Zum Abschied von Altbischof Dr. Joachim Wanke: Niemand ist ohne Fehler

Altbischof Joachim Wanke im Gespräch mit einer jungen Familie. Fotos: Andreas Abendroth
 
10. Mai 1987, Bischof Joachim Wanke während des Festgottesdienstes zur Weihe der katholischen Pfarrkirche „Christi Himmelfahrt“ in Arnstadt.
Erfurt: Mariendom | Niemand ist ohne Fehler

Gedanken zum Abschied von Altbischof Joachim Wanke oder im Archiv geblättert

Von Andreas Abendroth

ERFURT. Fällt der Namensbegriff: „Bischof Joachim Wanke“ wissen fast alle Thüringer - ob gläubig oder nicht - etwas mit dem Namen anzufangen. Im 32. Jahr nach seiner Bischofsweihe, nimmt der dienstälteste Bischof aus dem Osten Deutschlands, aus Gesundheitsgründen Abschied vom Bischofsalltag.

Blättere ich in meinen Erinnerungen, im Archiv zurück, finden sich über die letzten Jahrzehnte viele Momente, in welchen ich auf Joachim Wanke getroffen bin.
Es waren kirchliche Ereignisse, wie Firmungen in der katholischen Pfarrgemeinde in Arnstadt, zur Bistumswallfahrt oder beim Treffen der Diaspora-Kirchenchöre in Erfurt. Aber es waren auch Treffen, wie beispielsweise der Besuch in einer Jugendstrafanstalt, wo Altbischof Wanke durch sein Auftreten deutliche Zeichen setzte.

Der Kirchenmann Wanke wirkte auf die Menschen durch seine ruhige, ausgeglichene Art. Er nahm sich Zeit, ging auf die Menschen zu, hatte für ihre Belange ein offenes Ohr.
In Diskussionen vertrat er immer einen klaren Standpunkt. Seine Argumentationen hatten Inhalt, waren fundiert.
Wanke versuchte immer den Menschen Mut zu zusprechen, sie an ihren Glauben auch im Alltag zu erinnern. So auch, als am 10. Mai 1987 die Weihe der katholischen Pfarrkirche „Christi Himmelfahrt“ in Arnstadt vollzogen wurde.
„Euch alle möchte ich ansprechen. Als Glocken, die zunächst einmal harmonisch zusammen klingen sollen. Disharmonien im Gemeindeleben sind keine Einladung. Ihr sollt Glocken sein die nicht nur hier am Sonntag, durch euer kommen Zeugnis des Glaubens geben. Sondern durch euer Leben im Alltag, im Betrieb, dort wo ihr wohnt. Damit, wer euch sieht und hört die Einladung des Herrn vernimmt.“

In einer seiner vielen Predigten betonte Bischof Wanke, dass der christliche Himmelsglaube missverstanden sei, wenn man ihn nur auf das Jenseits beschränken würde. "Mit dem Himmel beschenkt bedeutet: Das muss etwas mit unserem Leben hier auf Erden, mit dem Hier und Jetzt zu tun haben, so ähnlich, wie die konkrete Erfahrung, die hinter dem Ausruf steht: Du bist für mich ein Geschenk des Himmels!"

Oftmals nutzte er Gleichnisse, um Alltagssituationen zu verdeutlichen. Er rief die Gläubigen dazu auf, den ersten Schritt zu machen. In der Gesellschaft, auf den Nächsten, in der Kirche. „Der Anfang ist immer bemerkenswert und ein Grund zur Freude“, so Altbischof Wanke.
Auch erinnerte er immer wieder daran, wie es den christlichen Menschen in früheren gesellschaftlichen Zeiten ergangen ist. „Wir haben allen Grund, für die freiheitliche Grundordnung unseres Staates dankbar zu sein. Das gilt gerade für uns in den neuen Bundesländern, die wir noch die bedrückende Zeit vor der friedlichen Revolution in Erinnerung haben.“ Gleichzeitig betonte er aber auch: „Natürlich muss es Kritik und Möglichkeiten des zivilen Protestes geben. Niemand ist ohne Fehler, auch nicht eine staatliche Administration. Deswegen gibt es die Freiheit der Medien, das Demonstrationsrecht und die Möglichkeit, unabhängige Gerichte anzurufen.“

Ich habe Altbischof Joachim Wanke als einen Repräsentanten der Kirche erlebt, der in seinen Bischofsjahren wichtig Spuren in Richtung Zukunft gelegt hat. Für die katholischen Christen in Thüringen, im Zeichen der Ökumene, für Menschen die nicht wirklich mit Gott und seiner Verheißung umgehen können.


Biografisches:

- Bischof Joachim Wanke wurde am 4. Mai 1941 in Breslau geboren.
- Nach der Vertreibung aus der Heimat kam die Familie in der thüringischen Stadt Ilmenau unter.
- Nach dem Abitur Philosophie- und Theologiestudium in Erfurt
- 1966 Priesterweihe
- ab 1969 Aufbaustudium und 1973 Promotion zum Doktor der Theologie
- 1975 wurde er als Dozent an das Philosophisch-Theologische Studium in Erfurt berufen und übernahm 1980 als Professor den Lehrstuhl für Exegese des Neuen Testamentes
- 2. Oktober 1980 ernannte Papst Johannes Paul II. den damals 39-jährigen Wanke zum Weihbischof
- 26. November 1980 Bischofsweihe
- am 8. Juli 1994 erhebt Papst Johannes Paul II. das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen zum Bistum Erfurt. Der bisherige Apostolische Administrator Dr. Joachim Wanke wird sein erster Bischof
- 1. Oktober 2012, Papst Benedikt XVI. nimmt das Rücktrittsgesuch an, das der Bischof aus gesundheitlichen Gründen eingereicht hatte

Seinen Ruhestand wird Altbischof Joachim Wanke in Erfurt verbringen und dabei, wie es die Kräfte erlauben, auch weiterhin seelsorgerisch tätig sein, getreu seinem Wahlspruch: "Vestigia Christi sequi – Den Spuren Christi folgen".

HINWEIS:

Verabschiedung am 28. November 2012:

- 15.00 Uhr – Festakt im Theater Erfurt (nicht öffentlich)

- Um 17.30 Uhr beginnt das Pontifikalamt im Erfurter Mariendom, zu dem ab 17.15 Uhr alle Glocken des Domberges einladen. Altbischof Wanke leitet die Heilige Messe im Langhaus des Domes. Die Predigt hält Erfurts Diözesan-Administrator Weihbischof Reinhard Hauke. Da für die Gäste des Festaktes im Dom Plätze reserviert sind, reduziert sich die Zahl der übrigen Sitzgelegenheiten in der Bischofskirche. Der Gottesdienst wird daher von vier Kameras auf eine Großleinwand in die benachbarte Severi-Kirche übertragen.

Live-Gottesdienst: Auch auf katholisch.de und domradio.de übertragen das Pontifikalamt am 28. November, um 17.30 Uhr.
1
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
1 Kommentar
19
Evan van Heges aus Erfurt | 24.11.2012 | 15:55  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige