Grüner Beruf? Für Adrian Gottschall und Oliver Sülzbrück ist das perfekt

"Es ist genauso, wie ich mir das vorgestellt habe", sagt Lehrling Adrian Gottschall über seine Ausbildung. Er fährt nicht nur die großen Maschinen über die Felder, sondern muss sich auch um die funktionierende Technik kümmern.
 
Bei Oliver Sülzbrück liegt die Liebe zur Landwirtschaft und zur Technik in den Genen, sagt er und genießt es, an diesem Tag Herr über den 300-PS-starken Traktor zu sein.

Bloß keinen Bürojob! Adrian Gottschall und Oliver Sülzbrück haben sich bewusst für einen "Grünen Beruf" entschieden. Diesen erlern(t)en sie in Friemar bei Gotha. Ihr Lehrbetrieb wurde für gute Ausbildungsqualität geehrt.



Im Büro sitzen, vielleicht noch einen Anzug tragen? Eine schreckliche Vorstellung für Adrian Gottschall. Da genießt es der 18-Jährige aus Pferdingsleben doch lieber, sich jeden Tag frischen Wind - der so gut nach Landluft reicht - um die Nase wehen zu lassen, Herrscher über Traktor und Mähdrescher zu sein, die Maschinen fit zu machen oder genau die richtige Menge vom Düngemittel zu berechnen. „Landwirtschaft, das ist genau meins. Ich bin damit von kleinauf vertraut!“, sagt er, der im zweiten Lehrjahr ist und Fachkraft für Agrarservice werden wird. Oliver Sülzbrück ist zwei Jahre älter. Er hat die Lehrzeit schon hinter sich und stimmt dem Jüngeren zu. Das mit dem Anzug sei auch gar nichts für ihn. Und außerdem liege bei ihm der Hang zur Landwirtschaft sowieso in den Genen, es gibt keinen schöneren Beruf. Er winkt ab, fast ein wenig verlegen, wenn man ihn fragt, mit welcher Note er die Ausbildung denn abgeschlossen habe. „Sehr gut“ steht unter seinem Zeugnis, verrät Oliver dann doch.

Keine Schonzeit für Azubis



“Bei uns laufen die Lehrlinge vom ersten Tag an mit!“, macht Konrad Herrmann deutlich, dass es für seine Azubis keine Schonzeit gibt. Er ist der Verwalter vom Gut Friemar der Südzucker AG und kümmert sich um den Berufs-Nachwuchs. „Die müssen schon richtig mitarbeiten und alles von der Pike auf lernen. Ich bin da ein bisschen altmodisch“, redet er Klartext. Und bei der Wartung und Bedienung der großen Maschinen, beim Bestellen und Düngen der Felder, auf denen hier Getreide, Raps und Leguminosen angebaut werden, und bei den verschiedensten Versuchsreihen gibt es eine Menge zu erfahren.


„Aber das ist genau richtig so, sonst lernt man ja nichts“, hat Oliver Sülzbrück nichts dagegen, gefordert zu werden. Ihm hat es besonders die Technik der schweren Maschinen angetan. Auch Adrian genießt es, der 300-PS-starken Technik ganz nah zu sein, sie zu beherrschen. Er mag es auch, wenn alles da ist, wo es hingehört, das Getreide gelagert, der Hof gekehrt, die Traktoren einsatzbereit. „Es ist doch schön, wenn alles sauber ist“, stellt er mit einem zufriedenen Blick über das Gelände fest. Das hier ist genau seine Welt. „Ein bisschen musst du aber schon dafür geboren sein“, überlegt er laut. Er ist es auf jeden Fall.


Doch viel Zeit zum Reden ist nicht. Jetzt ist zwar noch längst keine Erntezeit, in der die Jungs manchmal auch am Wochenende ran müssen. Reifes Getreide fragt nicht nach Feierabend. Derzeit sind sie mitten in der Saatgutbereitung. Der Boden muss gelockert werden, bevor er das Saatgut aufnehmen kann. Später dann werden sie regelmäßig kontrollieren, ob den Pflanzen wichtige Nährstoffe fehlen, sie ihnen behutsam zuführen. „Bei uns bekommt eine Pflanze nur das, was sie wirklich nötig braucht“, erklärt Konrad Herrmann den Jüngeren und zeigt ihnen, wie sie die richtige Menge vom Düngemittel berechnen. Doch bevor das dann zum Einsatz kommt, müssen sie noch jede Menge Auflagen und Vorschriften beachten. Auch das gehört zum Beruf. „Sie sollen schon genau wissen, was sie machen und warum“, nimmt es Konrad Herrmann mit der Wissensvermittlung sehr genau.


Das Gut Friemar wurde jetzt für seine gute Ausbildungsqualität geehrt.



Zahlen und Fakten zu den „Grünen Berufen“


(zusammengetragen vom Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft)

- Nach Auskunft der zuständigen Stelle für Berufsbildung in der Land- und Hauswirtschaft gab es im Jahr 2014 in Thüringen 2.022 aktive Ausbildungsverträge in den grünen Berufen.


- Diese „Grüne Berufe“ gibt es: Landwirt/in, Tierwirt/in, Fachkraft für Agrarservice, Gärtner/in, Winzer/in, Forstwirt/in, Hauswirtschafter/in, Pferdewirt/in, Pflanzentechnolog/in, Revierjäger/in, Milchwirtschaftlicher Laborant/in, Milchtechnologe/-technologin, Fischwirt/in, Gartenbauwerker/in, Hauswirtschaftshelfer, Helfer in der Landwirtschaft. Ebenso zählen die Berufe dazu, die aufbauend auf die Berufsausbildung im Wege der schulischen Fortbildung zum “Staatlich geprüften Wirtschafter/in“, die “Staatlich geprüften Techniker/innen“ und die “Staatlich geprüften Betriebswirt/innen“ sowie die berufliche Fortbildung zum Meister.


- Der Link http://www.tll.de/_ta/betriebe/m_tab_run.htm enthält eine Übersicht möglicher Thüringer Ausbildungsunternehmen, geordnet u.a. auch nach Landkreisen.


- Ausgehend von den Altersstrukturen in den Unternehmen und der demographischen Entwicklung bleiben auch die Grünen Berufe nicht von Nachwuchssorgen verschont. Im stärker werdenden Wettbewerb um den besten Nachwuchs zeigt sich ebenso für die „Grünen Berufe“, dass es nicht einfach ist, einen Auszubildenden, und dann auch noch den „Richtigen“ zu finden. Aus diesem Grund haben im November 2014 das damalige Thüringer Landwirtschafts-Ministerium, der Thüringer Bauernverband e.V, der Landesverband Gartenbau Thüringen e.V. und der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hessen-Thüringen e.V über die Nachwuchsgewinnung in den Grünen Berufen diskutiert. Nachdem die Erkenntnisse ausgewertet werden, wird mit allen Partnern eine „Allianz zur Nachwuchssicherung in den Grünen Berufen“ zwischen dem TMIL und den Berufsverbänden angestrebt.


- Das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (TMIL) zeichnet jährlich „Erfolgreiche Ausbildungsbetriebe“ aus. Zu den Kriterien zählen das Ergebnis der Abschlussprüfung, die Mitarbeit im Prüfungsausschuss und /oder die Teilnahme der Ausbilder an Weiterbildungsveranstaltungen, die gute technische Abwicklung der Ausbildung, die Ausbildungskontinuität und eine aktive Werbung für die Grünen Berufe. 2014 zeichnete das TMIL insgesamt 38 Ausbildungsbetriebe aus, wobei die Urkunden zum Teil erst im Jahr 2015 vergeben wurden.


- Informationen zum Thema Ausbildung in Grünen Berufen: www.thueringen.de/agrarberufe
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