Spatzenalarm! Die possierlichen Tiere werden immer weniger!

 
So ein Kasten kann Spatzen beim Nisten helfen, weiß Tino Sauer.

Deutschland gehen die Spatzen verloren. Das ist auch in Thüringen so, vor allem in den Städten. Tino Sauer empfiehlt Ungläubigen einen einfachen Test: „Stellen Sie sich zu einem Bratwurststand. Es fällt sofort auf, wie wenig Sperlinge da sind und auf ein paar Brötchenkrümel lauern. Früher waren da Massen über Massen“, weiß der Vorsitzende der Ortsgruppe Großfahner des Naturschutzbundes (NABU) und Schwalbenbeauftragte in Thüringen, der auch einen intensiven Blick auf Spatzen hat.

Seit den 90-er Jahren nimmt der Bestand an Haus- und Feldsperlingen, umgangssprachlich als „Spatz“ zusammengefasst, deutschlandweit ab, Naturschützer sprechen von 20 bis 50 Prozent Rückgang, in Hamburg gibt es sogar 85 Prozent weniger Spatzen. Noch gehören die kleinen Grauen nicht zu den gefährdeten Arten, in manchen Gegenden sind die Zahlen allerdings so alarmierend, dass sie auf der Vorwarnliste der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel stehen.


Tino Sauer kennt die Ursachen für den Spatzenschwund: In den Städten werden immer mehr Häuser saniert. Den neuen, energetisch wertvollen und oftmals glatten Fassaden fallen Nischen und Spalten zum Opfer. Auch Schlupflöcher in Dächern oder herausgebrochene Fugen verschwinden. Mit ihnen die Möglichkeit für Spatzen, in den Hohlräumen zu brüten. „Der Trend, alles zu verschließen, ist nicht gut für den Sperling“, sagt der Hobby-Ornithologe. Auch das Nahrungsangebot in den Städten wird weniger. Fehlende Sträucher und Hecken machen es den Spatzen nicht leicht, Insekten und andere eiweißreiche Nahrung für die Aufzucht der Jungen zu finden, außerdem müssen sie mit anderen, größeren Vögeln um das wenige Futter konkurrieren. Sperlingen auf dem Land geht es etwas besser. Obwohl es auch hier schwieriger wird, Körner zu entdecken, die liegen nämlich kaum noch herum: Die individuelle Tierhaltung ist rückläufig, hochmodernes Erntegerät lässt fast kein Körnchen zum Aufpicken danebenfallen.


Tino Sauer und die anderen Naturschützer wünschen sich, dass der Spatz wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt. Das ist nicht einfach für das tschilpende Leichtgewicht. „Es beschäftigt sich eben kaum jemand mit diesem Vogel. Spatzen nimmt keiner bewusst wahr, sie gehören einfach dazu“, sagt er und möchte es sich gar nicht vorstellen müssen, dass der Bestand noch weiter zurückgeht. Dabei ist es gar nicht so schwer, den Graugefiederten zu unterstützen. „Seit etwa drei Jahren füttern wir zu“, helfen Tino Sauer und die anderen Vogelfreunde den Spatzen auf die Sprünge. Ganz einfach sind auch Nistkästen gebaut und in der Stadt angebracht, ein Loch mit einem Durchmesser von 35 Millimetern reicht Familie Spatz. Eine naturnahe Gartengestaltung kann ebenfalls hilfreich sein. „Es muss nicht immer alles gemäht und abgeschnitten werden, man kann im Garten auch einfach mal eine Ecke stehen lassen“, bittet der Naturliebhaber um Unterstützung für heimische Vögel.


Vielleicht, so überlegt er weiter, lässt sich dabei der kleine Unscheinbare ja wieder neu entdecken. Es mache nämlich richtig Spaß, Spatzen zu beobachten, sagt Tino Sauer. Wie sie zum Beispiel großen Wert auf Familie legen und dabei eng zusammenhalten. Wenn allerdings mal ein Streit entbrennt, geht es enorm zur Sache. Und das klingt für Menschenohren ziemlich lustig. „Da weiß man dann, woher die Redewendung 'Schimpfen wie ein Rohrspatz' kommt“, sagt Tino Sauer und hofft, dass wieder mehr solch liebliches Gezeter zu hören ist.



Wissenswertes:


Der Haussperling (Passer domesticus)


„Herr“ Spatz ist an seinem grauen, kastanienbraun eingefassten Scheitel, weißen Wangen und einem schwarzen Latz gut zu erkennen, während „Frau“ Spatz überwiegend ein schlichtes Graubraun trägt.


Der Spatzengesang ist bekanntlich bescheiden und besteht letztlich aus einer endlosen Folge von „tschilp“-Rufen. Das Männchen sitzt dann meist aufgeplustert in der Nähe des Nestes. Weibchen rufen ein leiseres „wäd-wäd“.


Zur Erfolgsstrategie des Spatzen zählt seine Anpassungsfähigkeit. Besonders flexibel zeigt er sich bei der Wahl des Nistplatzes. Eine Nische unter dem Dach, ein verlassenes Schwalbennest, ein Nistkasten oder eine üppige Fassadenbegrünung – alles potenzielle Kinderstuben für unseren Spatzen.


(Quelle: NABU)


Mehr Informationen zum Thema:


www.nabu.de

www.deutschewildtierstiftung.de


Der Name Spatz in Thüringen:



- Kulturkneipe „Spatz“ Waltershausen


- Kindermedienfestival „Goldener Spatz“


- Musikgruppen wie zum Beispiel: Die Angerspatzen, Kay & die Thüringenspatzen, Thüringer Bergspatzen, Rennsteigspatzen


- Sportgruppen (Schachspatzen der Thüringer Schachjugend)


- Etliche Kindertagesstätten bedienen sich des Namens, machen daraus entweder ein Spatzennest oder namentlich benannte Spatzen, beispielsweise in Erfurt, Berlstedt, Gotha, Sonneberg, Eisenberg, Oberhof, Bad Langensalza, Jena, Großbreitenbach, Apolda, Gera, Eisenach, Neubrunn

Redewendungen mit „Spatz“:



- Mit Kanonen auf Spatzen schießen


- Die Spatzen pfeifen es von den Dächern


- Spatzen unterm Hut haben


- Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach


- ein Spatzenhirn haben


- schimpfen wie ein Rohrspatz


- essen wie ein Spatz


- Dann sind ja alle Spatzen gefangen
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
549
Peer Floeckner aus Erfurt | 13.07.2015 | 14:43  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige