Wie ist das Leben als Förster, Herr Schmeißer?

Im Winter ist Hauptsaison für den Holzeinschlag der Laubbäume. Revierleiter Hans-Jürgen Schmeißer markiert und kontrolliert.
Allem Frost und Schnee zum Trotz: Im Wald ist Erntezeit. "Wir haben viele Laubbäume im Revier", erklärt Hans- Jürgen Schmeißer. Und Buche und Co. werden nun einmal im Winter geschlagen, wenn kein Saft im Stamm und kein Laub in der Krone ist. Er zeichnet die Bäume aus, koordiniert und kontrolliert.

Der 53-Jährige ist in Rothesütte im Südharz Revierleiter - den Begriff Förster gibt es nur noch im volkstümlichen Sprachgebrauch. Mit grünem Filzhut und Wagemut rangiert er seinen Geländewagen über die ungeräumten Waldwege. Vier Futterstellen werden sieben Tage die Woche angefahren, damit kein Wildtier hungern muss. Für Rot-, Reh- und Muffelwild verteilt Schmeißer Heu, für die Wildschweine Mais. Zuckerrüben und getrocknete Apfelspäne sind besondere Leckerli. An der nächsten Waldschneise warten bereits Rehe in gebührendem Abstand. "Sie kennen das Auto. Wissen, dass es jetzt was zu futtern gibt."

Es ist dieses Einssein mit der Natur, das Hans-Jürgen Schmeißer liebt. Doch die wenigsten Absolventen bekommen gleich ein Revier. "In Thüringen gibt es rund 300 Revierleiter. Wesentlich mehr Forstleute arbeiten in Behörden, Ämtern oder im Ministerium", räumt er ein. Andere finden im forstlichen Dienstleistungsbereich Arbeit. Ein Revierleiter ist zwar Landesbediensteter, arbeitet aber direkt mit der freien Wirtschaft zusammen. Schmeißer schreibt Aufträge für den Holzeinschlag aus, verhandelt mit der Holzindustrie, weist private Holzwerber ein und koordiniert den Einsatz der angestellten Waldarbeiter.

Der Forst muss ökologisch und ökonomisch bewirtschaftet werden. Dabei ist das Holz nur eine Einnahmequelle. Eine andere ist die Jagd. Etwa 25 Jäger sind im Revier aktiv. Was erlegt werden darf, plant der Förster. Je nach Fläche und Frühjahrsbestand. Wer den Job will, darf schlechtes Wetter nicht fürchten. Die Jahreszeiten geben den Arbeitstakt vor: Holzeinschlag im Winter, Aufforstung im Frühjahr, Pflegearbeiten im Sommer, Holzernte und Aufforstung im Herbst. Starre Arbeitszeiten gibt es nicht. "Von Oktober bis Dezember gehört jedes Wochenende der Jagd", erzählt Schmeißer. Passiert ein Wildunfall, wird er mitten in der Nacht herausgeklingelt.
(von AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt)

Infos zur Ausbildung

Wo?

An der Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst der Fachhochschule Erfurt gibt es den Bachelorstudiengang Forstwirtschaft und Ökosystemmanagement.

Was?
Schwerpunkte dieses Studienganges sind:
• Anbau, Pflege und Schutz forstlicher Ressourcen und Energieträger
• Logistik der Rohholzbereitstellung, Marketing und Produktmanagement
• Betriebsführung, Wirtschaft und Vertrieb
• Management von Wildtierpopulationen
• Forsteinrichtung und Forstbetriebsplanung
• alternative Landnutzungsformen
• soziale Leistungen und Umweltpädagogik

Wie lange?
Der Bachelorstudiengang umfasst sechs Semester.

VITA H.-J. SCHMEISSER
• Ausbildung zum Forstingenieur an der Thüringer Fachhochschule Schwarzburg
• Einsatz im staatlichen Forstbetrieb in Jena
• 1991 Büroleiter im Forstamt Bleicherode-Südharz
• 2003 Revierleiter im Revier Rothesütte
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