Heute hab ich hitzefrei: Wie Tiere mit der Sommerhitze zurechtkommen

Bärin Emma lässt alle Viere gerade sein im Bärenpark Worbis. Bloss keine Hektik bei der Hitze. Ein erfrischendes Bad und Obst sind der Hit bei Hitzefrei. Foto: Gerhard Senitz (Foto: Foto: Gerhard Senitz)
 
Tigerin Taiga sucht Schatten und Ruhe im Tierpark Gotha. Foto: Michael Steinfeld
 
Der Elefant hat zum Glück seine körpereigene 'Klimaanlage' immer dabei: die Ohren. Foto: Helke Floeckner (Foto: Foto: Helke Floeckner)

An den Hundstagen ist mit Affenhitze zu rechnen. Doch was tun, wenn man nicht aus dem dicken Fell oder Gefieder schlüpfen kann? Die Tiere haben da ihre eigenen Strategien. Wir haben in Thüringer Zooparks und Gehegen nachgefragt.


Bären hecheln wie ein Hund

Brennt die Sommersonne auf den Pelz, hilft nur eins: Rein ins Wasser und Füße hoch. Bärin Emma liebt das Bad im Teich. Genau wie ihre sieben Artgenossen
im Alternativen Bärenpark Worbis. Es ist die beste Art abzukühlen. Denn Bären können nicht schwitzen. Sie hecheln wie ein Hund, transpirieren über die unge. Zum Glück bietet die Freianlage viel Wald und Schatten. Gern ziehen sich Emma & Co. dort zur ausgiebigen Siesta zurück. Ihr Bärenhunger aber leidet bei Hitze nicht. Nur so werden die Tiere bis zum Herbst rund genug für den Winterschlaf.

Tigerin Taiga geht's ruhig an

Heiße Hundstage sind nichts für die größte Katze der Welt: Normalerweise sind Amurtiger das kalte Klima Nordostasiens und Temperaturen bis zu minus 45 Grad gewöhnt. Aus gutem Grund wird die gefährdete Art Sibirischer Tiger genannt. Deshalb trägt Taiga aus dem Gothaer Tierpark ihr dickes Fell derzeit wesentlich kürzer. Außerdem bevorzugt die Fernost-Exotin die leichte Sommerküche, verputzt also etwas weniger als wie sonst üblich bis zu neun Kilo Fleisch am Tag. Dafür trinkt sie mehr, verzichtet auf Sonnenbäder und ruheloses Herumtigern. Die schattigen Liegeplätze ihres Geheges verlässt Taiga an heißen Tagen eigentlich nur, um ein erfrischendes Bad zu nehmen. Lieber gähnt die Tigerdame faul mit weit aufgerissenem Maul und zeigt dabei ihre bis zu sieben Zentimeter langen Eckzähne. „Tiere sind viel vernünftiger als wir Menschen“, sagt Roland Walther, als Zoochef Herr über 680 Tiere in 150 verschiedenen Arten. „Die kämen nie auf die Idee, bei der Hitze Fahrrad zu fahren oder gar zu joggen. Sie versuchen instinktiv, sich so wenig wie möglich zu bewegen.“

Elefanten nutzen Ohren als Klimaanlage

Chupa und Safari, die beiden Elefantendamen im Erfurter Zoopark, sollten eigentlich kein Problem mit der Hitze haben, schließlich ist ihre Heimat Afrika. Doch selbst dort würden sie großer Wärme lieber entfliehen und Schatten suchen. Zum Glück haben Elefanten ihre 'körpereigene Klimanalage' immer bei sich. Das sind ihre Ohren, ziemlich große, die sogar als Eselsbrücke herhalten: Durch ihre Form, die dem afrikanischen Kontinent ähnelt, kann man die Tiere eindeutig von indischen Elefanten unterscheiden. Bei Hitze geben Elefanten Körperwärme über die Ohren ab, dazu pumpen sie Blut in sie und schaffen sich durch Wedeln kühle Erleichterung. Auch einem Bad im Wasserbecken oder einer Schlammpackung sind sie in diesen Tagen nicht abgeneigt. Für letzteres mischen sie Wasser und Sand und berieseln sich anschließend damit.


Hängebauchschwein unter der Dusche

Seit sieben Jahren lebt das Hängebauchschwein im Tierpark „Fasanerie“ in Arnstadt – einen Namen hat es nicht. Tierpfleger Andreas Wagner betreut das Tier seit vielen Jahren und gibt ihm auch so manche Streicheleinheit. „Bei großer Hitze komme ich mehrfach am Tag mit der Gießkanne vorbei und mache die Suhle im Gehege immer wieder schön nass. Das Hängebauchschwein findet hier eine willkommene Abkühlung und fühlt sich darin sauwohl.“

Eiszeit für die Mantelpaviane

Hundstage? Die können einen Mantelpavian nicht schrecken. Schließlich ist die Savanne im nordöstlichen Afrika und auf der Arabischen Halbinsel ihr ursprüngliches Zuhause. Da kann man Hitze ertragen. Heiß kann es im Sommer allerdings auch im Tiergarten Eisenberg werden. „Das Gehege für unsere sieben Paviane befindet sich am Südhang mit vielen Steinen. Da werden es schon mal 45 Grad“, erzählt Tiergarten-Leiter Mathias Wiesenhütter. Die bis zu 25 Kilogramm schweren Affen ziehen sich dann in den Schatten zurück oder in die Innenunterkunft. Zur Erfrischung bekommen Clan-Chef Coco und seine Damen an besonders heißen Tagen Eisbomben mit Obst- und Gemüsestücken. In der Natur essen sie auch gern mal Käfer und kleine Säugetiere. Im Tierpark gibt es als Ersatz Katzen- und Hundefutter sowie ab und an ein paar Mehlwürmer.
Vielleicht kann man die Paviane zum Tiergarten-Fest am 29. und 30. August dabei beobachten, wie sie ihre Appetithäppchen Stück für Stück aus dem Eisblock puhlen. Doch auch Füttern ist erlaubt. Für die Mantelpaviane kann man Leckerlis an der Kasse kaufen, auf einem langen Stiel den Tieren reichen. „So haben die Tiere eine Beschäftigung“, meint Wiesenhütter.


Fruchtbombe finden Kattas bombig

Köstlich: eine eisgekühlte Kirsche bei dieser Affenhitze. Das gefällt dem possierlichen Kerlchen mit dem geringelten Schwanz. Mario Dietzel, Chef des Erlebnisparks nahe Sondershausen, weiß, wie er auch den letzten Lemuren vom Baum lockt. Mal gibt es eine saftige Melone, mal eine Fruchtbombe. Die im Trauben­zuckerwasser tiefgefrorenen Früchte verschaffen Erfrischung und Beschäftigung zugleich. Schließlich müssen die aus Madagaskar stammenden Kattas und Varis erst einmal „arbeiten“, um an die Früchte zu gelangen. „Ansonsten machen unsere Affen bei der Hitze dasselbe wie wir: nämlich nichts. Sie suchen sich ein schattiges Plätzchen und chillen.“

Erdmännchen sind Sonnenanbeter

Ist die Luft rein? Dann raus aus dem Bau! Erdmännchen lieben das Bad in der Sonne. Schließlich besiedeln ihre Verwandten im südlichen Afrika offene Savannen und Halbwüsten. Ihr Wärme leitendes Fell ermöglicht es ihnen, Hitze abzugeben, ohne zugleich Wasser zu verlieren. In diesem Sommer ist das Gewusel in der Anlage auf dem Possen noch größer. Wilma, die Chefin des Erdmännchenclans, ist zweifache Mutter geworden. Jetzt ist man zu acht. Und selbst beim Nachwuchs klappt‘s schon mit dem „Männchen machen“, was für den künftigen Job als Wachposten wichtig ist.

Eine Wasserkuhle für die Emus

Der Emu ist ein richtiger Badefan. Er mag es, genau wie die Menschen, sich in der Hitze im kühlen Nasse zu erfrischen. Im Tiergehege Zeulenroda lässt Tierpfleger Frank Wagner dann Wasser per Schlauch in eine flache Erdvertiefung im großzügigen Emu-Areal spritzen. Dann dauert es gar nicht lange, und die Emus haben den Badespaß entdeckt und planschen. Im Zeulenrodaer Tiergehege sind es fünf im März dieses Jahres geborene Emus, die um den Emu-Papa herum strolchen. Der ist es nämlich, der sich rührig um seinen Nachwuchs kümmert. Dem nicht genug, hat er auch die Aufgabe, die Eier auszubrüten. “Acht Wochen saß er drauf”, sagt Frank Wagner. Die Eier hatte Frau Emu zwar schon gelegt, aber dann zieht sie einfach weiter, kümmert sich nicht mehr um den Nachwuchs. So ist es eben bei den Emus Sitte. Zum Glück nicht bei den Menschen, mögen so manche Männer denken. Der Emu kommt übrigens aus Australien und ist dort die größte Vogelart.

Korsakfüchse in der Schlafbox

Ein Foto mit Seltenheitswert. Bei heißem Wetter sind die Ende März geborenen Korsakfüchse kaum zu sehen. Hier haben sie mal einen neugierigen Blick aus ihrer Hütte gewagt, um kurz darauf wieder darin zu verschwinden. Die aus Zentralasien stammenden Raubtiere, auch Steppenfüchse genannt, sind echte Besucherlieblinge. Um sich abzukühlen, suchen sie ihre Schlafboxen auf. Natürlich bietet der „Waldzoo Gera“ auch viel Wald. Bei Hitze ein großer Vorteil.

Esel bleiben locker und cool

Der Esel lässt sich von großer Hitze ganz und gar nicht erschrecken. Er bleibt einfach ganz locker und cool. “Klar suchen sich unsere Esel schattige Plätzchen”, sagt Frank Wagner, Tierpfleger im Zeulenrodaer Tiergehege. Aber die Hitze kann dem Esel und seinem Fell wenig anhaben, da die in Zeulenroda lebenden Tiere aus Asien stammen. Die Esel bewohnen dort trockene halbwüsten- und steppenartige Landschaften im Gebiet von West- bis Zentral- und Nordasien, sind also hohe Temperaturen gewöhnt. “Bei Hitze fressen sie allerdings weniger, dösen und verhalten sich eher ruhig”, sagt Frank Wagner. Sie haben eben ganz die Ruhe weg.

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