Wie ist das Leben als Porzellanmaler, Frau Thieme?

Durch Schriftzüge, Blumen oder Gräser macht Bettina Thieme jedes Stück zum Unikat.
Gräfenthal: thieme-design | Erhält Bettina Thieme einen Strauß Rosen, lacht ihr Herz. Dann erinnert sie sich an ein Erlebnis aus ihrer Ausbildungszeit: „Ich musste eine Rose immer wieder und wieder zeichnen. Irgendwann hatte ich sie dann so in meinem Unterbewusstsein gespeichert, dass sie bereits mit wenigen Strichen luftig und leicht wirkte."

Um das zu erreichen, gehört vor allem das genaue Wahrnehmen von kleinsten Details dazu. „Das lässt sich lernen und die Augen dafür sensibilisieren", sagt die Thüringerin. Die Vorliebe für Blumen und Gräser haben sich bei der Porzellanmalerin bis heute erhalten. In ihrem Atelier in Gräfenthal stehen Tassen, Teller oder Vasen, verziert mit blühenden Mohnblumen, strahlenden Sonnenblumen, blauem Ginster oder filigranen Gräsern. Diese Designs hat Bettina Thieme selbst entworfen und in einem großen Ideenbuch zusammengefasst.

Ohne Schablone reproduziert sie die Muster auf das weiße Porzellan.
„Je nach Wunsch von einem Einzelstück bis hin zum kompletten Tafelgeschirr." Dabei ist jedes Teil immer wieder eine Herausforderung. Die Angst vor dem ersten Strich ist aber längst der Routine gewichen. Und ist etwas einmal nicht perfekt, so lässt sich bis zum ersten Brennen jeder Ausrutscher korrigieren. „Der Umgang mit der Farbe ist viel mehr eine Kunst für sich. Durch jeden Brand verändert sich die Intensität, je nach gewünschter Farbtiefe sind deshalb bis zu fünf Mal- und Brennvorgänge erforderlich. Schatten lassen sich mit dieser Technik ebenfalls erzeugen, Porzellanfarbe ist durchscheinend." Ohne künstlerisches Geschick und einer Liebe zum Werkstoff Porzellan ist diese Arbeit nicht durchführbar.

Schon von Kind an hat die Gräfenthalerin einen engen Bezug zum Porzellan. „Unser Haus stand zwischen zwei Porzellanwerken, meine Mutter arbeitete dort, ich in den Ferien ebenfalls. So stand meine Berufswahl schon früh fest." Ein guter Porzellanmaler muss nicht nur künstlerisches Geschick mitbringen, sondern auch mathematisches Verständnis, vor allem für geometrische Formen. „Ich sehe das Motiv bereits in Gedanken auf dem Objekt, kann so die veränderte Linienführung den Rundungen anpassen. Je öfter ich ein Motiv male, umso schneller geht mir die künstlerische Arbeit von der Hand."


Wo?
Für die Länder Brandenburg, Mecklenburg- Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen findet die theoretische Ausbildung im Beruflichen Schulzentrum Meißen, Fachbereich Porzellan-Keramik-Farbe- Bau statt. Die korrekte Berufsbezeichnung ist Glas- und Porzellanmaler.

Was?
Anfertigen und Lesen von Werkzeichnungen, Entwerfen und Zeichnen von Ornamenten und Figuren, Freihandzeichnen, Schriftzeichen schreiben, Farb- und Formgestaltung, Schablonengestaltung, Erlernen von Hinterglasmalerei, Siebdruckverfahren und Aufschmelzen, Bau- und Kunstgeschichte der verschiedenen Stilarten, Heraldik und Ornamentik.

Wie lange?
Die Ausbildung dauert drei Jahre.

VITA BETTINA THIEME
• 1979 bis 1984 Ausbildung als Zierporzellanmalerin im Porzellanwerk Lichte
• anschließend Weiterbildung als Lehrausbilderin
• 1990 Qualifikation als Dekordesignerin
• seit 1991 freischaffende Porzellanmalerin
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 16.03.2011 | 22:25  
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