Worte zum Sonntag: "Was die Stunde geschlagen hat"

(Foto: Gerhard Fischer)
Früher Sonntagmorgen. Die Morgenröte kündet den neuen Tag an. Die Nacht konnte die Wärme nicht vertreiben. Im Pfarrhaus neben der Kirche sind die Fenster weit geöffnet. Die Kirchturmuhr tönt. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs. Kräftig tönend sagt die Glocke, was die Stunde geschlagen hat. Für einen Frühaufsteher eine Freude. Der neue Tag ist da, Sonntag dazu.

In Zeiten ohne Armbanduhren und Handys war oft die Kirchturmuhr der Taktgeber für das Leben. Die Glocke tönte weit über den Ort hinaus über Wiesen und Felder. Mittagspause, Feierabend, Abendgebet. Unvermittelt ein Glockenschlag: Viertel nach sechs. Jede Uhr erinnert an die verrinnende Zeit. Stunden, Tage, Jahre vergehen. Ein Psalmdichter bekennt: "Meine Zeit steht in deinen Händen." (Psalm 31,16). Er schreibt das nicht in Erwartung eines reichlichen Sonntagsfrühstücks. Er leidet Not, hat Angst vor Verfolgung. Doch gerade da vertraut er auf Gott. "Herr, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit."

Es ist gut zu wissen, was die Stunde geschlagen hat. Es ist noch besser zu wissen, dass Gott in jeder Stunde gegenwärtig ist. Bis zur Stunde sagen Menschen, dass ihnen Gottvertrauen zur Stärke geworden ist, dass der Glaube selbst in dunklen Zeiten trägt. Vom Kirchturm tönt es zwei Mal: Halb sieben. Für mich Zeit zum Aufstehen.

Gesegnete Zeit.
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