Wie ist das Leben als Zirkusdirektor, Herr Schmidt?

Bernhard Schmidt ist 47 Jahre alt, verheiratet und hat sechs Kinder. Seit 2014 ist er Direktor vom Zirkus Aeros, zuvor war er Juniorchef. Sein Zirkus bietet das klassische Zirkusprogramm und hat vor allem in Thüringen viele Fans.
 

Bernhard Schmidt ist Direktor vom renommierten Zirkus Aeros. Als dieser hat er viele Funktionen gleichzeitig zu erfüllen.

Alles gleichzeitig - wie immer



Heute muss wieder einmal alles gleichzeitig passieren. Der Aufbau des Zirkuszeltes gestaltet sich schwieriger als gedacht, der Boden ist zu nass. Eigentlich müsste Bernhard Schmidt jetzt schon in der Stadt sein, den ganzen 'Behördenkram' erledigen, wie er sagt. Das dauert jedesmal, scheint immer mehr zu werden. Nebenbei kümmert er sich am Telefon um den Platz in der nächsten Gastspielstadt.

Zum Glück sind die Tiere satt und zufrieden, seit der ersten Fütterung morgens gegen 6. Da kann er gleich noch nach dem Lkw sehen, der vorhin gemuckert hat. Und die neue Tierdressur muss auch noch mal geübt werden.

Geboren in einer Zirkusfamilie



Bernhard Schmidt kämpft an allen Fronten. Er ist Direktor im renommierten „Zirkus Aeros“, gehört zur siebten Generation der ais Mecklenburg stammenden Familiendynastie Frankello, einer alten ostdeutschen Zirkusfamilie. „Du musst dafür geboren sein“, spricht er von seiner Begeisterung, die in seiner Familie von Generation zu Generation weitergegeben wird. Irgendwie gehören sie hier alle zur Familie, von den wenigen Gast-Artisten abgesehen. Bernhard Schmidt mit seiner Frau und den sechs Kindern, seine fünf Brüder mit ihren Familien - das ist Zirkus Aeros. 30 Personen, 40 Tiere. „Zu Hause ist da, wo unser Wohnwagen steht“, sagt er. Unvorstellbar, in einer Wohnung leben zu müssen.

"Du musst alles können"



Den Kindern geht es ganz genauso. Wie auch der Vater sind sie hereingewachsen ins Zirkusgeschehen. „Du machst das von kleinauf mit, hilfst bei der Versorgung der Tiere, versuchst, ihnen Kunststückchen beizubringen, jonglierst, turnst, lernst alle möglichen Instrumente. Das geht wie im Spiel“, spricht Bernhard Schmidt vom Alltag eines jeden Zirkuskindes. Gerade mal sechs Jahre alt ist er bei seinem ersten Auftritt in der Manege. Ihm hat es besonders die Musik angetan, er spielt heute noch mit seinen Jungs in der Aeros-Zirkuskapelle. Wenn plötzlich einer von den anderen Akteuren in der Manege ausfällt, kann Bernhard einspringen. „Naja, als Seiltänzer nicht unbedingt!“ Aber als Feuerschlucker, Bezwinger von großen und kleinen Tieren, als Clown. Der Zirkusdirektor kann alles.

Artistische Grundausbildung hat jeder



Die artistische Grundausbildung bekommen sie alle mit, den Rest lehren der Zirkus und das Leben. „Würde es eine Ausbildung zum Zirkusdirektor geben, müsstest du wohl jahrezehntelang lernen“, weiß er. Artist, Dompteur, Kaufmann, Buchhalter, Moderator, Organisator, Tierpfleger, Kfz-Mechaniker, Plakatgestalter, Menschenfreund - sein Job ist vieles in einem. Oft 24 Stunden lang. Arbeit und Privatleben lassen sich nicht trennen. Alles ist Zirkus. Wenn in der Manege alles glatt gelaufen ist, wenn das Zelt voll ist und die Besucher begeistert sind, dann ist es ein guter Tag. Und wenn sich die Familie am großen Tisch im elterlichen Wohnwagen versammelt. „Unsere gemeinsamen Mahlzeiten, die müssen einfach sein“, hat er es am liebsten, wenn sie alle um ihn herum sind. Bernhard Schmidt kann sich nichts Schöneres vorstellen. Er hat den schönsten Beruf der Welt, davon ist er überzeugt.



Wie wird man Zirkusdirektor?


Eine regelrechte Ausbildung zum Zirkusdirektor gibt es nicht. In den meisten Fällen hat ein Zirkusdirektor zuvor jahrelang als Artist oder Dompteur oder in einem anderen Zirkusberuf gearbeitet.

Ausbildung zum Artisten



Eine Möglichkeit, Artist zu werden, bietet die Staatliche Artistenschule Berlin. Sie wurde 1956 als „Staatliche Fachschule für Artistik“ gegründet und ist seit 1991 mit der Staatlichen Ballettschule vereint.

Wie lange?



Die Schule ermöglicht ihren Schülern eine neunjährige professionelle Ausbildung mit dem Abschluss „Staatlich geprüfte/r Artist/in“ in Verbindung mit verschiedenen Modellen schulischer Bildung einschließlich des Abiturs. Die Ausbildung steht sportlich und artistisch besonders talentierten Schülern ab dem 5. Schuljahr offen. Voraussetzung für die Aufnahme ist das Bestehen einer Aufnahmeprüfung.

Wer noch?



Seiteneinsteiger können je nach Vorhandensein freier Ausbildungsplätze in die Berufsfachschule aufgenommen werden, wenn sie in der Aufnahmeprüfung artistische Vorkenntnisse von hinreichender Qualität nachweisen können.
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