Aus dem Leben einer ­Papageiendame

  Ara Daisy hat eine Menge ungewöhnlicher Talente – Im Gespräch mit Axel Heyder beschreibt Sömmerdas wohl ungewöhnlichstes Haustier, welche Fähigkeiten das genau sind

Ich bin zwar kein Star, aber trotzdem bekannt. Ich war im Fernsehen beim MDR und im ZDF, im Radio und in der Zeitung. Manchmal ist mir der Rummel fast zu viel. Mein Name ist Daisy. Ich bin ein blau-gelber Gelbbrustara.


Meine Verwandten leben in Brasilien. Samba, sag ich da nur! Im Grunde bin ich aber ein ganz normaler Papagei. Mit Ausnahme einiger ­Talente, die ich so mitbringe. Weil ich bei den Gottschalls in Sömmerda wohne, habe ich einen entspannteren Rhythmus als die in Freiheit lebenden Verwandten. Ich weiß, wann es was für den Schnabel gibt und muss nicht den ganzen Tag danach suchen.

Vor 9 Uhr stecke ich selten den Kopf aus dem Gefieder. Danach habe ich meine festen Rituale, einen geregelten ­Tagesablauf mag ich. Mit ­Hilde flattere ich zum Bettenmachen, obwohl ich natürlich im Sitzen schlafe. Aber man hilft ja gern, die Bettdecke zu ziehen. Nach einem kleinen Frühstückchen begrüße ich Kater Wolfgang, wenn der nicht gerade wieder auf seinem Katzenbaum schläft. Er ist eigentlich ein ganz netter Typ, auch wenn er nicht immer auf meine Küsschen steht.

Meine beiden Zimmergenossen sind Graupapageien, sehr talentierte Sprecher, sage ich Euch. Sie schnattern ihn einfach fluffig weg, diesen menschliche Slang. Noch besser als ich. Sogar „Hänschen Klein“ kann Alfi pfeifen. Wie er das macht? Mir ein Rätsel. Alfi hat 20 Jahre im Gefieder und stammt, bevor er zu den Gottschalls kam, aus eher ärmlichen Verhältnissen für Papageien. Denn: Wir sind anspruchsvoll, brauchen Aufmerksamkeit, das richtige Futter auch. Aber jetzt geht’s ihm besser.

Außerdem gibt es da noch meine Mitbewohnerin. Die gute Tine ist weit scheuer als ich, aber sonst ganz in Ordnung. Sie ist ja auch erst drei – und Alfis Tochter.

Ach ja, ich wollte ja noch was zu meinem Tagesablauf durchschnäbeln: Also, nach dem Frühstück schaue ich fern. Nein, kein DSDS oder anderen Quatsch auf diesem flimmernden Brett, das ist was für Menschen. Ich meine den großen Fernseher, mit der Bank davor, wo die Blumen drauf stehen. Dahinter gibt’s eine Menge zu beobachten. Zum Beispiel Hunde. Wenn die vorbeilaufen, schlage ich Alarm, die mag ich ja, diese zotteligen Kerlchen. Gern schau ich auch Katzen zu, wie sie draußen rumstromern oder anderen Vögeln, wobei diese Spatzen zwar lustig sind, aber diese Klamotten, alles grau in grau.

Wenn ich davon genug habe, nehme ich manchmal eine Dusche. Dabei könnte ich mich amüsieren, wie die Menschen es witzig finden, dass ich alleine in der Küche den Wasserhahn aufdrehen und mich berieseln lassen kann. Als wäre das etwas besonders. Aber die Leute mögen das, unglaublich. Ebenso, wenn ich auf dem Fahrrad sitze (vorausgesetzt das Wetter stimmt). Manchmal begleite ich die Gottschalls zum Einkaufen. Raus aus der Bude will ich ich aber immer erst nach einem kleinen Nickerchen am Mittag. Man gönnt sich ja sonst nix. Wenn ich Spaß haben will, dann verstecke ich am liebsten Socken. Ist das witzig, kann ich Euch sagen: Hilde versucht, die Paare für die Wäsche zu sortieren und ich verstecke sie wieder. Tolles Spiel, ihr müsstet sie mal schimpfen hören. Grandios!

Der Höhepunkt des Tages ist aber das Abendfutter. Punkt 18 Uhr wird serviert: Das ist vorgewärmt und besteht aus richtig leckeren Sachen: Nüsse, Früchte und Saft oder Sonnenblumenkerne. Ein Gedicht kann ich Euch sagen. Dann ist der Tag auch schon fast wieder rum. Ab und an schau ich mal in Schulen oder Kindergärten vorbei. Als Star beziehungsweise Ara muss man ja ein bisschen Werbung für seine Art machen. Vielleicht sieht man sich ja mal, beim Shoppen oder so. Also bis dahin: Ahoi, Eure Daisy!
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