17. Juni 1953

Acht Jahre nach dem II. Weltkrieg hatte die Mehrheit der Bevölkerung die Nazi-Diktatur und die Schrecken des Krieges erlebt. „Demokratie“ oder Freiheit waren Fremdbegriffe. Aber jeder wollte endlich gut leben, das war nur allzu gut verständlich. Radio RIAS Berlin machte das den Bürgern in seinen Sendungen auch klar. Es gab historische Ereignisse, die dem erhofften guten Leben entgegenstanden. Konrad Adenauer hatte sich geweigert, dass die Alt-BRD ebenfalls für die Kriegsreparationen aufkommen. Das mussten allein die Bürger der DDR tun. Vom Greis bis zum Säugling waren pro Person 10.000 Mark zu erbringen, zusätzlich zu den Sachwerten, wie Übergabe des zweiten Schienennetzes, Maschinen, Produkte usw. Allen Regierenden, auch den Blockparteien, war klar, dass diese Zahlungen sehr lange dauern würden und so entschieden sie sich für den Irrweg der Normerhöhungen. Die Folgen haben sie in ihrer Zeitung geschildert. Aber man muss auch die Ursachen wissen.
Im viel gerühmten „goldenen Westen“ wurde in der gleichen Zeit dank des Marshallplanes am Wirtschaftswunder gestrickt. Solidarisch mit den „Brüdern“ und „Schwestern“, wie immer behauptet, war das nicht unbedingt.
Die Frauen waren in jenem Land das schmückende Beiwerk ihrer Männer und der gute Konrad Adenauer sagte: „Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze nur halb“ oder „So lange wir kein frisches Wasser haben, gießen wir das schmutzige (gemeint ist eher braunes) Wasser nicht weg. Das war seine Aussage in Bezug auf das Heer „brauner“ Mitarbeiter in allen Verwaltungs- und Gesellschaftsbereichen. Durchschaubar war das für den einfachen Bürger nicht. Vor diesem Hintergrund, erneuter Wirtschaftsnot und weil zu viel DDR-Mark im Westen kursierte, wurden am 13.10.1957 neue Banknoten ausgegeben. Die Erklärung dazu hatte ich, damals 12 Jahre alt, in meinem Tagebuch aufgehoben. Das Blatt spricht für sich.
Über meine Erlebnisse zum 17. Juni hatte ich Ihnen ja schon vor längerer Zeit geschrieben. Obwohl erst 8 Jahre alt, wurden meine Freundin Helga-Camilla und ich von Polizisten den Eisenacher Petersberg hochgetrieben, weil wir die Sperrstunde verbummelt hatten. Da bleiben Angstgefühle, die man nie vergisst.
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Uwe Zerbst aus Gotha | 13.06.2013 | 20:19  
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