Zwei Gothaer Schülerinnen auf den Spuren von Herzog Ernst

Mit gebastelten Pferdchen auf Zeitreise: In ihrer Seminarfacharbeit befassen sich Alexandra Müller (l.) und Luisa Gollhardt mit Herzog Ernst und 'seiner' Rennbahn. Sie möchten damit jüngeren Schülern den Herzog nahebringen und gleichzeitig die Galopprennbahn Boxberg in Gotha wieder zum Gesprächsthema machen.

Die beiden Gothaer Gymnasiastinnen Alexandra Müller und Luisa Gollhardt möchten mit ihrer Seminarfacharbeit anderen Herzog Ernst und die Galopprennbahn Boxberg näher bringen.


Große Renntage auf dem Boxberg



“Ich kann mich noch gut erinnern, wie ein großer Renntag aussieht.“ Luisa Gollhardt gerät ins Schwärmen, wenn sie von dieser volksfestlich bis eleganten Atmosphäre auf dem Gothaer Boxberg spricht. Vor allem die Frauen, nein Ladys natürlich, waren sich mit ihren opulenten Kopfbedeckungen aller Blicke gewiss. Auch Alexandra Müller hat vor ein paar Jahren solche Tage auf der Galopprennbahn erlebt. Vielleicht fällt es den beiden Elftklässlerinnen so ein wenig leichter, sich in Gedanken zu Herzog Ernst II. - dem Begründer der Rennbahn - zu begeben, sich hineinzuversetzen in jene vergangene Zeit.

Einen Renntag nacherleben



Sie tun es seit Monaten sehr intensiv, für ihre Seminarfacharbeit. Der haben die Mädchen den Arbeitstitel „Ein Renntag mit Herzog Ernst“ gegeben, ihr widmen sie im Moment fast alle freie Zeit. Der Herzog, so erzählen sie, sei ihnen immer schon nah. Schließlich besuchen sie die Kooperative Gesamtschule in Gotha, die seinen Namen trägt.

Doch sie wollen mehr über ihn wissen - und dieses Wissen Jüngeren weitergeben. „Der Herzog war in seinem Denken seiner Zeit weit voraus“, weiß Alexandra Müller. Er wurde streng erzogen, auch die Art, sich zu kleiden, verrät seine ordnungsliebende Korrektheit. „Aber er war alles andere als verbissen, zeigte sich auch immer wieder ganz volksnah“, versucht Luisa Gollhardt eine Beschreibung des Mannes. Seiner großen Leidenschaft für Pferde und seiner blaublütigen Verwandtschaft in Großbritannien haben es die Gothaer zu verdanken, dass Ernst 1878 nach englischem Vorbild die Galopprennbahn auf dem Boxberg bauen ließ. Nicht ausschließlich zu seinem Vergnügen, auch das Volk war immer schon gern gesehen.

Forschen und nachfragen



Hinter jeder kleinen Information sind Alexandra und Luisa her, sie wollen alles wissen über den Herzog und über die Rennbahn. Gut, dass Luisas Eltern die Gaststätte auf dem Boxberg betreiben, so haben sie schon einmal Zugang zu ein paar Bildern von früher. Trotzdem müssen sie unzählige Stunden lang alte Bücher und Nachschlagewerke wälzen, sich durch Archive wühlen, Informationen festhalten, sortieren, auswerten, . Ein ehemaliger Jockey steht den Mädchen Rede und Antwort, schließlich wollen sie auch über neuere Zeiten etwas erfahren.

Praktische Wissensvermittlung



Einen großen, sehr aufwändigen Teil ihrer Arbeit widmen die beiden der Vermittlung ihres neuerworbenen Wissens: Gemeinsam gehen sie mit einer fünften Klasse auf den Spuren von Herzog Ernst auf Stadtführung, außerdem gestalten sie mit den Kindern einen Renntag auf dem Boxberg. Auch die anderen Schüler sollen etwas von den Erkenntnissen der Gymnasiastinnen haben: „Wir wollen Material erarbeiten, das im Unterricht verwendet werden kann“, spricht Alexandra von einer weiteren ehrgeizigen Aufgabe, der sie sich stellen.

Der Boxberg im Gespräch



Und vielleicht, so wagen die jungen Frauen einen zaghaften Blick nach vorn, schaffen sie es ja nicht nur, Wissen über Herzog Ernst und die Rennbahn zu vermitteln, sondern bringen mit ihrer Seminarfacharbeit den Boxberg wieder mehr ins Gespräch. „Ein paar kleinere Rennen und Veranstaltungen sind hier schon noch, aber die großen, glanzvollen Galopprennen finden hier nicht mehr statt“, bedauert Luisa, dass die Bahn mit ihrer typischen Tribüne ein eher trauriges Dasein fristet. Es wäre doch schön, wenn der hiesige Rennverein die Tradition wieder zum Leben erwecken könnte. Herzog Ernst wäre ganz sich dafür.





Zur Geschichte des Boxbergs


Seit 1842 fanden auf dem weitläufigen Gelände, das der Armee des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha als Exerzierplatz diente, Pferderennen statt. 1878 wurde auf Initiative des Pferdeliebhabers Herzog Ernst II. der Mitteldeutsche Rennverein gegründet. Dieser erhielt die Aufgabe, auf dem 60 Hektar großen Areal eine Pferderennbahn mit den dazugehörigen Gebäuden zu errichten. Mit den Baumaßnahmen nach englischem Vorbild wurde direkt begonnen. Noch im selben Jahr, am 22. September 1878, konnte zum ersten Mal die Rennglocke vor einer neuen Kulisse ertönen, der prachtvollen Haupttribüne. Angelegt als Rennbahn für Flach- und Hindernisrennen gehörte der Boxberg damals schon zu eine der technisch schwierigsten Bahnen.


Der Erste Weltkrieg beendete die großen Boxberg-Meetings mit Volksfestcharakter. Anstelle von eleganten Pferden und flanierenden Damen wurde das Gelände die nächsten Jahre landwirtschaftlich genutzt. Trotz vieler Bemühungen konnte erst im Jahre 1928 wieder ein Renntag stattfinden. Der Zweite Weltkrieg brachte das Renngeschehen auf dem Boxberg zum zweiten Mal zum Erliegen.


1953 ging das Gelände in Volkseigentum über. Trotz vieler anfänglichen Schwierigkeiten konnten zu DDR-Zeiten Renntage auf dem Boxberg abgehalten werden.


Mit der Wende begann auch auf dem Boxberg eine neue Zeitrechnung. Die Reprivatisierung wurde im Jahre 2000 mit dem Erwerb des Geländes durch eine Kapitalgesellschaft abgeschlossen. Der im gleichen Jahr gegründete Rennverein Gotha-Boxberg hat sich zum Ziel gesetzt, „die glorreichen Zeiten auf der historischen alten Bahn wieder aufleben zu lassen.“


(Quelle: www.eventpark-boxberg.de)
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