Trüffelpapst Dieter Honstraß im Interview

Dieter Honstraß macht Hund Loki für die Trüffelsuche fit. (Foto: privat / Dieter Honstraße)
 
Mit der Nase auf Trüffelsuche (Foto: privat / Dieter Honstraß)

Nach der Trennung von seiner letzten Lebensgefährtin (er ist jetzt 67 Jahre jung) vor gut einem Dutzend Jahren hat sich Dieter Honstraß entschieden, in seinem Leben nur noch das zu tun, was ihm Spaß macht. Seitdem befasst er sich mit Pilzen, vom 1. Januar bis 31. Dezember des Jahres. Jeden Tag. Das ganze Jahr. Nicht nur überall in Deutschland. Sondern weltweit. Vor allem ist er in der Trüffelforschung und -aufklärung tätig. Deshalb nennen ihn Eingeweihte „Trüffelpapst“.
Im vorigen Jahr nutzte er als Gastredner die Gelegenheit, in Melbourne/Australien auf einem Trüffelfestival einen Vortrag mit dem Thema: „Deutschland - die vergessene Trüffelnation“ zu halten.


Völlig unbeabsichtigt hat Dieter Honstraße seinen Geruchssinn auf die Burgundertrüffel nebenbei so trainiert, dass er unter bestimmten Voraussetzungen diese sogar in der Waldluft wahrnehmen kann. Insbesondere die ganze Erde riecht dann an der Stelle, so dass man die Trüffel mit etwas Übung lokalisieren kann. Genauso zufällig ist er auch darauf gekommen, Trüffeln mit den Füßen (!) zu erfühlen

Kenntnisse, wie man Trüffeln ohne Hund findet, gibt er nicht weiter. Bei diesen Methoden bleibt es unumgänglich, dass etwa 95 % der ausgebuddelten Trüffeln unreif und damit völlig wertlose sind. Hunde dagegen trainiert er samt ihrer Besitzer darauf, nur reife Trüffeln anzuzeigen und auch auszubuddeln.


Dieter Honstraß im Interview:



Was ist das Faszinierende an Trüffeln?


Ob Steinpilze. Pfifferlinge, Rotkappen oder Birkenpilze - einmal einen Korb voller köstlicher Wunschpilze zu finden, davon träumen viele Pilzsammler. Für ausgebildete „Pilzfinder“ dagegen ist das eine leichte Aufgabe dann, wenn Sie über ausreichend ökologische Kenntnisse und praktische Erfahrungen verfügen. Viel schwieriger, aber nicht unmöglich allerdings ist da in völlig fremder Umgebung Pilzstellen zu entdecken. Wer gar unter solchen Umständen die zur Luxusklasse der Speisepilze gehörenden Morcheln gezielt findet, gehört schließlich zur „Bundesliga der Pilzfinder“. Zur weltweit höchste Klasse, quasi der Champions Leaque, gehören die Experten für das Finden unterirdisch wachsender Pilze: Trüffelfinder. Der unglaubliche Reiz diese Pilze gezielt zu finden, bedeutet den höchsten Schwierigkeitsgrad des Könnens und haben mich inzwischen in knapp 20 europäische Länder geführt.


Ging man nicht vor Jahren noch davon aus, dass es in Deutschland keine Trüffel gibt?


Jedenfalls hat das eine handvoll sogenannter Experten behauptet und dies als Wissen weiter gegeben. - Nicht glauben, sondern kontrollieren. Das gilt auch hier. Ich empfinde es geradezu als Skandal, das westdeutsche Pilzexperten in den 1980er Jahren sich auf Befragen anmaßten, Trüffeln (und andere Pilze) als sehr selten, sogar als verschollen einzustufen. Niemand hatte sich ernsthaft die Mühe gemacht, den tatsächlichen Verhältnissen auf den Grund zu gehen. Oder ehrlich einzugestehen, dass man weder die Fähigkeiten noch die Kenntnisse besitzt, solche besonderen Pilze nachzuweisen. Dass derartige Falschbeurteilungen schließlich zum Einzug in die Roten Listen der Bundesländer und damit zur entsprechenden Gesetzgebung führten, ist der eigentliche Skandal. Und wenn ein Gesetz nachweisbar falsch ist, muss es weg.


Ihr Thüringen-Besuch kürzlich brachte Überraschendes zutage..


Trotz vieler Publikationen ( rund 25 Fernsehauftritte zum Thema trüffeln seit 4-2011), geradezu lächerlich machen sich einige Vertreter von Behörden, die den Unsinn mit den seltenen Trüffeln noch immer gern glauben und verteidigen. Um eine notwendige Gesetzesänderung herbeizuführen ist es unumgänglich, in allen Bundesländern nachzuweisen, dass es sie überall in Deutschland gibt. Gelegenheit in Thüringen hatte ich im Januar und Februar mit einigen Vertretern der von mir gegründeten Forschungsgruppe Hypogäen Bereiche in Thüringen zu begehen. Die von einer hochtalentierten Pilzschülerin (Anja Kolbe-Nelde) ausgewählten Bereiche entsprachen genau den Verhältnissen. So konnten wir sowohl bei Erfurt, wie auch bei Sondershausen gute und vielfältige Trüffelvorkommen jeweils innerhalb weniger Minuten nachweisen. Es gibt nach meiner Einschätzung mehrere Anzeichen dafür, dass Thüringen mit zu den an Trüffeln reichsten Trüffelregionen in Deutschland gehört. Das ist auch eine zusätzliche Chance für die Forst- und Landwirtschaft, denn Trüffeln lassen sich anbauen. (Immerhin kommen heute etwa 90 % der im Handel erhältlichen Trüffeln von Plantagen.)


Heißt das, Sie haben nun häufiger mit Thüringen zu tun?


Hilfe zur Selbsthilfe. Nicht mehr und nur solange es mir Spaß macht. Wie in allen anderen Bundesländern auch, will ich versuchen so schnell wie möglich einige qualifizierte und motivierte einheimische Pilzschüler auszubilden und anzuleiten, dass diese die Ausbildung von Trüffelsuchern und deren Trüffelhunden, sowie Trüffelgartenanlegern in eigener Regie durchführen können. Mich interessieren nicht die Verdienstmöglichkeiten, sondern allein die Umsetzung der Ideen. Schließlich verstehe ich mich da als Trüffellehrer bzw. Trüffeltrainer. Genauer als Bundestrainer, wie das kürzlich jemand in Berlin postulierte.


Braucht man ein besonderes Näschen, um fündig zu werden?


Neben besonderen ökologischen Kenntnissen, benötigt man einen wachen Verstand, eine gute Auffassungsgabe sowie Kombinationsgabe. Das alles aber nutzt nicht viel, wenn das nicht mit einer guten Portion ausgeprägter Willenskraft und Umsetzungsvermögen verbunden ist.


Kann ein Laie auf Trüffelsuche Erfolg haben?


Ganz klar ja! Einfach die Augen auf. Die Trüffeln sind in den Gebieten mit kalkhaltigen Böden so verbreitet und so unglaublich häufig, dass man jederzeit auch mit Zufallsfunden rechnen kann: Oft schauen sie mit dem Scheitel aus dem Boden. Haben Schnecken sie freigelegt oder Eichhörnchen ausgebuddelt. Manch einer findet sie im Garten unter dem Haselstrauch, an der Hainbuchenhecke zum Nachbarn, unter der Dorfeiche auf dem Marktplatz, unter Linden am Straßenrand, unter Kiefern, Tannen oder Fichten in Parkanlagen, auf Friedhöfen oder in Waldbereichen. Oder unter Rotbuchen gleich auf dem Parkplatz einfach überall da, wo die Leser sowieso mit ihrem Hund spazieren gehen…

Fazit: Es gibt keine oberirdisch wachsende Pilzart die so häufig, so verbreitet ist wie die Burgundertrüffel beziehungsweise Sommertrüffel.
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