Gierstädter Schwalben fliegen bis Nigeria

Schwalbenberingung in Gierstädt (Foto: NABU/J. Ehrhardt)
Gierstädt: . |

Schwalbenfreunde des NABU Thüringen haben gestern (12. August) 50 Mehlschwalben am Gierstädter Schwalbenhaus beringt. Die Daten helfen unter anderem auch dem NABU mittel-und langfristig die Schwalbenbestände einzuschätzen. Daraus können dann verstärkt Schutzmaßnahmen abgeleitet werden. Beringte Schwalben aus Gierstädt wurden sogar schon aus Nigaria gemeldet.

Schon zu früheren Zeiten fiel es den Menschen auf - Schwalben die im Frühjahr und Sommer die Dörfer und Städte beleben, sind im Herbst plötzlich verschwunden. Doch wohin? Es herrschte vielerorts der Irrglaube, Schwalben die sich in großen Scharen in den Röhrichten sammelten, verbringen den Winter über im Sumpf. „Erst zur Wende des 20. Jahrhunderts nahm das Interesse über das Zugverhalten der Vögel zu“, erzählt der Schwalbenbeauftragte des NABU Thüringen Tino Sauer. „Es wurden einfache Fußringe entwickelt, in die eine Nummer eingestanzt war. Damit hatte man die Möglichkeit, die Tiere über einen längeren Zeitraum hin zu beobachten.“ Heutzutage gibt es moderne Vogelringe aus Leichtmetall, welche die Kurzanschrift der Beringungszentrale und eine Erkennungsnummer enthalten. „Für uns ist die Beringung eine wichtige Methode, um mehr über das Vorkommen von Schwalben herauszufinden“, sagt Sauer. „Dadurch ist es möglich festzustellen wie alt sie werden, wo sie den Winter verbringen oder ob sie wieder an ihre angestammten Brutplätze zurückkommen.“ Werden Ringe an einem Tier abgelesen und der Beringungszentrale gemeldet, werden Beringer und Ableser informiert.

„Unsere Beringergemeinschaft Tabarz beringte schon seit 1988 am Speicher Dachwig Mehl- und Rauchschwalben. In Kunstnestern beringen wir in Gierstädt Mehlschwalben seit etwa 15 Jahren“, berichtet der Schwalbenexperte. „Von unseren Schwalben wurden uns auch schon Wiederfänge aus Nigeria gemeldet und eine Mehlschwalbe konnten wir nach fünf Jahren wieder in Giestädt nachweisen“. Die Daten helfen dem NABU vor Ort mittel-und langfristig die Schwalbenbestände beim Bestandstrend einzuschätzen. Daraus könne dann verstärkt Schutzmaßnahmen abgeleitet werden. Bei der heutigen Beringung am großen Schwalbenhaus im Gewerbepark Fahner Höhe in Gierstädt wurden die letzten Jungvögel der Erstbruten beringt.

Tino Sauer ist ein echter Schwalbenfreund. Aus diesem Grund hat er neben den Beringunsprojekten vor 5 Jahren das NABU-Projekt „Hier sind Schwalben willkommen!“ mit angeschoben. Das Projekt soll das Engagement von Menschen würdigen, die sich für den Schwalbenschutz einsetzten. „Wenn ich zu einer solchen Plakettenverleihung fahre, freue ich mich immer sehr, wenn ich sehe, mit welcher Liebe manche Bürgerinnen und Bürger ihr Haus schwalbefreundlich gestalten. Das geht sogar so weit, dass das Fenster im Zimmer offen bleibt, weil Schwalben dort ein Nest bauen,“ schwärmt Sauer. „Mittlerweile haben wir auch schon an die 900 Plaketten an Schwalbenfreunde in Thüringen verliehen.“
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