Wie ist das Leben als Narkosearzt, Herr Henker?

Von Krankenhausserien hält Narkosearzt Robert Henker wenig: „Bei 'In aller Freundschaft’ werden nur Fachwörter aneinandergereiht.“
Wie der Arbeitstag von Robert Henker war, merkt seine Verlobte gleich, wenn sie nach Hause kommt. Dann sitzt der 32-Jährige am Klavier - und seine Stimmung ist unüberhörbar. Diese halbe Stunde nimmt sich der Assistenzarzt des Erfurter Helios-Klinikums jeden Tag, um die Arbeit und ihre Probleme im Operationssaal oder auf der Intensivstation zurückzulassen. Oft steckt ihm dann ein 16-Stunden- Tag in den Knochen.

„Als Anästhesist bin ich der Anwalt des Patienten", sagt Henker. Er ist die letzte Person, die der Patient vor der OP erblickt. Ihm vertraut er sein Leben an. Denn Henker sorgt während der OP dafür, dass der Patient stabil bleibt. Er beaufsichtigt die Arbeit der Kollegen, stellt Probleme fest, muss die ganze Zeit aufpassen. Viel Verantwortung für einen jungen Assistenzarzt.

„Nach dem Studium hieß es: Learning By Doing", erinnert sich der Weimarer. Zwar wird der Berufsstart von erfahrenen Ärzten überwacht - und ist doch ein unschöner Schubser ins kalte Wasser. „Man gerät oft in Situationen, da braucht man Hilfe. Schwierig, diesen Punkt zu erkennen und ihn sich einzugestehen." Als Narkosearzt hat Henker das Privileg, überwiegend im Sitzen zu arbeiten. „Anästhesie hat den Ruf, langweilig zu sein. Und wenn die Narkose einmal läuft, ist sie das in 95 Prozent der Fälle auch", gesteht Henker, der daher zusätzlich auf der Intensivstation arbeitet. „Aber wenn etwas passiert, der Patient Blut verliert, bei Kammerflimmern oder Herzstillstand, dann muss ich - zack - da sein."

Henker rotiert im Wechsel mit seinen 70 Kollegen durch die 25 OP-Säle. Ein Springer, ein Joker, überall einsetzbar. Er besitzt das größte Breitbandwissen, denn er schnuppert in jede OP - vom Kaiserschnitt bis zum mehrstündigen Eingriff an der Wirbelsäule. In den vergangenen zwei Jahren nahm er je drei Monate unbezahlten Urlaub. Nicht zum Ausspannen, sondern für humanitäre Projekte in der 3. Welt. „Eine Frau mit Blutvergiftung musste auf einem Esel zwölf Stunden in die Stadt reiten." Skurril ist es, wenn er - wieder zurück in der Heimat - ein Facelifting, eine „reine Luxus-OP", betreuen muss. Die Lage am Arbeitsmarkt ist gut: „Ich finde überall problemlos einen Job." Doch im Erfurter Helios, das auf Regionalanästhesie spezialisiert ist, schwört er auf die „hochklassige Ausbildung".


Wo?
In Thüringen kann Medizin an der Friedrich- Schiller-Universität in Jena studiert werden: www.uniklinikum-jena.de.

Was?
Es heißt: Für das Medizinstudium muss man fleißig sein, denn es gilt, viel auswendig zu lernen. Bis zum vierten Semester werden die natur- und sozialwissenschaftlichen Grundlagen der Medizin vermittelt. Am Ende weiß der Student, wie der Körper im Normalzustand funktioniert und aufgebaut ist. Im klinischen Teil folgen Fächer, die Ursachen und Entstehung von Krankheiten beschreiben, diagnostische Methoden zur Verfügung stellen und therapeutische Wirkprinzipien vermitteln.

Wie lange?
Die Approbation als Arzt setzt ein sechsjähriges Medizinstudium voraus.


VITA ROBERT HENKER
• hat von 1997 bis 2004 in Jena Medizin studiert
• arbeitete erst am Helios-Klinikum in Gotha, ehe er nach Erfurt wechselte
• steht derzeit vor der Prüfung zum Facharzt als Anästhesie- und Intensivmediziner
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