Wie ist das Leben als Lokführer, Herr Engelhardt?

Konzentriert im Triebwagen-Führerstand: Lokführer Sven Engelhardt.
 
Sven Engelhardt
Nasses Laub und Nebel - im Grunde hat ein Lokführer mit den gleichen Herbsttücken zu kämpfen wie jeder Autofahrer. Nur in einer anderen Dimension. "Bremse ich eine E-Lok, die vier Wagen zieht, dann schieben immerhin 250 Tonnen nach", gibt Sven Engelhardt zu bedenken.

Seit 21 Jahren führt er Triebwagen, Diesel- und E-Loks und hat ein sicheres Gefühl für die eisernen Kolosse entwickelt. Ihn fasziniert die Technik. Und die Abwechslung. Von Erfurt aus fährt er Reisende mit der Regionalbahn nach Halle, Eisenach, Gera, Chemnitz, Göttingen und anderswo. Für den 40-Jährigen, dessen Vater schon Lokführer war, gab es nie einen anderen Berufswunsch. Wichtige Voraussetzung für die Tätigkeit ist das Interesse an Physik und Mathematik. "Als Lokführer muss ich wissen, welche Kräfte zwischen Rad und Schiene wirken, wie ein Dieselmotor arbeitet und sich ein Bremsweg berechnen lässt", betont Engelhardt. Auch über unregelmäßige Arbeitszeiten und wechselnde Dienste sollte man sich im Klaren sein. Die Bahn befördert pro Tag so viele Menschen, wie die Lufthansa im ganzen Jahr, und so viele Güter wie 110.000 Lkw. Allein im Thüringer Nahverkehr werden jährlich 15 Millionen Fahrgäste befördert.

Wer im Führerstand sitzt, trägt große Verantwortung und muss selbstständig handeln. "Ob bei der An- und Abfahrt am Bahnsteig oder auf der Strecke - jede Entscheidung ist meine", sagt Engelhardt. Alle drei Jahre muss sich ein Lokführer einer Gesundheitsprüfung unterziehen. Seine korrekte Fahrweise wird bei Fahrten unter Aufsicht kontrolliert. Im Dienstunterricht und beim Training im Fahrsimulator macht sich Engelhardt mit Neuerungen vertraut und übt das Verhalten bei eventuellen Ernstfällen. Dazu gehört beispielsweise die Vollbremsung. Zum Glück geriet er noch nie in eine solche Notsituation.

Bevor er eine Strecke selbst fährt, schaut er sie sich als Mitfahrer an: "Ich muss wissen, wo sich Signale, Sicherheitseinrichtungen und Bahnsteige befinden. Wir müssen ja auch im Nebel fahren." Sicherheit steht obenan. Ihr dient auch der Technik- Check des Zuges, bei dem er unter anderem Radsätze und Bremsen kontrolliert. Steht der Zug dann im Depot, fährt Engelhardt im Auto nach Hause.

Autor: AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt


Was?
• Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer/Transport

Wo?
• bei der Deutschen Bahn bundesweit an verschiedenen Standorten, Infos unter www.db.de/schueler

Wie lange?
• drei Jahre Voraussetzungen
• ein guter Real- oder sehr guter Hauptschulabschluss
• das Bestehen eines Eignungstests sowie einer medizinischen Untersuchung
• Technikbegeisterung
• Überblick in komplexen Situationen Ausbildungsinhalte
• Rangieren und Zugbildung, Betriebssicherheit, Wagen- und Bremsenprüfung, Erkennen und Beseitigen von Störungen, Kundenberatung

VITA SVEN ENGELHARDT (40)
• 1987-89 Ausbildung im Bahnbetriebswerk Sangerhausen zum Schienenfahrzeugschlosser mit Spezialisierung Eisenbahnfahrzeugführer
• heute Angestellter bei der Deutschen Bahn AG in Erfurt, im Einsatz auf Triebwagen und mit Lok bespannten Zügen
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