Bürgerbewegtes Leben

Kürzlich wurden fünf Frauen verdient für ihre bürgerbewegten Aktivitäten 1989 ausgezeichnet. Es wurde ein Film gezeigt. Den größten Teil kannte ich schon; er war bereits 2010 in der Offenen Arbeit aufgenommen worden.
Das alles erweckte Erinnerungen bei mir. Die Offene Arbeit war schon lange vor 1989 aktiv. Es entstanden die Umweltbibliothek und Gesprächskreise. 1988 wurde eine kritische Ausstellung zur geplanten Stadtentwicklung in der Michaeliskirche gezeigt. Ich war damals mit alternativen Stadtführungen unterwegs. Mit einer Gruppe Politologie-Studenten aus Hamburg ging ich durch die Ausstellung. Holger Martens war erstaunt über den Mut der Ausstellungsmacher.
Bereits am 26.10.1989 gab es in Erfurt die erste Donnerstags-Demo des Neuen Forums. Mathias Büchner sprach und tausende kamen. In Folge habe ich 14 Jahre lang bis 2004 diese Donnerstags-Demos organisiert und gestaltet. Damals gab es fünf bürgerbewegte Gruppen:
Neues Forum, Demokratie jetzt, Bündnis 90, Demokratischer Aufbruch und Frauen für Veränderung.
Jeden Tag gab es Demos, Aktionen und Treffs. Ich denke gern an diese bewegte Zeit zurück. Wir hatten hochfliegende Pläne. Das Ziel des Neuen Forums hieß:
„Macht muss kontrolliert werden.“
Gerd Schöneburg organisierte im Dezember 1989 die Menschenkette in der Altstadt, um den geplanten Abriss einer Häuserseite für eine Autostraße zu verhindern. Der Einsatz der Frauen und letztlich aller Bürgerbewegten, beendete die Tätigkeit der unsäglichen Staatssicherheit, aber die Kontrollen und Überwachungen gingen weiter. Eine Reihe von Friedensbewegten gingen nahtlos von der Überwachung durch die Stasi über in die Kontrolle des Verfassungsschutzes oder des Bundesnachrichtendienstes (BND). Auch der Militärische Abschirmdienst (MAD) ist im Einsatz. Außerdem ist die Technik des Abhörens und Ausspähens aktuell sehr viel ausgefeilter.
In diesem September wurde im Thüringer Landtag ein Polizeiaufgabengesetz beschlossen, das den Schutz der Privatsphäre des Bürgers in seiner Wohnung weitgehend außer Kraft setzt. Vor diesem Hintergrund wäre es sinnvoll, wenn endlich die Akten der Geheimen Staatspolizei (GESTAPO) dem Bürger, vor allem den Nachfahren von Opfern, zugänglich gemacht würden.
Die Bürger schweigen und dulden. Damit hat sich der Ring geschlossen.
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