"Wir spielen nicht!", behaupten ein paar eisenbahnbegeisterte 'große Jungs'

Norbert Schiffmann (r.) und Günter Voigt beim Fachsimpeln.
 

Erfurt. Norbert Schiffmann und ein paar andere gestandene Männer zieht es immer wieder zu ihrer Modelleisenbahn:

Bloß nicht lange weg


Allzu lang darf der Urlaub nicht sein. Sonst würde es kribbeln in den Fingern, ein wenig traurig, mehr noch fordernd-erinnernd anklopfen im Herzen. Die Sehnsucht wäre einfach zu groß. „Manchmal halte ich es nur schweren Herzens aus, lange von hier weg zu sein“, gesteht Norbert Schiffmann und wirft einen sehnsüchtigen Blick. Auf sie. Die Schöne, selbst erbaute. Ihre Maße können sich sehen lassen: so etwa vier Mal fünfeinhalb Meter groß. Sie. Die geliebte Modelleisenbahnanlage. An diesem Nachmittag sind sie zu viert: Norbert, der 89-jährige Günter Voigt und sein Sohn Dieter, Marga von der Weth. Dazu die jungen Zaungäste. Oliver und Fabian vergessen beim Betreten des magischen Raumes sofort alles andere um sich herum. Der Opa hat es schwer, die beiden wieder von hier loszueisen. Zum Glück hat er Zeit.

Der Modelleisenbahnvirus


Sieht man die Kleinen neben den Großen stehen, zögen die Jungs im Strahle-Augen-Vergleich eindeutig den Kürzeren. Die Männer sind schon viel länger vom Modelleisenbahnvirus infiziert. „Eigentlich schon immer“, kann der 79-jährige Nobert Schiffmann seine Leidenschaft gar nicht mehr auf Jahre beziffern. Er spricht für seine Freunde und Gleichgesinnte mit, Wolfgang Constabel und Herbert Müller. Sie kennen sich schon ewig, machen lange gemeinsam Sport, sind außerdem von den winzigen Eisenbahn-Zwillingen fasziniert. Zu Hause, bei jedem von den dreien, ist nicht genügend Platz für das geliebte Hobby. Überhaupt, es mit anderen zu teilen, macht gleich nochmal so viel Spaß. Ein wohlgesinnter Schuldirektor, den Norbert durch seine Kinder kennt, macht es möglich: Die Hobby-Modelleisenbahner bekommen einen eigenen Raum. Den haben sie bis heute, in einer Erfurter Regelschule.

Große Staune-Augen


Zählen lassen sie sich nicht, die vielen Momente voller riesengroßer Staune-Augen und offenstehender Münder. Inzwischen ist es mehr als zwanzig Jahre her, seit Norbert und die anderen hier ihre Modelleisenbahnanlage erstehen ließen. Damals wie heute ist jeder neugierige Schüler herzlich willkommen. Zum Schauen, Staunen, Löcher-in-den-Bauch-Fragen. Zwei Jahre lang haben die Männer an der Anlage gebaut. „Jeder hat ein bisschen was dazugegeben“, erinnert sich Initiator Norbert Schiffmann.

Schwarzwaldklinik und Co.


Besonders stolz sind die Modellbahn-Fans auf den Ringlokschuppen und die Drehscheibe. Außerdem gibt es Brücken und Tunnel, abenteuerlich aussehende selbstgemacht Bäume, das Modell vom Bonner Hauptbahnhof (“Weil der so schön ist!“), das Haus von der Schwarzwaldklinik, faszinierende Details mit Unfall- und Absturzszene, eine Kirche mit Friedhof und ganz viel mehr. Die Hauptsache sind natürlich die Gleise - insgesamt kommen alle zusammen auf eine Strecke von 80 Metern und haben die H0-Spurweite - und die Züge. Gefahren wird analog und digital. Mit ICE und Co. haben sie nichts im Sinn, diese Modellbahner mögen es eher nostalgisch. „Heute fahren wir mal Dampf, außerdem mit Diesel und mit Oberleitungsbetrieb“, beschreibt Norbert Schiffmann das Thema dieses Nachmittags.

Einmal Eisenbahn, immer Eisenbahn


Jedes Treffen, meistens einmal pro Woche, ist anders. Geplant wird nichts, jeder bringt mal einen neuen Zug von zu Hause mit, andere lassen sie sowieso hier. Außerdem ist immer etwas zu tun, an der Beleuchtung basteln, eine Kleinigkeit an der Anlage auswechseln. Jeder der Gleichgesinnten kann etwas besonders gut, „Wir ergänzen uns wunderbar“, weiß Norbert Schiffmann und freut sich, dass auch dieses Mal der 89-jährige Günter Voigt wieder mit von der Partie ist, ein ehemalige Lokführer. Einmal Eisenbahn, immer Eisenbahn. Marga von der Weth nickt. Auch die ehemalige Dispachterin kommt von der Bahndroge nicht los.

Von wegen Spiel!


Wenn die Züge über die einzelnen Strecken fahren, dann sind sie alle in ihrem Element. Das Spiel beginnt. „Wir spielen nicht!“, kommt von Norbert Schiffmann sofort das Veto. Es gehe nur um die Technik und die Faszination, wie auch alles im Kleinen funktioniert. Wenn alles läuft, dann steigt bei allen vor Begeisterung der Blutdruck ein wenig in die Höhe. Gibt es ausnahmsweise einen Zusammenstoß, dann wird der Puls gleich noch viel schneller.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige