Hufis Rückkehr: Fledermausart "Kleine Hufeisennase" wieder im Landkreis Gotha ansässig

Die "Kleine Hufeisennase" (Foto: Stiftung Fledermaus)
 
Ehrenamtliche Fledermausschützer befreiten das Gemäuser von Schutt und Unrat (Foto: Stiftung Fledermaus)

Ohrdruf. Die vom Aussterben bedrohte Fledermausart "Kleine Hufeisennase"" hat in der Alten Goldbergbrauerei" Ohrdruf ein neues Zuhause gefunden. Die Stiftung Fledermaus konnte das Quartier sichern.



Seit ihrer Gründung vor fünf Jahren konnte die Stiftung Fledermaus zum ersten Mal den Kauf eines Fledermausquartiers realisieren: Die Alte Goldbergbrauerei in Ohrdruf dient nun der „Kleinen Hufeisennase“ als Wochenstube und demnächst als Winterquartier. Diese Fledermausart ist bundesweit vom Aussterben bedroht und ist nach rund 40 Jahren Abwesenheit in den Gothaer Landkreis zurückgekehrt. Mithilfe von Fördermitteln des Freistaates Thüringen und der Europäischen Gemeinschaft sowie anderer Unterstützung und des Einsatzes ehrenamtlicher Fledermausschützer wurde das 1860 errichtete Gebäude 'fledermausfachlich' saniert. Mit Martin Hellmann von der Stiftung Fledermaus im Gespräch:


Ist die Rückkehr der Kleinen Hufeisennase eine kleine Sensation?

Als sie entdeckt wurde, war das schon eine ganz tolle Nachricht, eine kleine Sensation. Schön, dass sie sich hier wieder ausbreitet.


Warum war sie denn 40 Jahre lang nicht da?

In der Region war sie wirklich so gut wie ausgestorben. Im Landkreis gab es generell in den 70-er Jahren starke Einbrüche bei den Fledermäusen, vor allem aufgrund der Umweltbelastungen. Fledermäuse können sich nur langsam regenerieren, sie bekommen auch nur ein Junges pro Jahr.


Was musste in der alten Brauerei für die neuen Bewohner getan werden?

Die Fledermausschützer von der Interessengemeinschaft Fledermausschutz und -forschung haben die Gemäuer von Schutt und Unrat befreit. Danach konnten das alte Mauerwerk ausgebessert und das einsturzgefährdete Dach erneuert werden. Zudem wurden durch den Teilabriss des Nebengebäudes neue Hangplätze für die kleinen Nachtjäger und im Stollenkellerbereich Winterquartiermöglichkeiten geschaffen.


Eignet sich das Quartier besonders für diese Fledermausart?

Die seltene und in Deutschland in weiten Teilen ausgestorbene Art ist zum Überleben auf naheliegende Quartierbereiche mit unterschiedlichen Temperaturen angewiesen, was die Alte Goldbergbrauerei zu einem wahren Hufi-Eldorado macht.


Thüringen ist Hufi-Land. Das bedeutet?

Dass eigentlich nur noch in Thüringen größere Bestände der Kleinen Hufeisennasen existieren. Wenige gibt es noch in Sachsen und Sachsen-Anhalt, jetzt auch wieder im Frankenland. Unsere Stiftung verschreibt sich explizit diesen Fledermäusen, sie ist Deutschlands seltenste Fledermausart.


Darf man die Fledermäuse besuchen?

Bitte noch nicht. Geben wir ihnen erst einmal Ruhe, um wirklich heimisch zu werden, sich auszubreiten. Schließlich haben wir eine besondere Verantwortung für den Erhalt seltener Fledermausarten. Wir haben aber Pläne, die Brauerei weiter auszubauen, einen Raum zu schaffen für Vorträge und Informationen. Dann könnte man auch Videoübertragungen aus der Wochenstube zeigen. Unser Ziel ist es, weitere Quartiere sichern zu können.



Informationen zur Stiftung Fledermaus


Die noch junge, in Erfurt ansässige, Stiftung Fledermaus widmet sich bundesweit dem Schutz und der Erforschung von Fledermäusen. Sie ist landesweit die erste und einzige Stiftung, die sich speziell den Fledermausschutz auf ihre Fahnen geschrieben hat. Gegründet wurde die Stiftung im Bewusstsein, dass zukünftig die Zusammenarbeit bei der Erreichung von Naturschutzzielen auf Bundes- und europäischer Ebene verstärkt werden muss. Dazu sollen neue Formen des Zusammenwirkens zwischen klassischem, ehrenamtlichem Naturschutz, behördlichen Einrichtungen und am Gemeinwohl orientierten Partnern aus der Wirtschaft gefunden werden. Die Stiftung Fledermaus will dabei unterstützen und bietet sich als Partner an.


Weitere Informationen: www.stiftung-fledermaus.de, www.hufiland.de
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