Wiedereinstieg in den Job - Vollzeit-Mama & zurück

Sandy Becker mit ihrem Sohn am Arbeitsplatz. Foto: Axel Heyder
    Erfurt: Kleine Europäer |

+ Vollzeit-Mama & zurück + Zwischen Kind und Karriere; Sandy Becker ist eine jungen Mutti und zudem Leiterin der CJD-Kindertagesstätte „Die kleinen Europäer“ +

Kaum zu bremsen ist Sandy Becker, wenn sie von ihrer Arbeit schwärmt. Von all den Projekten und den Dingen, die das Team der Kindergarten „Die kleinen Europäer“ des CJD (Christliches Jugenddorfwerk) angeschoben hat. Dabei kommt die junge Mutter gerade aus der Babypause. Das ist nicht in jedem Fall der Moment im Leben, bei dem sich Mütter auf den Wiedereinsteig in den Job freuen. Ein Jahr lang konnte sie sich mit ihrem kleinen Lasse in den Tag treiben lassen, laufen, spielen. Ganz nach Gusto. „Ich vermisse den entspannten Start in den Tag mit meinem Sohn, die ausgedehnten Spaziergänge bei Wind und Wetter.“

Nun ist sie mit 40 Stunden wieder voll und ganz Leiterin eines Kindergartens. Den Weg zu den „Kleinen Europäern“ dürfen sich Sandy Becker und Lasse noch teilen, danach muss die 39-Jährige umschalten. Vom Privat- in den Arbeitsmodus. „Das klappt viel besser, als ich gedacht habe“, sagt sie voller Überzeugung. Lasse muss lernen, dass Mama auf Arbeit nicht die Gleiche ist, wie in der Freizeit. Extra ein Piktogramm fürs Revers hat sie sich gebastelt, ein Symbol für den Kleinen, dass Mama im Dienst ist. „Immer wenn ich ihn zufällig im Haus treffe, zeige ich auf das Schild, damit er versteht warum ich mich gerade nicht um ihn kümmern kann. Klar kann ich ihn mal auf den Arm nehmen, Trost spenden, aber das mache ich bei allen Kindern. Meine ungeteilte Aufmerksamkeit hat erst am Nachmittag wieder, wenn wir zu Hause sind.“

Zum Glück habe sie während der Schwangerschaft lange arbeiten können, bevor sie in die Babypause ging. „Ich wusste, dass ich während der gesamten Zeit eine gute Vertretung hatte. Das gab mir ein sicheres Gefühl“. Es sei schön, nun wieder im Team zu arbeiten. Projekte zu entwickeln, Elterngespräche zu führen und der Trubel – das hat mir gefehlt. Ihr Alltag braucht nun besonders klare Struktur, ein Zeitmangement. „Ich versuche, dass ich meine Arbeitszeit stärker strukturiere und lange Arbeitstage von 7 bis 19 Uhr seltener vorkommen, damit ich auch noch etwas von meinem Sohn habe. Spontane Verabredungen sind gerade nicht so einfach möglich“. Damit private Treffen und Interessen dennoch nicht zu kurz kämen, müsse sie Termine eine Weile im Voraus planen. „Nach den ersten Tagen war ich ganz schön platt. So viele Informationen, die ich mir merken musste. Die habe ich noch mit auf den Nachhauseweg genommen. Aber nach einer Woche hatte ich die wichtigsten Dinge wieder abrufbar“. Ursprünglich habe sie so schnell wie möglich zurück in den Job gewollt, „ich hatte mit meinem Partner verschiedene Varianten durchgesprochen. Doch letztlich bin ich froh, dass ich mir diese Auszeit gegönnt habe“.

Wieder mehr Kontakt mit anderen Menschen zu haben, statt ausschließlich zu anderen Müttern, sei angenehm. „Vor allem auf die netten Gespräche mit Kollegen, in denen es mal nicht um Breirezepte, babyfreundliche Badezusätze und solche Dinge geht“, täten ihr gut.

So ganz alleine würde der Umstieg allerdings nicht so gut funktionieren: „Zum Glück habe ich einen umsichtigen Partner, der mich in allem unterstützt“. Außerdem gebe es Großeltern, die mit anpacken und auch die große Tochter helfe, wenn es mal klemmt. „Ich muss ganz klar sagen, dass ich die Zeit mit meiner Familie viel intensiver nutze. Mir bleibt ja nun oft nur der späte Nachmittag und Abend, aber dafür genieße ich diese Stunden dann umso mehr“.



Das gesamte Interview mit Frau Becker:
Frau Becker, Sie waren eine Weile Vollzeit-Mama. Wie fühlt es sich jetzt an, wieder zurück am Arbeitsplatz zu sein?

Es ist ein schönes Gefühl, wieder zu arbeiten, Projekte zu entwickeln, Elterngespräche zu führen und den Trubel um mich herum zu haben. Aber ich vermisse natürlich auch den entspannten Start in den Tag mit meinem Sohn und die ausgedehnten Spaziergänge bei Wind und Wetter. Nun sind meine Tage wieder sehr durchstrukturiert, aber das ist ja der Lauf der Dinge.

Waren Sie an Ihrem ersten Arbeitstag nach der Babypause aufgeregt?

Ein bisschen. Aber weniger wegen der Arbeit, sondern vielmehr weil ich mich gefragt habe, ob mich mein kleiner Mann vermisst und ob mein Partner, der noch zwei Monate Elternzeit mit unserem Sohn hat, alles reibungslos hinbekommt. Da ich ja immer wieder Kontakt zu den Kollegen im CJD hatte, wusste ich in groben Zügen, was auf Arbeit auf mich zukommt.

Worauf haben Sie sich am meisten gefreut?

Wieder mehr Kontakt mit anderen Menschen zu haben, anstatt nur mit Müttern. Vor allem auf die netten Gespräche mit Kollegen, in denen es mal nicht um Breirezepte, babyfreundliche Badezusätze und solche Dinge geht.

Wie lange hat es gedauert bis der Arbeitsalltag wieder eingekehrt ist?

Nach meinem ersten und auch dem zweiten und dritten Tag war ich ganz schön platt. So viele Informationen, die ich mir merken musste. Auf dem Nachhauseweg ging mir durch den Kopf: das dauert doch Wochen, bis ich wieder so richtig im Arbeitsmodus drin bin. Aber bereits nach einer Woche hatte ich die wichtigsten Dinge wieder präsent und abrufbar und ich war eigentlich wieder angekommen im turbulenten Kindergartenalltag. Was ich sehr als Entlastung empfunden habe, war eine dreiwöchige Einarbeitungszeit mit meiner Stellvertreterin. Das war wirklich eine große Erleichterung, denn so hatte ich nicht den Druck, alles gleich von Anfang an allein stemmen zu müssen.

Wie managen Sie jetzt Beruf und zwei Kinder?

Zum einen habe ich einen sehr umsichtigen Partner, der mich in allem unterstützt. Außerdem gibt es Großeltern, die mit anpacken und auch meine große Tochter hilft, wenn es mal klemmt. Sie ist mit ihren 15 Jahren definitiv nicht mehr auf meine Bespaßung am Nachmittag angewiesen. Da dreht sich unser Freizeitprogramm mittlerweile doch eher um unseren Kleinsten. Ich muss ganz klar sagen, dass ich die Zeit mit meiner Familie viel intensiver nutze. Mir bleibt ja nun oft nur der späte Nachmittag und Abend, aber dafür genieße ich diese Stunden dann umso mehr.

Welche Hürden müssen Sie nun im Arbeitsalltag und Privatleben überwinden? Wie schaffen Sie es, den „ganz normalen Wahnsinn“ zu meistern?

Ich finde, wer Beruf und Familie unter einen Hut bekommen will, braucht Struktur. Für mich ist ein gutes Zeitmanagement wichtig. Manchmal wünschte ich, mein Tag hätte ein paar Stunden mehr, vor allem, wenn viele Dinge erledigt werden müssen. Ich versuche jetzt, dass ich meine Arbeitszeit stärker strukturiere und lange Arbeitstage von 7 bis 19 Uhr seltener vorkommen, damit ich auch noch etwas von meinem Sohn habe. Spontane Verabredungen sind gerade nicht so einfach möglich. Damit private Treffen und Interessen dennoch nicht zu kurz kommen, muss ich meine Termine jetzt eine Weile im Voraus planen. Das ist vielleicht etwas spießig, aber so funktioniert es für mich am besten. Damit der Familienalltag reibungslos läuft, müssen alle an einem Strang ziehen. Das ist vor allem eine Frage der Organisation.

Hat die Auszeit mit Ihrem Baby Ihre Sicht auf bestimmte Dinge verändert?

Als Kindergartenleiterin sollte man aus meiner Sicht immer die Empathie besitzen, sich sowohl in die Rolle der Eltern als auch in die des Kindes hineinzuversetzen. Diese Fähigkeit hat sich allerdings nach der Elternzeit verstärkt. Ich weiß nun aus eigener Erfahrung und vor allem ganz aktuell, was die Sorgen und Nöte von Eltern sind. Aber auch Themen wie die Ernährung im Kindergarten oder aus welchen Materialien Spielzeug beschaffen sein sollte, haben nun nochmal einen anderen Stellenwert bekommen.

Wie haben ihre Vorgesetzten damals reagiert als sie erfahren haben, dass Sie nochmal ein Baby bekommen?


Sie waren ein bisschen überrascht und haben sich dann sehr gefreut. Ich denke die Überraschung rührte daher, dass ich ja schon eine sehr selbstständige Tochter im Teenageralter habe. Es ist wohl eher die Ausnahme, sich nach 15 Jahren nochmal für Nachwuchs zu entscheiden.

Sie haben eine Führungsposition, wie einfach war es Ihnen möglich, in Elternzeit zu gehen?

Ich habe eine tolle Stellvertreterin im Kindergarten. Bevor ich in Mutterschutz gegangen bin, habe ich ganz intensiv mit ihr zusammengearbeitet, damit sie in meiner Abwesenheit über alles im Bilde war. Während meiner Elternzeit musste ich mir deshalb keine Sorgen um die Arbeit machen, weil ich wusste, dass es dort ohne mich gut läuft. Das CJD Erfurt ist ein familienfreundlicher Arbeitgeber, denn es wird für die Mitarbeiter nach passenden Lösungen gesucht, damit sie Familie und Beruf gut miteinander verbinden können.

Haben Sie während der Elternzeit trotzdem Anteil am Leben im Kindergarten genommen?

Ja klar. Ich hatte häufig Kontakt, telefonisch und auch persönlich, zu den Kollegen im Haus und natürlich zu meiner Stellvertreterin. Außerdem habe ich während der Elternzeit meinen Auszubildenden betreut und begleitet. Er macht beim CJD eine Ausbildung zum Jugend- und Heilerziehungspfleger und ich habe ihm auch während der Elternzeit als sogenannte Praxisbegleiterin mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Das war eine sehr schöne Abwechslung zum Babyalltag.

Haben Sie einen heißen Tipp für Frauen, die Familie und Beruf miteinander vereinbaren wollen?

Ich fand es sehr schön, auch während meiner Elternzeit in regelmäßigen Abständen Kontakt zu meinem Team im Kindergarten und zu anderen Kollegen im CJD zu haben. Mir war es wichtig, dass ich trotz Krabbelgruppe und Windelwechseln einen groben Überblick über die Veränderungen im Unternehmen behalten habe. Es muss ja nicht jede Woche sein, aber ab und zu ein Anruf, oder mal ein Teambesuch mit einem Spaziergang verbinden, würde ich allen zukünftigen Müttern empfehlen. So klappt der Wiedereinstieg ins Berufsleben dann vielleicht ein bisschen einfacher. Ansonsten sind eine gute Organisation und auch ein bisschen Flexibilität immer von Vorteil. Die Wohnung nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zu putzen oder ein aufwendiges Abendessen zuzubereiten, fällt dann eben auch mal flach – und das ist auch gut so.

Ihr Sohn ist ja gerade zur Eingewöhnung in Ihrem Kindergarten. Kann er verstehen, dass Sie hier arbeiten müssen und nicht mit ihm Zeit verbringen?

Ja, das ist lustig, denn wir haben extra ein Schild gebastelt, welches ich nun am Arbeitsplatz trage. Darauf ist ein Piktogramm gedruckt, das zeigt ihm „Mama ist auf Arbeit“. Immer wenn ich ihn zufällig im Haus treffe, zeige ich auf das Schild, damit er versteht warum ich mich gerade nicht um ihn kümmern kann. Wir sind gerade noch in der „Erprobungsphase“ und hoffen, dass es funktioniert und er sich dann umso mehr freut, wenn ich ihn nach Feierabend mit nach Hause nehme und wir dann endlich Zeit zum Kuscheln und Spielen haben.
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