Insektensterben – was bedeutet das ?

Die "Kleine Hufeisennase" gehört zu den bedrohten Fledermausarten in Thüringen. (Foto: Stiftung Fledermaus)
Das Thüringer Ministerium für Umwelt Energie und Naturschutz berichtete zum Internationalen Tag der Artenvielfalt am 22.05.2017 über die Ursachen des Rückgangs der Artenvielfalt in Thüringen. Nahezu die Hälfte der wirbellosen Tierarten, wie Insekten und Spinnentiere gelten als gefährdet. Nachlesen kann man das in den Roten Listen für den Freistaat Thüringen, in welchen der Gefährdungszustand jener Arten beschrieben ist, die gut untersucht sind. Eine im Jahr 2013 veröffentlichte Langzeitstudie des Entomologischen Vereins in Krefeld und des NABU wartet sogar mit Rückgangszahlen von über 75 Prozent der Insektenwelt auf. Damit wird der subjektive Eindruck vieler Insektenforscher und interessierter Naturfreunde mit Zahlen belegt. „Es fliegen viel weniger Schmetterlinge als früher“ ist seit einigen Jahren vielfach zu hören.
Die Folgen dieses Biomasseverlustes sind nur allmählich zu bemerken und so ergibt sich für manchen die Frage, wer davon betroffen ist. Durch den beobachteten Insektenschwund sind natürlich besonders die insektenfressenden Tierarten betroffen. Das sind beispielsweise räuberische Insekten, Spinnen, Vögel und Fledermäuse, die in einer funktionierenden ausgleichenden Natur regulierend auf die Insektenpopulationen wirken. Verschwinden Vertreter dieser Tiergruppen oder werden die Vorkommen z.B. durch Nahrungsmangel deutlich geschwächt, dauert es verhältnismäßig lange, bis sich diese Arten wieder ansiedeln oder wieder eine Individuenzahl erreicht wird, die die regulierende ökologische Funktion gewährleistet. Besonders gravierend ist das im Fall der Fledermäuse. Mit einem oder zwei Jungen pro Jahr ist die Vermehrungsrate bei Fledermäusen sehr niedrig. Der Ausfall einer Nachwuchsgeneration z.B. durch ein Hungerjahr und der gleichzeitige Tod von Alttieren führen bereits zum Rückgang der Individuenzahl. Gehen noch Quartiere verloren oder kommen weitere Todesfälle z.B. durch Windkraftanlagen hinzu, führt das schnell zum Verschwinden solch einer Fledermauskolonie aus einem Gebiet. Geschieht dies zudem großflächig und in mehreren Gebieten ist der Verlust kaum wieder aufzuwiegen.
Der ökologische Nutzen von Fledermäusen ist in vielen Studien nachgewiesen und auch der ökonomische Nutzen ist inzwischen durch zahlreiche Berechnungen belegt, wie z.B. durch die Einsparung von Insektiziden und die dadurch geringere Belastung des Grundwassers. Der Schaden durch das Verschwinden einer Fledermauskolonie wird greifbar, wenn man bedenkt, dass z.B. eine Zwergfledermaus bis zu 2000 Mücken pro Nacht frisst. In Gewicht ausgedrückt, vertilgt eine 10 g schwere Fledermaus in einer Saison von April bis Oktober mehr als 300 g Insekten. Eine Kolonie von 50 Fledermäusen verzehrt demnach mehr als 15 kg an Insekten. Das Beutespektrum reicht dabei je nach Fledermausart z.B. von vornehmlich Nachtfaltern bei der Mopsfledermaus über vornehmlich Laufkäfern bei der Großen Mausohrfledermaus bis zu einem Anteil von rund 60 Prozent Mücken und Fliegen bei Zwergfledermäusen.
Damit schließt sich der Kreis. Denn anders als die Fledermäuse erholen sich manche Insektenarten, wie z.B. Mücken und Fliegen, schnell von einem Bestandseinbruch, da sie eine große Nachkommenschaft pro Weibchen produzieren können. Beispielsweise legt ein Weibchen aus der einheimischen Stechmückengattung Culex bis zu 300 Eier und kann zudem bis sieben Generationen in einem warmen Jahr hervorbringen. Es reichen also wenige Ausgangstiere, um wieder schnell auf eine große Menge an Individuen zu kommen. Daher ist zu befürchten, dass der aktuell beobachtete allgemeine Rückgang der Insektenwelt zukünftig eine zunehmenden Belastung durch einige wenige Arten zur Folge haben wird.
Es ist daher dringend nötig, die Ursachen für den Insektenschwund zu identifizieren und schnellstens zu beheben. Anderenfalls droht eine Spirale aus teurer und immer weiter umweltbelastender Bekämpfung, die letztendlich zu Lasten der Gesundheit und der Geldbeutel der Menschen geht.
Die Stiftung FLEDERMAUS begrüßt daher ausdrücklich Initiativen, wie die des Niedersächsischen Umweltministers Stefan Wenzel im Mai2017, der mit Wissenschaftlern und Praktikern Vorschläge für Gegenmaßnahmen entwickeln und umsetzen will. In Thüringen setzt das Umweltministerium mit dem Förderprogramm „Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL)“ bereits viele Maßnahmen um, die mit dem Arten- und Biotopschutz die Artenvielfalt erhalten sollen.

Hintergrund: Stiftung FLEDERMAUS
Die Stiftung FLEDERMAUS widmet sich bundesweit dem Schutz und der Erforschung von Fledermäusen. Sie ist landesweit die erste und einzige Stiftung, die sich speziell den Fledermausschutz auf ihre Fahnen geschrieben hat.
Gegründet wurde die Stiftung im Bewusstsein, dass zukünftig die Zusammenarbeit bei der Erreichung von Naturschutzzielen auf Bundes- und europäischer Ebene verstärkt werden muss. Dazu sollen neue Formen des Zusammenwirkens zwischen klassischem, ehrenamtlichem Naturschutz, behördlichen Einrichtungen und am Gemeinwohl orientierten Partnern aus der Wirtschaft gefunden werden. Die Stiftung Fledermaus will dabei unterstützen und bietet sich als Partner an.
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