Mittelalter trifft Natur: Burg Gleichen wird vom Erfurter Naturkundemuseum betreut und startet in die Saison

 

Das Erfurter Naturkundemuseum ist auch außerhalb der Museumsmauern aktiv, es ist für die Betreuung der Burg Gleichen zuständig. Dort beginnt jetzt die neue Saison.

"Für unser Museum ist die Burg Gleichen eine wunderbare Bereicherung", stellt Matthias Hartmann, Direktor des Erfurter Naturkundemuseums, bei jedem Besuch vor Ort erneut fest. Die Anlage gehört der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, wird von der Stadt Erfurt betrieben und seit dem vergangenen Jahr vom Naturkundemuseum betreut. Dieses startet nun in seine erste komplette Burg-Saison.

"Sie die schönste der Drei Gleichen", hat Matthias Hartmann längst für sich entschieden. Ihr Ruinencharakter verströme einen bezaubernden mittelalterlichen Charme, fügt er hinzu. Vor allem aber sei sie nicht kommerziell übernutzt und ganz eng mit der Sage vom zweibeweibten Grafen von Gleichen verbunden. An erster Stelle aber fasziniert den Museumsmann die Natur. "Hier können wir direkt beobachten und erforschen", freut er sich über neue Herausforderungen.

Hier gibt es den seltenen Steppenrasen


Die Burg Gleichen befindet sich mitten in einem geschützten Gebiet. Das Besondere an der Umgebung ist der Steppenrasen. In Deutschland gibt es weniger als 1000 Hektar einer solchen Steppe, vierzig Prozent davon sind in Thüringen. "Wir haben etwa sechs Hektar Steppenrasen am Burghang, im gesamten Drei-Gleichen-Gebiet ist es noch viel mehr", weiß Matthias Hartmann. Steppenrasen ist ein sehr trockener Rasen, der durchlässige Boden speichert kein Wasser und kann bei starker Sonneneinstrahlung bis zu 70 Grad Celsius heiß werden. Hier haben sich seltene Tier- und Pflanzenarten wie die panonische Katzenminze, Ödlandschrecken oder verschiedene Orchideenarten angesiedelt. Auch der gefährdete Hirschkäfer beginnt sich auszubreiten. "Ein sehr sensibles Gebiet", weiß Matthias Hartmann um die Pflegebedürftigkeit der Umgebung. Ganz behutsam müsse man da vorgehen, mit viel aufwendiger Handarbeit.

Seltene Pflanzen


Im Inneren des Burggeländes zeigt ein extra angelegter Garten die hier vorkommenden Pflanzen auf einen Blick. Später einmal soll zusätzlich ein mittelalterlicher Kräuergarten angelegt werden. Eine Dauerausstellung im restaurierten Wehrturm informiert auf vier Etagen über die ereignisreiche Geschichte, die vielgestaltige Landschaft und die einzigartige Naturausstattung rund um die Burg Gleichen.

Veranstaltungen ab Mai


Im Mai beginnt dann auch die Veranstaltungssaison. Museumsdirektor Hartmann verspricht eine dezente, der Umgebung angepasste Nutzung. Keine Großveranstaltungen, auch wegen fehlender Toilettenanlage. Sonderführungen mit dem Thema "Des Grafen Hund und Katz'", nächtlicher Insektenfang, Entedeckertouren auf den Spuren der hier lebenden Fledermausarten sind für diese Saison vorgesehen. "Denkbar ist noch vieles mehr", hat Matthias Hartmann Ideen für die nächsten Jahre. Konzerte mit Barockmusik etwa, ein Schäfertag oder die Aufführung des Theaterstücks "Die Legende vom Brautbett" am historischen Ort. Auch die Kultur gesellt sich zu Mittelalter und Natur.


Info:

Bis Ende Oktober ist die Burg Gleichen täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Informationen zu den ab Mai geplanten Veranstaltungen:www.naturkundemuseum-erfurt.de.



Informationen zur Burg Gleichen und mehr auf der Internetseite der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten www.thueringerschloesser.de
Die Burg Gleichen war Burg der Erzbischöfe von Mainz, Herrschaftssitz der Grafen von Gleichen. Sie ist die nördliche Anlage der „Drei Gleichen“ genannten Burgengruppe. Burgruine aus dem 11. Jahr-
hundert, erhalten sind Torhaus, Bergfried, Ringmauer sowie Reste des romanischen Palas und einige Nebengebäude.
Im 14. Jahrhundert war die Anlage als wehrhafter Wohn-, Gerichts- und Verwaltungssitz offenbar voll funktionsfähig. Der Niedergang setzte 1599 mit dem Umzug eines Grafen von Gleichen nach Schloss Ohrdruf ein. Seinen Höhepunkt erreichte er, als die Burg zum Rohstofflieferanten für den Wiederaufbau des 1655 von einem Brand zerstörten Ortes Wandersleben wurde.
Überkommene, meist erst jüngst aufwändig gesicherte Wände, Verbindungselemente, Tore, Türen, Fenstereinfassungen oder Kellergewölbe verstärken beim Rundgang die Vorstellung von einer Anlage, die von Torzwinger, Torturm, romanischem Palas und Herrenhaus im Renaissancestil geprägt war. Der teils museal genutzte quadratische Bergfried ist seit dem 19. Jahrhundert mit einer Aussichtsplattform ausgestattet.
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