Gartenvogels große Stunde - und jeder kann mitmachen!

Mönchsgrasmücken im Nest (Foto: privat (Balmer / Blank))
 
Vielleicht zeigen auch sie sich: Schwanzmeisen. (Foto: privat (Balmer / Blank))

Zur vom Natutschutzbund (NABU) ausgerufenen „Stunde der Gartenvögel“ treffen sich am Samstag, 9.Mai, um 10 Uhr Interessierte im Garten der Freigärtner e.V. in Gotha-Siebleben (hinter dem Tedi-Markt an der Salzgitterstraße). Mit seiner vielfältigen Vegetation ist das der geeignete Ort, um Vogelfangnetze aufzustellen. Die im Hainich tätigen Experten Juliane Balmer und Joachim Blank sind an diesem Tag mit von der Partie und laden zum Fachsimpeln ein. Im Gespräch dazu mit dem Diplom-Biologen Joachim Blank:

Warum wird den Gartenvögeln extra Aufmerksamkeit gewidmet, sind sie in Gefahr?



Die Vogelwelt in Gärten und Parks, also im unmittelbaren menschlichen Umfeld ist von der Lebensweise des Menschen abhängig. Leider werden gerade in den letzten zehn Jahren die Lebensbedingungen für Siedlungsarten immer unattraktiver. Ich denke an die Beseitigung von Schwalbennestern, präzise durchgepflegte Gärten ohne Wildkräuter und nahezu ohne heimische Blütenpflanzen oder Sträucher. Auch die Gebäudedämmung beseitigt Höhlungen in Wänden und unter Dächern, ohne dass für den Brutplatzverlust Ausgleich geschaffen wird. So ist der Zielwert des sogenannten „Indikators Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ für Siedlungen (siehe www.bfn.de) bis 2015 nicht erreichbar.

Kann der Einzelne etwas tun, damit es den Vögeln gutgeht?



Ja, mehr Natur auch im unmittelbaren persönlichen Umfeld (Garten, kommunale Grünflächen, an Parkplätzen und Radwegen) zulassen. Manchmal heißt das eben auch, „Unordnung“ zu dulden und sich nicht beim geringsten Krautwuchs am Straßenrand beim Ordnungsamt zu beschweren. Möglichst den Einsatz von Kunstdüngern und Pestiziden vermeiden. Kein Streusalz im Winter (ist eigentlich auch vielerorts verboten, interessiert aber keinen), Autos nicht im Stand laufen lassen.

Ist Thüringen ein vogelreiches, vogelfreundliches Gebiet?



Thüringen ist genauso vogelfreundlich oder vogelfeindlich wie andere Bundesländer. Thüringen hat einen hohen Waldanteil und hat deshalb eine besondere Verantwortung gegenüber Waldvogelarten, denen es im Vergleich zu den Arten der Siedlungen oder des Agrarlandes noch relativ gut geht. In der Forstwirtschaft geht der Trend erfreulicherweise in Richtung natürlicher Mischwald und weg vom monotonen Fichtenwald, der im Zuge des Klimawandels sowieso schlechte Karten hat (Trockenheit). Sehr schade ist, dass auch Thüringen es nicht geschafft hat, in vielen NATURA 2000-Gebieten konkrete Schutzmaßnahmen umzusetzen.

Welche Gartenvögel kommen am häufigsten vor, gibt es auch seltene Exemplare?



Die häufigsten Vögel in Gärten sind Kohl- und Blaumeisen, Amseln, Haussperlinge und Grünfinken. Daneben sind Mönchsgrasmücken, Zilpzalp, Buchfink, Girlitz, Feldsperling, Rotkehlchen und Heckenbraunelle regelmäßig anzutreffen. Mehl - und Rauchschwalben sind leider selten geworden, auch Gartenrotschwanz, Gelbspötter und Nachtigall finden in „sterilen“ Gärten nicht ausreichend Nahrung und Deckung. Auch Schwanzmeisen, Garten- und Waldbaumläufer sind nicht in allen Gartenalagen zu finden. Unter den Greifvögel brüten Turmfalken regelmäßig im Siedlungsbereich, an Häusern oder in alten Krähennestern.

Sind bei den Freigärtnern in Gotha besonders viele Singvögel zu beobachten?



Gärten, die nicht in erster Linie auf Ertrag getrimmt sind, wo also „Wildnis“ mehr Raum hat und der Einsatz von Pestiziden weitestgehend vermieden wird, bieten Vögeln mehr Nahrung und Versteckmöglichkeiten. Es ist anzunehmen, dass dort in Gotha höhere Individuenzahlen festzustellen sind. Wir stellen mit der Beringung nur einige Arten vor, woraus keine Bestandszahlen abgeleitet werden können.

Kann jeder bei der Stunde der Gartenvögel mitmachen, auch im eigenen Garten?



Jeder kann nach den Regeln des NABU entsprechende Listen ausfüllen und einsenden. Etwas Artenkenntniss gehört allerdings dazu.

Wozu werden die Daten benötigt?



Die festgestellten Zahlen lassen eine grobe Einschätzung der Bestandveränderungen zu. Auch das Auftreten neuer Arten (ehemalige reine Waldarten (Singdrossel, Amsel, Ringeltaube) oder gebietsfremde Arten (Nilgans, Halsbandsittich)) kann so großflächig beurteilt werden. Außerdem fördert die Beschäftigung mit der Vogelwelt vor der Haustür hoffentlich auch die Toleranz gegenüber den Mitbewohnern in Haus und Garten.




Termin:


Vögel in der Nähe beobachten, an einer bundesweiten Aktion teilnehmen und dabei Preise gewinnen: All das vereint die NABU-Mitmachaktion „Stunde der Gartenvögel“. Am zweiten Mai-Wochenende (8. bis 10. Mai) sind Vogelfreunde aufgerufen, eine Stunde lang alle Vögel, die sie beobachten zu notieren. Infos: www.nabu.de.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige