Sieblebener Schüler denken grün: Grundschule ist wieder Umweltschule

 

Die Grundschule in Gotha-Siebleben ist eine von 66 Umweltschulen in Thüringen, sie hat kürzlich zum wiederholten Mal die Auszeichnung erhalten.


Keine Berührungsängste



“Naja, ein bisschen komisch war das schon. Aber nur am Anfang.“ Nicole schüttelt sich ein wenig bei der Erinnerung an die Schnecke auf ihrer Hand. Ihre Mitschüler nicken. Fast alle haben sie sich getraut, eines der Tiere in die Hand zu nehmen, sogar die Lehrerin. Das war wichtig, zu Forschungszwecken. Das „Schneckenprojekt“ ist ihr Beitrag zum Thema Umwelt. Die 3a hat alles richtig gemacht, genau wie die anderen Klassen in ihrer Schule, die sich alle neben den Schulprojekten einem speziellen Thema widmeten. Zur Belohnung darf sich die Staatliche Grundschule Gotha-Siebleben nun „Umweltschule“ nennen.

Titel zum 17. Mal



Für die Sieblebener ist das nichts Neues. „Wir haben den Titel zum 17. Mal bekommen“, freut sich Klassenleiterin Sigrun Annen, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Angelika Stender den Hut für die Umweltprojekte der Schule aufhat. Sie schwärmt von den idealen Bedingungen in der Schule, allein das Schulgelände mit seinem vielen Grün lade geradezu ein, sich der Natur besonders intensiv zu widmen. Auch die Lehrer eint der gemeinsame Gedanke an die Umwelt, genau wie die Kinder. „Die Kleinen sind jedesmal Feuer und Flamme“, kennt Sigrun Annen die grüne Begeisterung aller Klassen. Sie kann gar nicht alle Projekte der vergangenen Jahre aufzählen: Ein Steinbeet ist entstanden, ein Igelhaus, der Gartenteich, die Wildblumenwiese wird gehegt und gepflegt, genau wie die Kräuterspirale, es gibt ein gesundes Frühstück für alle, oder ein Öko-Bauernhof wird inspiziert. Kein Wunder, dass das Schullogo ein großer grüner Baum ziert.

Die 3a kennt sich aus



Die 3a weiß nun nach ihren Forschungen eine Menge über Weinbergschnecken. „Wir haben zum Beispiel geguckt, ob sie eher ins Helle oder ins Dunkle kriechen“, erzählt Kathleen von einem der ersten Experimente. Amelie staunt immer noch: „Wir haben die Schnecken gefüttert und konnten sogar sehen, wie sie ihren Mund aufmachen. So was hatten wir vorher noch nie gesehen“. Selbst der Lehrerin war diese Erkenntnis neu. Im eigens eingerichteten Terrarium ließen sich weitere Beobachtungen machen. Die kleine Chayenne hat sogar zu Hause eins eingerichtet. „Weinbergschnecken sind wunderbar dafür geeignet, sie lassen sich wirklich gut beobachten“, lobt Sigrun Annen die lebendigen Anschauungsobjekte. Die Kinder wissen jetzt, dass Schnecken sogar ihr kaputtes Haus wieder reparieren können und können genau beschreiben, wie die Fortbewegung funktioniert. Beim Filmanschauen, Spielen mit Wissenswertem rund um die Tierchen, dem Erstellen eines Schneckenbuches oder beim Schneckenrennen kamen den Schülern weitere wichtige Erkenntnisse. „Obwohl man nicht gerade 'Rennen' sagen kann“, wirft Sophie lachend ein.

Nützliche Tiere



Eines wissen die Mädchen und Jungen ganz sicher: Schnecken sind wichtige, nützliche Tiere. Obwohl das mancher Gartenbesitzer, dessen schönes Gemüse von den Tieren angeknabbert wurde, anders sieht. Keines der Kinder würde es übers Herz bringen, einer Schnecke etwas zuleide zu tun. Jetzt, nach ihrem tollen Projekt, schon gar nicht mehr. Wenn sich die Schnecken nicht am Gemüse bedienen sollen, dann werden sie eben weggetragen. Am besten auf den Kompost, dort helfen sie mit, dass aus Gartenabfall Erde wird. „Kinder haben einfach ein natürliches Gespür für Tiere und dafür, ihnen etwas Gutes zu tun“, weiß Sigrun Annen aus Erfahrung. Manchmal passiert es auch, dass die Kleinen zu Hause so voller Begeisterung von ihren Projekten erzählen, dass sie die Eltern anstecken. Die tragen dann auch die Schnecken auf den Kompost. Das hätten sie vorher nicht getan.


Wissenswertes:




66 Schulen aus Thüringen erhielten den Titel „Umweltschule in Europa – Internationale Agenda 21 Schule“. Im Rahmen des seit 1995 durchgeführten Projekts setzen sich Schüler und Lehrer ein Jahr lang für Umwelt- und Nachhaltigkeitsprojekte an ihrer Schule oder ihrem Umfeld ein. „Die Schulen bearbeiten Themen wie zum Beispiel gesunde Ernährung, Energiesparen, Abfallvermeidung, aber auch viele Naturthemen wie Kräuterspirale und Feuchtbiotop“ erklärt Marianne Herrmann, die das Projekt für den NABU Thüringen koordiniert. Sie freut sich darüber, dass sich immer mehr Schulen an der Kampagne beteiligen.’Umweltschule in Europa’ ist ein Projekt des weltweiten Eco-Schools Netzwerks der Foundation for Environmental Education (FEE). Weltweit beteiligen sich etliche Tausend Schulen an dem Programm. Thüringens Initiative, sich in dieses weltweite Netz einzugliedern, ist ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.“ Dass Thüringen so viele Umweltschulen hat, ist der Initiative des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz und dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur zu verdanken. Beide Ministerien unterstützen und begleiten das Vorhaben von Anfang an sehr stark ideell und finanziell.


Weitere Infos:http://thueringen.nabu.de/projekte/umweltschule
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