Zwei Todesfälle in einer Woche

Von Axel Heyder

OLDISLEBEN. Dass es kein Angelausflug werden würde, haben die vier DLRG-Schwimmer Felix, Kevin, Philipp und Tony sich schon gedacht, als sie sich freiwillig als Rettungsschwimmer für die Ostsee verpflichteten. Was aber in einer Woche Ostsee passieren kann, damit hatte keiner gerechnet.
In einer Woche Ostseeeinsatz mussten Thüringer DLRG-Schwimmer einiges überstehen

Normalerweise sind die Schüler und Studenten im Umkreis von Bad Frankenhausen in Schwimmbäder eingeteilt. Da gibt es auch zu tun, aber wirkliche Rettungsak­tionen sind die Ausnahme. An ihren Stützpunkten an den meist überlaufenen Stränden von Ahlbeck und Heringsdorf auf Usedom, sieht die Welt anders aus. Gemeinsam mit polnischen Rettungsschwimmern standen sie auf den Türmen, hatten statt einer 50-Meter-Bahn 200 Meter nach rechts und links zu überblicken. „Das ist schon etwas anderes“, sagt Felix. Baywatch-Idylle? Fehlanzeige!

„Gleich am ersten Tag, mussten wir und die Kollegen mit dem Defibrillator ausrücken.“ Eine Frau trieb im Wasser, musste wiederbelebt werden, verstarb aber später im Krankenhaus. So hatten sich das Felix und seine DLRG-Kollegen nicht vorgestellt. Ebenso wenig, dass es zu fremdenfeindlichen Äußerungen gegen die polnischen Kollegen kommen würde, die allesamt gutes Deutsch gesprochen hätten, aber trotzdem angepöbelt worden seien. Nicht vorstellbar fanden Kevin und Felix auch, dass Touristen die Reanimationsversuche an einem älteren Mann mit Herzinfarkt mit dem Handy fotografierten und dabei eher den Weg versperrten, als die Retter unterstützten. Der zweite Todesfall innerhalb einer Woche.
Kinder suchten Eltern, Eltern suchten Kinder, das immerhin gibt es in Thüringen auch. Ein Mädchen brach sich das Bein, nach dem Balancieren auf der Slagline. Ein Kreislaufkollaps einer Frau war vermutlich einer Überhitzung geschuldet. Das Training an der Ostsee war, auch bei allen negativen Erlebnissen, ein Intensivtraining. Denn die Ernstfälle, die in Thüringen über Jahre passieren, gab es dort in einer Woche.
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Hannelore Grünler aus Artern | 23.10.2013 | 13:56  
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