Großprojekt Geraaue

Ingenieur Marcel Glebe
 
Hier sieht es völlig anders aus als noch vor wenigen Jahren. Der Blick von der sogenannten Entenbrückean der Hanoier Straße zeigt, dass hier das steile Ufer verschwunden ist, die Gera ist als Gewässer- und Auenlandschaft erlebbar. Die Erfurter nutzen gern diese Möglichkeit, ihrem Fluss wieder nahe zu sein.
 
Blick von der sogannten "Entenbrücke"

Erfurt. Stück für Stück, zum Teil beträchtlich, verändert sich der Bereich der Erfurter Geraaue, seit sich die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) des Gebietes im Norden der Stadt angenommen hat.

Marcel Glebe ist bei der TLUG zuständiger Ingenieur für Mittelthüringen und derzeit mit über 30 Projekten betraut. Die Umgestaltung der Geraaue ist das Vorhaben, welches derzeit am meisten im Fokus steht, interessiert-kritisch beobachtet von der Öffentlichkeit. Berufsbedingt ist Marcel Glebe häufig vor Ort, von Zeit zu Zeit leitet er auf Einladung der unter Führung der WBG Zukunft ins Leben gerufenen Initiative Geraaue die „Geraauen-Entdeckertour“ für interessierte Bürger und hat dabei eine Menge interessante Fakten auf Lager.

Der Zustand


Die Gera ist in diesem Bereich begradigt und strukturarm. Vor allem hat sie steile Ufer, die es Mensch und Tier schwer machen, sich dem Wasser zu nähern. Bei Hochwasser hat der Fluss nicht genügend Raum sich auszubreiten. Die Vegetation an den Ufern ist von Monobeständen geprägt. Vor allem Robinien sind hier zu finden, die sich nicht zur Uferbefestigung eignen. Wurzeln werden unterspült, Bäume stürzen ins Wasser und müssen arbeits- und kostenaufwendig beseitigt werden. Durch die Wehranlagen am Teichmannshof und Gispersleben haben es Fische schwer, sich hier anzusiedeln.

Der Plan


Vor vier Jahren erstellte die TLUG für die nördliche Geraaue einen Gewässerentwicklungsplan. Er besteht aus folgenden Maßnahmen: Wegückverlagerung im Bereich Moskauer Platz, Strukturmaßnahme „Straße der Nationen“, Umbau Wehr Teichmannshof, Strukturmaßnahme nördliche Geraaue, Hochwasserschutz Berufsschule Gispersleben, Rückbau Wehr Gispersleben, Mäander auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände.

Die Ziele


Marcel Glebe spricht von der größten Flussumgestaltung weit und breit seit Jahrzehnten. Insgesamt soll die Gera als Gewässer- und Auenlandschaft erlebbar gestaltet, den Menschen und auch Tieren im wahrsten Sinne des Wortes nähergebracht werden. An mehreren Stellen wurden die steilen Ufer bereits abgeflacht. Das dient zum einen dem Hochwasserschutz, zum anderen wird nun das Flussufer auch für die Naherholung attraktiv. Die Abholzung von rund 1000 Bäumen schuf Raum für vielfältige neu angepflanzte Vegetation, Gefahren durch unterspülte Bäume werden so weniger. „So erreichen wir eine nachhaltige Wirkung, das neue Flussufer stabilisiert sich selbst, der Mensch muss nicht immerzu eingreifen“, weiß Marcel Glebe. „Wenn eine solch große Veränderung vorgenommen wird, muss einfach Tabula Rasa gemacht werden“, fügt er hinzu. Selbstverständlich wurde und wird jeder gefällt Baum durch neue Pflanzen ersetzt.

Die Schwierigkeiten



Als vor Jahren bekannt wurde, dass in der Geraaue rund 1000 Bäume gefällt werden müssen, entflammte unter den Bewohnern des Erfurter Nordens ein großer Protest. „Eine schwere Zeit“, erinnert sich der Ingenieur an zahllose Anfeindungen und einseitige Berichterstattung. Manchmal, so gibt er zu, war er nahe dran aufzugeben. Doch immer wieder Reden, Erklären, Argumentieren hilft. „Die größten Gegner von damals haben sich in einer Interessengemeinschaft gefunden und gehören heute zu den Befürwortern des Projektes“, freut er sich, dass vor gut zwei Jahren die negative Stimmung umgeschlagen ist. Wenn nun, vor der größten Maßnahme des gesamten Projektes, noch einmal ein paar Hundert Bäume weg müssen, wird man gemeinsam darüber sprechen, auf Verständnis stoßen. „Schließlich machen wir das ja alles für den Fluss, die Natur und für die Menschen hier.“

Der aktuelle Stand



Vier der insgesamt sieben Einzel-Maßnahmen sind bereits umgesetzt. Der Rückbau des Wehrs am Teichmannshof liegt derzeit auf Eis, erst muss eine Lösung für die Entsorgung der hier liegenden Asche gefunden werden. Im nächsten Jahr sollen der Umbau der Wehranlage Gispersleben und der Rückbau der technischen Anlagen am ehemaligen Kraftwerk dort erfolgen. Dafür wird auf einem Teilstück die Gera durch das einstige Kraftwerksgelände umgeleitet, es entsteht ein Mäander, eine Flussschleife. Mit der Öffnung zum Kilianipark hin werden Fluss und Landschaft eine besonders attraktive Verbindung eingehen. „Ein gewaltiger Eingriff“, sagt Marcel Glebe und sagt voraus: „Das wird eine phantastische Park-Wasserlandschaft werden!“


Zahlen & Fakten:


- 2010 wurde für die Gera ein Gewässerentwicklungsplan (GEP) erstellt, darauf aufbauend entstand ein detailliertes Konzept „Komplexmaßnahme Gispersleben - naturnahe Geraaue“, es ist mit der Stadt Erfurt abgestimmt.- Der Komplex nördliche Geraaue umfasst sieben Maßnahmen, vier wurden bereits umgesetzt.- Die gesamte Investition beträgt rund 4 Millionen Euro.- Die Gera ist im gesamten Bereich begradigt und strukturarm, hat sehr steile Ufer.- Die Wegführung ist beengt.


- Die Wehranlagen Teichmannshof und Gispersleben behindern die Durchgängigkeit der Gera, mit dem Rückbau entstehen auch Fischtreppen.


- Die aufwendigste Maßnahme ist die am Wehr / Kraftwerk Gispersleben- Der Freistaat Thüringen hat das Kraftwerksgelände im Dezember 2011 von den Stadtwerken erworben.- Das direkt in der Flussaue liegende Kraftwerksgelände hat als riesiges Brachgelände keine Anbindung an den „Ökoraum Gera“.


Ziele:

- Herstellen der Durchgängigkeit durch Rückbau der Wehranlagen Teichmannshof und Gispersleben.- Umbau der Wehranlage Teichmannshof ist für 2016 vorgesehen (Kosten ca. 550.000 Euro).

- Umbau der Wehranlage Gispersleben mit Laufverlängerung der Gera über das Kraftwerksgelände (im Jahr 2015, Kosten ca. 2,5 Millionen Euro)- In diesem Zusammenhang Rückbau der technischen Anlagen in Höhe des ehemaligen Kraftwerks

- Strukturverbesserung der Gera durch Abflachen der Ufer und Auflockerung der Uferlinie.- Öffnen des ehemaligen Kraftwerks Gispersleben und Anbindung des Geländes an den Kilianipark.

- Fördern und Initialisieren einer gesunden, standortgerechten Ufervegetation.- Integration des Konzeptes in die Buga Erfurt 2021. Die Flächen sollen Bestandteil des Buga-Geländes werden.

Nächste Entdeckertour



Die nächste Geraauen-Entdeckertour ist am Mittwoch, 9. Juli, um 16 Uhr. Treffpunkt ist an der „Entenbrücke“ über der Gera zwischen Rieth und Berliner Platz, ca. 100 Meter südlich von der Straße der Nationen. Anmeldungen unter Telefon 0361/74079100 bei der WBG Zukunft. Weitere Infos: www.erfurter-norden.de
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1 Kommentar
6
Bernhard Karst aus Erfurt | 01.07.2014 | 10:40  
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