Der gefärbte Fluss „Colorado River“

    Geburtstagsgeschenke sind ja grundsätzlich etwas Schönes. Aber am schönsten werden Sie für mich, wenn meiner Frau nichts Richtiges einfällt und sie mich dann zu diversen Kajaktouren in die Welt schickt. Auf diese Weise habe ich schon so einiges von der Kajakwelt zu sehen bekommen. Diesmal sollte es der Colorado River im Grand Canyon in den USA werden. Als ich mich mit Freunden darüber unterhielt, die das schon einmal gemacht hatten, sagten sie mir ich soll doch meine Frau gleich mitnehmen. Das hatte sie sich zwar nicht so gedacht, zelten im Freien hatte sie schon vor 15 Jahren abgewählt , Schlangen und Skorpione zählten nicht zu ihren Lieblingstieren und auf Handy, heisse Dusche und den sonstigen Urlaubskomfort wollte sie eigentlich nicht so richtig verzichten. Raften auf dem Colorado River ist schon eine andere Nummer als auf der Unstrut oder in Österreich mit dem Schlauchboot herum zu schippern. Irgendwie habe ich es dann doch geschafft sie zur gemeinsamen Reise zu überreden und so wurde die Tour unser Jahresurlaub 2015.

Ende August war es dann soweit, es ging los von Frankfurt nach Las Vegas. Oder sagen wir besser es sollte losgehen. Nach stundenlanger Warterei im Flieger wurde erst einmal unser Flug abgesagt. Böses Ohmen? Der Flieger war defekt, also rein ins Hotel und am nächsten Tag von vorn mit neuem Flieger. In Las Vegas angekommen erst einmal die logistische Herausforderung 15 Kajaks und 20 Leute vom Flughafen ins Hotel zu transportieren. Dort trafen wir uns dann mit den restlichen Leuten unserer aus 30 Deutschen , Österreichern und Schweizern bestehenden Truppe. Schnell noch die letzten notwendigen Utensilien im Outdoor- Laden besorgt und am nächsten Tag ab mit dem amerikanischen Veranstalter zum Einstieg am Canyon. 5 Stunden Fahrt zur Cliff Dwellers Lodge im Marble Canyon. Die Anzahl der Touristen, die im Jahr den Grand Canyon auf diese Weise besuchen können, ist streng limitiert. Möchte man so eine Tour auf eigene Faust unternehmen, beträgt die Wartezeit mit einer Anmeldung bis zu 10 Jahren. Wir waren also da und wurden mit dem notwendigen wasserdichtem Outdoorequipment ausgestattet. Unsere Kajakausrüstung inclusive Kajak hatten wir natürlich selbst dabei. Noch eine letzte Nacht im Bett mit Dusche und WC, dann sollte uns der Canyon bei Lees Ferry für 12 Tage verschlucken. Am nächsten Morgen startete das eigentliche Abenteuer. Unsere Ausrüstung und die persönlichen Habsehlichkeiten wurden in wasserdichten Säcken auf den beiden begleitenden Riesenschlauchbooten verstaut. Das waren nicht etwa solche die wir hier so kennen. Die waren ca. 12 m lang und 5 m breit mit Motor ausgestattet. Darauf wurde Essen für 12 Tage, Trinken, Zelte, Liegen, Stühle, private Sachen, Toiletten und auch das eine oder andere Kajak verladen. Alles was in den Canyon rein geht, kommt auch wieder raus. Und wenn ich sage Alles, dann meine ich auch Alles. Jedes Übernachtungscamp schaut so aus als wäre nie ein Mensch zuvor dort gewesen. Vorher volle Essenversorgungskisten, die nach und nach verspeist und in Energie umwandelt wurden und der Rest in der Toilettenbox, alles gut verstaut. Das haben die Amis ja in Perfektion drauf, Respekt dafür.

Nachdem alles verladen war ging es auch schon los. Auf dem glasklaren eiskaltem ( 8 Grad) „Colorado River“. Zumindest bis zur nächsten Kurve. Dort floss ein Kaffebrauner Bach hinein, der „Little Colorado“ und er machte seinem Namen Colorado (der Gefärbte) alle Ehre. Von dort aus wechselte der Fluss gelegentlich die Farben von Kakao Braun über Latte Macchiato bis hin zu Kaffe Schwarz. Sah zwar komisch aus aber war eben nur Sand und trotzdem sauber.
Unsere Gruppe war also insgesamt 32 Mann und Frau stark, 23 Kajakfahrer, 6 Mitfahrer auf den Rafts zwei Raftguides und eine Küchenhilfe. Wir wollten von unterhalb des Lake Powell bis zum Lake Mead paddeln, was ca. 470 Km entsprach. Auf dem Weg dahin gab es mehr als 100 größere und kleinere Rapides „Stromschnellen“ die eine, für mich, seltsame Klassifizierung hatten. In Europe gibt es eine Wildwasser-Klassifizierung zwischen 1 -6. In den USA sogar nur bis 5. Auf den Karten, die wir uns vorab besorgt hatten gab es nun eine Einteilung bis 10 und die niedrigste war 4. Möglicherweis lag das an dem sehr hohen Durchflussvolumen (Wuchtwasser) des Colorado. Also war ich sehr gespannt was mich da erwartete.

Nach einem Tag paddeln und den ersten größeren Rapids, das erstes Camp. Petra und ich suchten uns ein schönes Plätzchen auf einer kleinen Sandbank, bauten unser Zelt und unser Nachtlager auf und schon wurde es dunkel. Unsere Guides hatten indes das Abendessen zubereitet, im amerikanischen Stiel „Steak und Kartoffelstampf“, eine Vorspeise und natürlich hatten die es auch drauf einen Kuchen outdoor frisch zu backen. Die Versorgung war also für jeden Tag gesichert. Vor dem Essen gab es immer ein kurzes Camp-Meeting, hier wurde der nächste Tag besprochen. Natürlich wurde nicht nur gepaddelt. Es blieb auch genügend Zeit die atemberaubende Natur bei kleinen Wanderungen zu erkunden. Seitencanyons mit klaren Flüssen und Wasserfällen waren willkommene Abwechslungen. So gegen 20.00 Uhr war es stock dunkel und die Orientierung nur noch mit Stirnlampe möglich. Lagerfeuer gab es nicht, weil sie im Naturpark verboten sind. Der Sonnenauf- und -untergang bestimmte also die nächsten Tage unseren Tagesablauf. Wecken 5:30 Uhr mit dem ersten frischen Kaffee, da waren unsere Guides schon eine Weile auf den Beinen, um das Frühstück vorzubereiten. Und waschen im Fluss , das hatte ich irgendwie vergessen Petra zu sagen, naja hat sie auch hinbekommen, ich kenne das ja von meinen früheren Reisen.

Man könnte denken, „naja 12 Tage paddeln oder auf dem Raft ist ganz schön langweilig“, aber dem war natürlich nicht so. Die Natur wechselte beinahe täglich ihr Aussehen es gab ständig etwas Neues zu entdecken. Einmal war es der beeindruckende Canyon selber, dann waren es Tiere am Ufer oder geniale Wolkenbildung wenn sich ein Gewitter zusammen schob. Eben Natur vom aller feinsten. All das gesehene und erlebte in Worte zu fassen ist sowieso sehr schwierig, wenn nicht gar gänzlich unmöglich.

Zwischendurch immer wieder schwere Stromschnellen mit klangvollen Namen wie z.B.: „Horn Creek Rapid WW 7-9“, „Hermit Rapid WW 7-8“, „Lava Falls WW 8-10“ und „Crystal Rapid WW 7-10“ um nur einige der Großen zu nennen. Dave, unser amerikanischer Kajakguide, kannte sie alle aus dem FF. Er gab genaue Beschreibungen auf dem Fluss oder wir kletterten gemeinsam zur vorherigen Besichtigung. Die meisten Rapids stellten für mich keine grösseren Probleme dar, mit meiner Wuchtwassererfahrung wusste ich, dass es bei so viel Wasser nicht darauf ankommt ob man 1m nach rechts oder links ab kommt. Natürlich flösste einem schon alleine das Geräusch dieses gewaltigen Flusses Respekt ein. Im Gegensatz zu meinen sonstigen Wasserfallaktivitäten, wo es auf cm ankommt war ich hier nie im Stress und konnte die riesigen, bis zu 3m hohen Wellen, genießen. Bei Petra war das schon etwas anders. Sie kannte die meisten Flüsse nur von den Ufern und dann gleich so ein Riesenfluss, hatte sie so etwas von mir doch bisher nur auf Bildern gesehen (z.B. vom Sambesi in Afrika). Aber die Raftguides beherrschten natürlich ihr Handwerk, auch wenn das riesige Raft manchmal von einer Welle komplett verschluckt wurde, samt Petra natürlich, die auf diese Weise meist den ganzen Tag klatsch nass war. Bei 40 Grad Lufttemperatur aber nicht ganz unangenehm. So vergingen die Tage ohne Handyempfang, Wirres LAN und ohne E-Mail Konversation. Nur das persönliche Gespräch, abends auch bei einem gute Glas Wein zählte. Manchmal konnte man auch nur mit sich und dem Canyon ganz allein sein. Am letzten Tag kamen wir nach 470 km in Pearcy Ferry wieder an und fuhren von dort aus zurück nach Las Vegas.

Damit endete für uns ein wunderschönes Naturerlebnis, die Zivilisation hatte uns mit aller Gewalt wieder. Dank der amerikanischen Mentalität und deren Naturverständnis ist es möglich auch ohne wirkliches Risiko für fast Jedermann eine solche Natur erlebbar zu machen.



Der Colorado (span. für rotgefärbt bzw. gefärbt[2][3]) ist der größte und wichtigste Fluss im Südwesten von Nordamerika. Er ist 2333 km lang und besitzt ein Wassereinzugsgebiet von 635.000 km². Landwirtschaft, Trinkwasser- und Elektrizitätsversorgung im Südwesten der Vereinigten Staaten und in Teilen Kaliforniens hängen stark vom Wasserregime des Colorado River ab. Dazu wurden zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und den 1980er Jahren eine Vielzahl Bewässerungsprojekte unterschiedlicher Größe erbaut.
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2 Kommentare
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Dieter Eckold aus Zeulenroda-Triebes | 24.09.2015 | 10:33  
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 07.10.2015 | 09:49  
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