Wie ist das Leben als Uhrmacher, Frau Günther?

Das Innenleben einer Standuhr erhält dank der geschickten Händen von Cornelia Günther neues Leben.
Arnstadt: Uhren Günther | Liebevoll bezeichnet Cornelia Günther die ihr anvertrauten Uhren als „alte Schätzchen". Zu Recht, denn die meisten Wand-, Stand- oder Taschenuhren sind schon in die Jahre gekommen, bevor sie auf ihrem Werktisch landen.

„Ohne eine feste Ordnung geht hier gar nichts. Jede Zange oder Pinzette, jeder Pinsel haben einen festen Platz", beschreibt die Uhrmachermeisterin ihren Arbeitsplatz. Denn hier erhalten die Uhren ihr „Leben" zurück. „Vor einer Reparatur ist es wichtig, sich den Aufbau der Uhr genau einzuprägen, bevor es an die eigentliche Arbeit geht", erklärt die Meisterin den Arbeitsablauf. Nach der kompletten Demontage landen alle Teile für zwei Tage in einer speziellen Waschmaschine. Schmutz und ausgearbeitete Lager sind oft dafür verantwortlich, dass sich kein Rädchen mehr dreht.

„Passende Ersatzteile gibt es schon lange nicht mehr, hier ist die Kreativität des Uhrmachers gefragt. Ausgebrochene Zähne können wir in filigraner Kleinarbeit ersetzen, Hebelchen anpassen." Grundsätzlich lässt sich jede mechanische Uhr reparieren. Der Aufbau ist immer ähnlich, besteht aus 15 bis 20 Zahnrädern und Hebeln. Nur das Westminsterschlagwerk ist komplizierter. „Die größte Herausforderung war für mich eine 150 Jahre alte, sehr seltene Schwarzwälder Schilderuhr, die ein Kunde im Straßengraben gefunden hatte. Das Innenleben war sehr mitgenommen. Nach Jahren der Stille habe ich sie wieder zum Ticken gebracht“, schwärmt Cornelia Günther.

Tausende Uhren hat die Arnstädterin in den zurückliegenden Jahren zerlegt und wieder zusammengebaut. „Für mich ist es der schönste Beruf der Welt. Ich liebe die tägliche Herausforderung, das Individuelle an jeder einzelnen Uhr." Ein Großteil der modernen Uhren verfügt über ein Quarzwerk. „Hier können wir nur prüfen, es werden nur noch Komponenten ausgetauscht. Mechanische Uhren wird es aber immer geben." Der Beruf des Uhrmachers ist für Frauen und Männer geeignet. Denn statt Muskelkraft sind hier Konzentration, Präzision und Kreativität gefragt.


Wo?
Die Berufsschule für die Auszubildenden im Uhrmacherhandwerk aus Bayern, Hessen und Thüringen befindet sich in Würzburg in der Franz-Oberthür-Schule. Vorausgesetzt werden gute Leistungen in Physik, Mathematik und Technischem Zeichnen, logisches Denkvermögen, sehr gute feinmotorische Fähigkeiten.

Was?
Umgang mit Materialien wie Stahl und Messing, Aufbau mechanischer Uhren, Bauteile der Uhren, elektrische und elektronische Uhren, Mess- und Prüfverfahren an mechanischen Uhren, Quarz- und Funkuhren, Systeme der Zeitmessung, Auftragsabwicklung und Kundenservice

Wie lange?
Die Ausbildung dauert drei Jahre.

VITA CORNELIA GÜNTHER
• 1983 bis 1985 Lehre als Uhrmacher in Quedlinburg
• 1988 Abschluss der Meisterausbildung im Uhrmacherhandwerk
• seit 2000 selbstständig, Geschäfte in Arnstadt und in Ohrdruf
• spezialisiert auf die Reparaturen von alten Uhren
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