaupt gar keine Gebäude. Nicht einmal Luftschlösser. Ihm und seinem Partner Torsten Hanel flattern stattdessen die ungebauten Häuser seiner Kollegen auf den Tisch. Und die beiden Erfurter Jungunternehmer von „visualcore" zaubern dann aus den Bauplänen eine dreidimensionale Realität, setzen sie mit Bildern, Panoramen und Animationen in Szene. Wer will, kann sich dank des Duos im zukünftigen Zimmer schon einmal im Kreis drehen - allerdings nur auf dem Computerbildschirm.

So vielseitig ist dieser Beruf: Als Einicke mit seinem Architekturstudium an der Erfurter Fachhochschule begann, hätte er auch nicht gedacht, dass er später nie ein Haus entwerfen wird. „Zugegeben: Sie benötigen kein Architekturstudium für unsere Arbeit. Das kann auch ein Designer", gesteht der 27-Jährige. „Aber meist können Designer keine Grundrisse lesen. Die anderen Architekten schätzen an uns, dass sie nichts erklären müssen." Wer Gebäude entwirft, sitzt über viele Monate an ein und demselben Projekt. Entworfen hat Einicke zwar immer gerne, aber detailliert über jede Steckdose nachzudenken, das ist nicht sein Ding. Jetzt erstellt er in drei bis vier Tagen Visualisierungen für ein Einfamilienhaus, größere Aufträge dauern schon einmal einen Monat.

Ständig neue Projekte, ständig neue Herausforderungen - das liebt er an seinem Beruf. Und es klappt. Das Unternehmen entwickelt sich gut. Einicke wollte immer selbstständig arbeiten. Er kann sich schlecht unterordnen, das war schon bei der Bundeswehr so. Und ein Architekt muss erst einmal zwei Jahre lang in einem Büro arbeiten, dort neun Phasen durchlaufen, vom Entwurf bis zum Bau. Ohne diese Praxis darf sich trotz Diplom oder Master niemand als Architekt bezeichnen. Doch diese Berufserfahrung zu sammeln, ist gar nicht leicht. „Architekten gibt es wie Sand am Meer", beschreibt Einicke die geringen Chancen auf eine Anstellung. Er kennt Kollegen, die sich mit Ein-Jahres-Praktika über Wasser halten müssen. Den Beruf bezeichnet er dennoch als Traumjob. Wer Kreativität mitbringt, technisch versiert ist, räumlich gut denken, zeichnen und Modelle bauen kann, findet als Architekt sein Glück.


Wo?
Architektur kann in Thüringen an der Bauhaus-Universität in Weimar oder an der Fachhochschule in Erfurt studiert werden.

Was?
Im Studium lernen angehende Architekten, Entwürfe, Konzepte und Studien zu erstellen. Viel Praxis soll die Studenten sensibilisieren für die Verantwortlichkeit des Architekten gegenüber Umwelt, Gesellschaft, und Historie sowie dem Auftraggeber. Kreatives Potenzial zu entwickeln, ist ein Schwerpunkt der Fachhochschule Erfurt.

Wie lange?
Ein Bachelor-Master-Studium dauert zehn bis zwölf Semester, einschließlich der Master- Arbeit. Architekt ist man erst dann, wenn man in der Architektenkammer eingetragen ist. Dazu muss man mindestens zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen können.


VITA SEBASTIAN EINICKE
• studierte von 2002 bis 2007 an der Fachhochschule Erfurt Architektur
• gründete anschließend mit seinem Kommilitonen Torsten Hanel das Erfurter Unternehmen „visualcore"
• Kontakt: www.visualcore.eu
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