Ziad aus Syrien fühlt sich in Erfurt willkommen und tut nun Gutes im Restaurant des Herzens

Es ist Ziad (links) ein Bedürfnis, nun für andere da zu sein.
 
Der fünfjährige Nizar ist Ziads ältester Sohn und erst seit kurzem in Deutschland. Heute möchte auch er helfen und Essen bringen wie die Großen.
Erfurt: Restaurant des Herzens | Ein Glücksfall - für beide Seiten: Ziad Moshameh aus Syrien lebt seit März in Erfurt, ist dankbar für die liebevolle Aufnahme und möchte nun anderen helfen:


“Das Schlimme liegt alles hinter mir.“ Ziad Moshameh wirkt gelöst, wenn er das sagt. Sein Lächeln ist voller Wärme. Es sitzt nicht nur auf den Lippen, es strahlt ebenso aus den Augen. Wen es trifft, kann sich ihm kaum entziehen, er muss es einfach erwidern. Ziad springt auf. Er hat eine Frau entdeckt, die mit ihrer Tochter durch die Tür getreten ist. Beide sehen sich suchend um. Hilfesuchend. Sie sind nicht von hier, sprechen noch nicht die Sprache der meisten Gäste. Aber sie haben gehört, dass sie Essen bekommen, Wärme, Geborgenheit. Ziads Lächeln ist schon bei ihnen, bevor er ihnen alles in Ruhe erklären kann, in ihrer Muttersprache.


Noch vor Monaten war auch er ein gänzlich Fremder. Nun ist er mindestens zweimal in jeder Woche hier, im Restaurant des Herzens in derEvangelischen Stadtmission in Erfurt, hilft beim Essenausgeben, steht den Flüchtlingen bei, die auch hier willkommen sind und die sich erst einmal orientieren müssen, Erklärungen zu den Abläufen und Gepflogenheiten brauchen. Er kann sie so gut verstehen, ist es doch nicht lange her, dass er auf der Flucht war. Ein langer Weg, eine lange Zeit. „Seit dem 14. März bin ich in Deutschland“, wird sich der aus dem syrischen Aleppo stammende Ziad Moshamed immer dankbar an diesen Tag erinnern. Nun, seit nicht mal vier Wochen, ist auch endlich die Familie wieder zusammen, Ziads Frau und die drei Söhne sind bei ihm. Mehr als zwei Jahre lang hatten sie sich nicht sehen können.

"Ich möchte auch Gutes tun!"


“Mir haben hier so viele Menschen geholfen, ich habe so viel Unterstützung bekommen“, ist der 45-Jährige überglücklich, angekommen und willkommen zu sein. Deshalb, so sagt er, möchte auch er etwas Gutes tun, anderen beistehen. So oft er Zeit hat, ist er deshalb im Erfurter „Haus Zuflucht“ und in der Stadtmission, packt mit zu, redet mit den Menschen, vermittelt unter denen, die sich rein sprachlich nicht verstehen. Ziad, der diplomierte Jurist, spricht arabisch, englisch, russisch und persisch, dank des Integrationskurses wird sein Deutsch von Tag zu Tag besser. Petra Hegt, die Geschäftsführerin der Stadtmission, ist Ziads Hilfe sehr willkommen. „Er ist ein Glücksfall für uns“, bringt sie das Engagement des Neu-Erfurters auf den Punkt. Schließlich spreche er verschiedene Sprachen, habe selbst die Flucht erlebt, kann sich in die Menschen und ihren Glauben hineinfühlen und bringt dazu Lebenserfahrung mit. Den Willen, sich einzubringen sowieso.


Aus Ziad Moshamehs Hilfe ist inzwischen sogar mehr geworden. Seine ehrenamtliche Tätigkeit im Haus Zuflucht hat sich zu einer Art Praktikum entwickelt, er ist nun oft mit der Leiterin und anderen Mitarbeitern unterwegs, um die Stadt und die Behörden kennenzulernen. Wie funktioniert das alles auf den Ämtern, wer sind die Ansprechpartner, was muss ich beachten? Neuankömmlinge haben so viele Fragen. Ziad möchte sie ihnen beantworten können. Wenn die Stadtmission im April dann auch Gemeinschaftsunterkünfte betreibt, wird Ziad dort eine feste Arbeit bekommen. Als Sozialarbeiter, so haben sich Petra Hegt und ihr Team entschieden. Ziad, der Glücksfall, vereine so sehr viele Kompetenzen in sich, da können sie gar keinen besseren finden, sind sie überzeugt.


Ziad lächelt. Auch er ist glücklich. Bald wird er also noch mehr tun können, den Menschen etwas von dem zurückgeben, was sie ihm bereitwillig gaben, als er Hilfe brauchte. Es ist auch ein gutes Gefühl, arbeiten, die Familie ernähren zu können. Seine Frau, die noch nicht so lange hier ist, lernt wie er fleißig deutsch. Die Kinder auch, natürlich. Es ist so schön hier in der Stadt, es gibt so viel zu sehen, so viel Kultur. Syrien ist weit weg. „Unser Zuhause ist jetzt hier“, sagt Ziad.

Hinweis:


Das Restaurant des Herzens in der Allerheiligenstraße in Erfurt hat noch bis Ende Januar geöffnet. Es bietet Bedürftigen ein warmes Essen, Geselligkeit und an den Wochenenden kulturelle Unterhaltung. Auch Flüchtlinge sind hier herzlich willkommen.
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