"Wir lieben Japan" - sagen die Mitglieder der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Erfurt"

Deutsch-japanische Freundschaft Tag für Tag: Reinhard Weth und seine Frau Akiko Sano mit dem Familienhund.

Sie lieben Japan: Die Mitglieder der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Erfurt wollen ständig mehr über das Land wissen und staunen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Völker.


Mit einem kleinen Chip den rollenden Einkaufskorb aus der Wagenkette lösen? Japaner schütteln verzückt den Kopf darüber, wie die Deutschen das handhaben. Das kennen sie nicht. Auch die Sache mit der Mülltrennung interessiert sie brennend. Andersherum kann es ein Bahnreisegeplagter hierzulande kaum fassen, dass in Japan kein Zug Verspätung hat. Niemals. Das sei wirklich so, bestätigt Reinhard Weth. Er kennt sich aus. Schließlich ist er als Vorsitzender der Deutsch-Japanischen Gesellschaft (DJG) Erfurt ganz nah dran an dem fernen Land, außerdem ist er mit einer japanischen Frau verheiratet und so auch familiär mit Japan verbunden.


“Unserer Gesellschaft geht es vor allem darum, gegenseitiges Verständnis füreinander zu wecken“, fasst Weth die vielen Ansatzpunkte der Japan-Freunde zusammen. Auf kulturellem Gebiet sind sie tätig, auch Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gelten ihr Interesse und ihr Engagement. Immer wieder interessant sei es zu erkunden, was Deutsche und Japaner gemeinsam hätten und was sie trenne. Um das herauszufinden, muss man erst einmal die Geschichte des Landes kennen. Jenes Landes, das nicht nur von der Lage her sehr weit von hier entfernt ist, sondern das sich erst vor 150 Jahren der Welt geöffnet hat. „Japan hat eine hochinteressante Historie“, weiß Reinhard Weth. Nur wer das Gestern kennt, vermag das Heute zu verstehen. „Wir kratzen nicht nur ein wenig an der Oberfläche, wir stellen Fragen, oft zu den aktuellen Geschehnissen, auch zum Umgang mit der japanischen Geschichte“, möchte der Vorsitzende betont wissen, dass sich die Erfurter Gesellschaft von den meisten anderen Schwestern - es gibt 50 solche Gesellschaften in Deutschland - unterscheide. Sie haben Verbindungen zur japanischen Botschaft, kennen viele Menschen in Japan. Manchmal sind die Fragen etwas unbequem, nicht immer gibt es Antworten. Natürlich, gesteht Reinhard Weth lächelnd, bleiben sie immer freundlich und friedlich bei allen Gesprächen, man ist ja unter Freunden. Respektvoll nachzuhaken ist keine Schande. Die Erfurter möchten schließlich die anderen verstehen, Vorgänge erklären können. „Wir lieben ja Japan!“.


Zu den monatlichen Stammtischtreffen und bei all den anderen Projekten gehen den Mitgliedern der Gesellschaft die Themen nie aus. So sehr viele Ansatzpunnkte gibt es da, so viel zu lernen. Immer wieder staunen die Erfurter, wie ähnlich sich beide Mentalitäten trotz aller Unterschiede sind. Die Japaner gelten als die Preußen des Fernen Ostens. Überhaupt, die Deutschen und die Japaner konnten immer schon gut miteinander, der älteste, noch heute gültige Staatsvertrag der Welt wurde 1861 zwischen Preußen und Japan geschlossen. Noch heute wird an jedem Neujahrstag Beethovens Neunte in Japan gespielt. Und das erste Papiergeld der Japaner wurde einst in Deutschland gedruckt.


So fern das Land auch ist, die Deutsch-Japanische Gesellschaft bringt es den Thüringern ein wenig näher. Wenn es um die Teezeremonien im egapark geht, japanische Jugendliche zu Gast bei Thüringer Familien sind, wenn die Kontakte zum Bonsai-Verein gepflegt werden oder ein Professor aus der Gesellschaft mehrmals im Jahr Doktoranden in Japan betreut, dann rücken die beiden Länder zusammen. Im Oktober veranstaltet die DJG einen Abend im Erfurter Theater, den hochkarätige Künstler aus dem Freundesland gestalten.


Die DJG Erfurt



Die Deutsch-Japanische Gesellschaft (DJG) Erfurt gehört dem Verband Deutsch-Japanischer Gesellschaften an, einem Zusammenschluss von etwa 50 Deutsch-Japanischen Gesellschaften in Deutschland. Vor allem in den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft möchte die Gesellschaft die Beziehungen beider Länder fördern. Wichtigstes Anliegen ist die persönliche Begegnung. Besonderes Interesse gilt den Jugendlichen, so konnten schon etliche aus der Region Fukushima Zeit bei deutschen Gastfamilien verbringen. Praktika und Studienaufenthalte für Japaner in Deutschland und umgekehrt sollen künftig organisiert werden. Kontakt: Reinhard R. Weth, 036200/61720, www.djg-erfurt.de, monatlicher Stammtisch im Restaurant „Zum Goldenen Schwan“ in Erfurt.


Termin:


Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Erfurt lädt zu einem Kontrastprogramm traditioneller japanischer Musik- und Tanzkultur ein, das in Europa nur selten zu sehen ist. Dabei trifft Taiko, die große japanische Trommel, mit ihrer Kraft und Aggressivität auf die Eleganz, Harmonie und Mystik des Nihon Buyo, der klassische japanische Tanz. 18 bekannte Künstler aus Japan entführen die Besucher in das alte Japan des 19. Jahrhunderts. Hauptakteurin ist die Tänzerin Michiko Yamazaki.


Montag, 12. Oktober, 20 Uhr, Theater Erfurt. Tickets: 0361/66400.


Workshop „Traditionelle Musik und Tanz aus Japan“: Sonntag, 11. Oktober, 14 bis 17 Uhr. Eintritt frei, Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldung: 036200/61720.
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1 Kommentar
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Flexi Bell aus Erfurt | 07.10.2015 | 12:27  
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