Mein Freund, der Baum: Über 200 Laub- und Nadelgehölze vereint Konrad Spindler in seinem Arboretum in Saalburg-Ebersdorf

Konrad Spindler mit seinem Enkelsohn Louis.
 
Die Mädchenkiefer wird wohl wegen ihrer schönen Locken so genannt.
Saalburg-Ebersdorf: ... |

Wenn man mit Konrad Spindler in dessen Arboretum de.wikipedia.org/wiki/Arboretum auf einer Bank sitzt, hört man, was viele Städter kaum noch wahrnehmen: die Geräusche der Natur.

Bienen und Hummeln nähern sich brummend den vielen Blüten ringsumher, eine schwarze Katze bricht durchs Unterholz, um in Sekundenschnelle dem Blick wieder zu entschwinden und irgendwo klopft ein Specht. Amsel, Drossel, Fink und Star... "Zu mir kommen sie alle noch", sagt Konrad Spindler zufrieden. Als hätte er die Gedanken gelesen. "Zeisig,Stieglitz, Goldammer - hier geben sie sich ein Stelldichein."

Kleine Inseln


Spindlers Arboretum - eine Sammlung verschiedener, nicht in Pflanzgefäßen wachsener und zum Teil exotischer Gehölze - ist gepflegt, aber nicht hysterisch von Wildwuchs befreit. Kleine Inseln mit Margeriten und Löwenzahn geben der "Friesauer Gartenoase" www.friesauer-gartenoase.de in Saalburg-Ebersdorf etwas Urwüchsiges. "Ich amüsiere mich darüber", erzählt Konrad Spindler lächelnd, "wenn sich die Leute Insektenhotels kaufen und zu Hause auf ihrem Polorasen auf potenzielle Bewohner lauern. In solch eine sterile Umgebung verirrt sich kein Insekt."
Die Pflanzen- und Tierwelt studieren kann man im Arboretum stundenlang. Naturfreund Spindler weiß viel darüber zu erzählen. "Die Schwarze Kiefernholzwespe sticht mit ihrem Legebohrer durch das frisch gefällte Holz, um ihre Eier abzulegen." Er selbst hat das Wachstum der Brut in mehreren Stadien fotografiert und dokumentiert. Im Infohäuschen findet man derlei Niederschriften. Neben Pflanzensamen, Nestern mit Eierresten und Analysen von Baumkrankheiten. Was die kleine Holzhütte betrifft, so arbeitet Spindler an einer Lösung: der Platz ist bemessen und die Zeit der Führungen für Besucher hat bereits begonnen.

Langweilig wird es dem ehemaligen Tourismusmanager nicht. Gut 3000 Quadratmeter Areal hat er direkt am Haus, einem bäuerlichen Anwesen, das sich seit 1792 im Familienbesitz befindet. Etwa anderthalb Kilometer entfernt befindet sich Areal 2: etwa 9000 Quadratmeter für Großbäume. Insgesamt kommt er auf schätzungsweise 200 Baumarten. Darunter allein 17 Kiefern-, 23 Tannen-, 13 Fichten- und 17 Ahornarten. Ab und an gibt es Ausfälle. "Neulich ist mir eine vier Meter große Himalaya-Zeder eingegangen. Der Klimawandel lässt grüßen", berichtet Spindler von seiner botanischen Niederlage.

Es begann in den Siebzigern


Begonnen hat es mit den Gehölzen in den 1970er Jahren. Dank der LPG de.wikipedia.org/Produktionsgenossenschaft gab es keine Tiere mehr auf dem Hof, nur noch einen Hofgarten für den Eigenbedarf. Die Familie lieferte viele Jahre Gehölze an umliegende Gärtnereien. Mit der Wende fiel auch das weg. Heute empfängt Konrad Spindler Landschaftsarchitekten und Naturfreunde in seinem Arboretum. "Ich liebe diesen Austausch", sagt er und bedauert, dass die Verantwortlichen im nahe gelegenen Naturpark Thüringer Schiefergebirge bislang nie Zeit für einen Besuch aufbrachten. "Dabei verfolgen wir doch das gleiche Ziel."

"Viele Pflanzen kannte ich nur aus Büchern"

In der Anfangszeit blieben viele Wünsche offen. "Es gab wunderbare Bücher über die Pflanzenwelt, aber man hat sie im Handel leider nicht bekommen", erinnert sich Spindler. Coloradotannen zum Beispiel kannte er nur aus dem Lexikon. "Eines Tages besuchte ich einen Naturschutzlehrgang an der Müritz und entdeckte den Baum in einem Vorgarten. Ich fasste mir ein Herz und klingelte bei den Besitzern." Wochen später durfte er einen Ableger der Tanne abholen - für 75 Mark. Das entsprach in manchen Gegenden bis zu drei Monatsmieten. Die freundschaftliche Beziehung zwischen beiden Familien besteht heute noch.

Plötzlich platzt Spindlers Enkelsohn Louis in die Idylle. Der Vierjährige hat die alten landwirtschaftlichen Geräte hinter dem Schuppen entdeckt und rollt ein Holzrad durch die Gegend, bis Großmutter Ilona Einhalt gebietet. Der Kleine lacht fröhlich und bringt ein Sträußchen selbstgepflückte Blumen. Und auf einmal ist alles ein ganz klein wenig wie in der Stadt.


Infos & Kontakt:
Friesauer Gartenoase, Kleines Arboretum, Familie Spindler, Saalburg-Ebersdorf, Friesau 70.
Telefon: 036651/87167 oder 38760
E-Mail: spikon@t-online.de
Besichtigungen nach Vereinbarung
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Renate Jung aus Erfurt | 21.05.2014 | 23:59  
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