Wie ist das Leben als Produktdesignerin, Frau Klauder?

Der Geweihleuchter gehört zur neuen Glaslinie von Christine Klauder.
In weißer Bluse und Edelkostüm auftauchen, aus der Collagemappe ein paar Zeichnungen zaubern und wieder verschwinden – genau so sieht es nicht aus, das Designerleben. Zum Glück, findet Christine Klauder. Die selbstständige Glasdesignerin aus Jena muss ihren Werkstoff spüren. Sie steht neben den Arbeitern am Glasofen, wenn ihre Ideen Gestalt annehmen.

Gerade entwickelte sie neue Glaskollektionen für die Farbglashütte Lauscha. Ihr Anspruch: die Tradition des Standortes mit moderner Formensprache zu verbinden. Aber das schönste Stück nützt nichts, wenn es sich schlecht verkauft. Vor dem ersten Bleistiftstrich stehen daher aufwendige Recherchen. „Ich sehe mir das Unternehmen an, rede mit den Leuten, informiere mich über Zielgruppen, die Marktsituation und aktuelle Trends“, erklärt die 37-Jährige. Steht das Konzept, folgen Skizzen, Zeichnungen und Modelle. Viele Proben sind nötig, bis Dekor und Farbton stimmen, bis Gläser, Teller und Vasen den hohen Ansprüchen genügen.

„In meiner Arbeit fließen drei Ebenen zusammen – die künstlerische, die handwerkliche und die technologische“, betont die Designerin. Sie muss die Fertigungsprozesse kennen, um kostengünstig produzieren zu können.
Generell ist betriebswirtschaftliches Denken wichtig. Auch wenn sie das Vermarktungskonzept erstellt. „Kleine Firmen haben nicht den Werbe-Etat großer Konzerne.“ Um so mehr sind originelle Ideen gefragt, um dem Kunden die Besonderheit der Produkte nahe zu bringen.

„Unser Waldglas wird von einem feenhaften Wesen in Thüringer- Wald-Idylle präsentiert. Die Fotos für die Studioglaslinie entstanden in einem stilvollen Interieurgeschäft“, nennt sie zwei Beispiele.
Talentierten jungen Leuten kann sie ihren Beruf nur empfehlen. Doch die Anforderungen eines gestalterischen Studienganges sind hoch. Wer in der Schule Biologie nicht so prickelnd, Kunst aber recht nett fand, ist noch lange nicht prädestiniert dafür. Entscheidend für die Aufnahme ist die Bewerbungsmappe. Sie ist kreatives Reifezeugnis und künstlerischer Offenbarungseid zugleich. Nur wer mit ausgefallenen, sehr persönlichen Arbeiten überzeugt, hat Chancen auf einen der begehrten Studienplätze. „Der Mut zum visionären Denken, die Lust am Experimentieren sollte ein ganzes Berufsleben anhalten“, sagt Christine Klauder.
(von AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt)

Hintergrund

Wo?
In Thüringen kann man Produktdesign an der Bauhaus-Universität Weimar studieren. Deutschlandweit gibt es mehr als 100 Studienangebote
(Übersicht unter www.precore.net).

Was?
Das Design-Studium gibt es für viele Fachbereiche: Industrie, Keramik- und Glas, Multimedia, Spiel-und Lernmittel, Kommunikation, Mode- und Textil. Der Studiengang umfasst das Entwerfen, Realisieren, Präsentieren und Vermarkten eines Produktes.

Wie lange?
An die sieben oder acht Semester Bachelor- Studium können zwei Semester Master-Studium angeschlossen werden.



VITA Christine Klauder

• Die ausgebildete Porzellantechnikerin und Keramikgestalterin lebt in Jena.
• Sie studierte an der Hochschule für Kunst und Design „Burg Giebichenstein“ Halle.
• Sie arbeitete seit 1999 unter anderem für die Lomonossow-Porzellanmanufaktur St. Petersburg (Tischaccessoires), für die Porzellanmanufaktur Meißen (Schreibtisch-Set), die Manufaktur „Harzkristall“ (Glasserien).
• Seit 2009 ist sie Designerin der Farbglashütte Lauscha.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige