Wie ist das Leben als Theaterpädagogin, Frau Henne?

Bianca Sue Henne (rechts) probt mit Marie Seber und Tobias Joch. Der Nordhäuser ­Theaterjugendclub erarbeitet auch Puppenspielproduktionen. Foto: Ronald Winter (Foto: Ronald Winter)
 
Bianca Sue Henne erschließt Kindern und Jugendlichen die Welt des Theaters.
Nordhausen: Theater | Ist die Schule aus, kommt der Knopf ins Ohr. Musik heißt bei Schülern abschalten. „Sie läuft im Hintergrund, egal was sie tun“, beobachtet ­Bianca Sue Henne. Als ­Theaterpädagogin aber rückt sie die ­Musik ganz nach vorn.Und es mangelt der 33-Jährigen nicht an Ideen, Schüler auf Oper, Operette und sinfonische Werke neugierig zu machen.

In Thüringen gibt es an jeder großen Bühne einen Theaterpädagogen. „In Nordhausen sind wir sogar zu zweit“, freut sich Bianca Sue Henne über das Engagement ihres Hauses. Die Leiterin des Jungen Theaters wird von Tanzpädagogin Daniela Zinner unterstützt. Gemeinsam arbeiten sie mit Vorschulkindern und Schulklassen, aber auch mit jungen Talenten.

„Für den Theaterjugendclub gibt es eine eigene Probebühne, um sich in den Sparten Schauspiel, Tanz, Musiktheater und Puppenspiel auszuprobieren“, erzählt die Wahl-Nordhäuserin. Hier erarbeitet sie mit Schülern ­eigene Stücke, die vor Publikum aufgeführt werden. Jüngstes Beispiel: die Schauspielfassung von „Figaros Hochzeit“, in der die jungen Darsteller sogar Mozart-Arien singen, begleitet von der Jazzband der Kreismusikschule.

Es ist die frische Herangehensweise der Schüler an Text, Musik und Rolle, die die Arbeit so spannend macht. Kein Schul-Workshop zur Einführung in ein Werk verläuft wie der andere. „Jede Klasse hat ihren eigenen Sound“, sagt die Theaterpädagogin. Sie erfragt, wie die Schüler die Musik erleben, was sie denken. Für die meisten ist es die erste Begegnung mit den Medien Theater und Konzert.

Mit Patenklassen taucht sie noch tiefer in die Nordhäuser Inszenierungen ein. Dann entwerfen Schüler schon mal ein Bühnenbild und Kostüme oder studieren Teile des Chores ein. „Besuchen sie danach die Vorstellung, sind sie besonders aufmerksam“, freut sich Bianca Sue Henne. "Das Erlebnis Theater soll für die Kinder so positiv sein, dass es Wiederholungsbedarf schafft."

Mehr als 2500 Schüler nahmen an den Workshops in dieser Spielzeit teil. Hinzu kommen Werkstätten, Schultheatertage und mehr. Das ist kein 40-Stunden-Job. „Die Workshops in den Schulen beginnen mit dem Unterricht am Morgen. Und zu Abendvorstellungen sind wir oft bis 23 Uhr im Haus.“ Bianca Sue Henne lässt es sich nicht nehmen, die jungen Zuhörer, die sie aus der Schule kennt, am Abend zur Vorstellung zu begrüßen.
(von AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt)

Vita Bianca Sue Henne (33)
- Studium der Theaterwissenschaften, Komparatistik und Philosophie in Bochum • Ausbildung in Gesang, Gitarre und Blockflöte
- verschiedene Assistenzstellen an Theatern in ­Bochum und Nürnberg
- mit eigenem Chanson­programm auf der Bühne
- Theaterprojekte mit Kindern und Jugendlichen
- seit 2006 Theater­pädagogin am Theater Nordhausen, Leiterin des Jungen Theaters

Hintergrund zur Ausbildung

Die Bezeichnung Theater­pädagoge ist nicht gesetzlich geschützt, die Ausbildung nicht einheitlich geregelt. Der Beruf wird als ein- bis vierjährige Fort- oder Ausbildung sowie als Studiengang gelehrt.


Wo?
Es gibt fast 100 Institu­tionen, die aus- oder weiterbilden. Der Bundesverband für Theaterpädagogik (BuT) sichert die Qualität durch den anerkannten Abschluss Theaterpädagoge BuT®.
http://www.butinfo.de/berufsbild
http://www.buehnenverein.de/de/1.html

Inhalte?
Der Beruf umfasst künst­lerische, spiel­praktische, pädagogische, sozialpädagogische und fachlich-theoretische Aspekte.
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