Wie ist das Leben als Müller, Herr Schmidt?

Mahlsteine gibt es nicht mehr. Moderne Mühlen mahlen mit Walzenstühlen. Christian Schmidt kontrolliert, ob das Getreide gleichmäßig in den Mahlspalt fließt.
Der uralte Mühlstein am Eingang der Industriemühle ist leicht zu übersehen. Klein und unscheinbar wirkt er im Umfeld der riesigen Stahlbetonsilos. Er erinnert an Zeiten, in denen eine Mühle noch auf Wind- oder Wasserkraft angewiesen war und der Müller den lieben langen Tag Säcke schulterte. Heute heißt der Müller „Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft". Statt zu schleppen, sitzt er eher am Rechner, um die Prozesse der Mühle an den Monitoren zu kontrollieren.

„Während einer Schicht fallen vielfältige Arbeiten an", erklärt Christian Schmidt. „Ich steuere nicht nur die Mühlsysteme, sondern auch die Getreidemischung, achte auf die Füllstände der Speichersilos, kontrolliere die Qualität des gelieferten Getreides und die Getreidereinigung." Der 25-Jährige ist sich seiner Verantwortung bewusst. Er ist Müllergeselle bei Heyl- Mühlen in Bad Langensalza. Die Industriemühle zählt zu den vier größten in Deutschland. 1100 Tonnen Getreide werden hier pro Tag in fünf Mahlsystemen vermahlen. Ein falscher Knopfdruck - und der Schaden wäre groß.

Christian Schmidt arbeitet im Schichtsystem: sieben Tage Tag- und sieben Tage Nachtschicht. Dazwischen je eine Woche frei. Der Dienst dauert zwölf Stunden. Zwölf Stunden Treppe hoch, Treppe runter, vom Vermahlungssystem zum Silo, von der Steuerungszentrale ins Labor. „Da brennen mir manchmal die Füße", gesteht er. Doch es ist gerade diese Vielseitigkeit, die ihm gefällt. „Mal muss ich eine Walze oder einen Antrieb wechseln, dann sitze ich wieder am Computer. Ich arbeite sowohl am Produkt, als auch an den Maschinen, die es herstellen. Das ist klasse."

Insgesamt 55 Mehltypen werden in der modernen Mühle hergestellt: Weizen-, Roggen- und Vollkornmehle, Schrote und Hartweizengrieße. Der Müller muss alle Spezifikationen und Arbeitsgänge beherrschen. Junge Leute, die der Beruf interessiert, sollten vor allem in Fächern wie Chemie, Biologie und Mathematik punkten und Interesse an Maschinenbau und Laborgeräten zeigen. Die Firma Heyl-Mühlen sucht für 2010 noch Auszubildende.
(von AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt)


Infos zur Ausbildung

Wo?

Der Beruf Müller (Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft) wird an zwei Standorten in Deutschland ausgebildet: an der Gewerblichen Schule in Hoppenlau in Stuttgart und an der Berufsschule für Müllerei Wittingen.

Was?
Ausbildungsinhalte sind:
• die Herstellung von Getreideprodukten, Futtermitteln und Spezialprodukten
• die Einrichtung der dafür benötigten Anlagen und Maschinen
• die Prozessüberwachung
• die Annahme und Reinigung der Rohstoffe sowie deren Vorbereitung für die Verarbeitung
• labortechnische Untersuchungen
• die Lagerung/Verpackung der Erzeugnisse.

Wie lange?
Die duale Ausbildung dauert drei Jahre. Voraussetzung ist ein guter Realschulabschluss oder Abitur.

VITA CHRISTIAN SCHMIDT
• nach Abitur und Bundeswehr Müller-Ausbildung in Stuttgart; seit 2009 Müllergeselle bei Heyl-Mühlen in Bad Langensalza
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