Wir leben mit dem Sterben

Der Frühling zieht in die Natur und ruft zu Aktivitäten und Liebe auf. Alles scheint im Aufbruch wird vom Sonnenschein sowie warmen Temperaturen begleitet.
Wie ich da auf das Sterben komme? Wer einen liebgewordenen Menschen, einen guten Bekannten – einfach einen für ihn wertvollen Menschen verliert und seine Schritte zum Friedhof lenkt, dem stellt sich diese Frage nicht.

Unsere Hausgemeinschaft hat es in den letzten Jahren sehr gebeutelt. Waren es vor kurzem noch fünf unserer Mitbewohner, ist jüngst nun auch unsere Hedwig im Alters- und Pflegeheim verstorben und war die „Hausgemeinschaft“ zur Beerdigung eingeladen. Uns war es ein Bedürfnis wie auch eine Anerkennung unseres Hausgemeinschaft-Zusammenhaltes.
Fast regelmäßig war eine Hausmitbewohnerin zu Hedwig ins Altersheim gegangen, hatte sie besucht und nicht selten „Mensch ärgere Dich nicht“ mit ihr gespielt – was Hedwig erstaunlicherweise auch mit bald 90 meist gewann. Der Nikolauszopf, der Faschingspfannkuchen und zuletzt die Frauentagsnelke waren ihr immer eine Freude, verbanden sie mit „ihrer Hausgemeinschaft“. Mit ihr nunmehr das sechste Hausgemeinschaftsmitglied auf dem letzten Weg zu begleiten, war uns ebenso ganz selbstverständlich, wie wir uns alle danach sagten, dass diese Kette nun aber mal zu Ende gehen sollte und wir uns doch viel lieber anderswo treffen.

Wenn ein Mensch stirbt, möge er nicht lange leiden, wenn das auch für die Hinterbliebenen meist schlimmer ist und schwerer verarbeitet werden kann, als wenn man dieses Ereignis nach langer Krankheit als eine beiderseitige Erlösung empfinden mag. Hedwig musste nicht lange leiden.

Drei der zehn Wohnungen sind nun neu bezogen. Die „Neuen“ werden sich erst eine Zeit einleben und wir uns gegenseitig etwas kennen lernen, bis wir der Hausgemeinschaft ihr neues Gesicht geben können. Das Leben geht weiter. Und eines wollen wir nicht, dass die Hausgemeinschaft an den erlebten Schicksalsschlägen stirbt.
Aber es gehört das Sterben eben zum Leben auch einer solchen Gemeinschaft.

Wollen wir frohen Herzens auf die Neugestaltung hinstreben. Etwas einfacher fällt das sicher, weil bald eine niegelnagelneue Erdenbürgerin die Mieterzahl vergrößern wird. So sind die Aussichten doch positiv – in jeder Hinsicht und natürlich auch mit dem lebensbejahenden Frühling.
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 05.04.2011 | 07:56  
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Hannelore Grünler aus Artern | 05.04.2011 | 08:06  
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