Bundeswehr: Den Rückhalt spüren

Aktion „Gelbe Schleife“ will Soldaten unpolitisch und ganz persönlich Respekt zollen

Von Axel Heyder

Wenn er die gemalten Bilder seiner Kinder anschaut, lacht das Herz von Hauptmann Gerhard Hamann (*Name geändert). Ihr Wert potenziert sich im nordafghanischen Taloqan. Sie stehen nicht nur für die Erinnerung an zu Hause, sie werden zugleich zum Ziel vor Augen, eine Motivation, den sechsmonatigen Einsatz unbeschadet zu überstehen. Frau Tina und die Kleinen warten in Erfurt auf die Rückkehr des Vaters, der schon zweimal im Auslandseinsatz, damals auf dem Balkan, gewesen ist. „Angst hat er keine, aber einen gesunden Respekt“, weiß Frau Tina zu berichten, die einen Schrecken bekommt, wenn unerwartet ihr Telefon klingelt und die Vorwahl +93 auf dem Display blinkt.

Derzeit wirbt sie für eine gute Sache, die noch bis zum morgigen Donnerstag, 10. März, läuft: Ein Paket zu Ostern für jeden deutschen Soldaten, der im Auslandseinsatz dient. Das ist das Ziel des Netzwerkes „Gelbe Schleife“, das unpolitisch den Soldaten im Auslandseinsatz für ihren Dienst Respekt zollen will. „Die Männer und Frauen in Afghanistan wünschen sich Rückhalt für ihre tägliche Arbeit in Gefahr in der Bevölkerung. Mit der Aktion, die unabhängig davon, ob man für oder gegen diesen Einsatz ist, würden die Soldatinnen und Soldaten diesen spüren“, so Tina Hamann. Die Beteiligung, die gerade 25 Euro kostet, ist unter www.gelbe-schleife.de in nur fünf Minuten erledigt. Zudem habe jeder die Möglichkeit, einen persönlichen Brief an die Einsatzkräfte zu schreiben. Auch anonym, für all diejenigen, die niemanden persönlich kennen.
Schließlich hat Deutschland seine Parlaments-Armee dorthin gesandt, deren Einsatz von Grünen und SPD beschlossen, unter der großen Koalition verlängert wurde und nun unter Schwarz-Gelb weitergeführt wird. Dennoch habe Gerhard Hamann das Gefühl, dass der Rückhalt in der Bevölkerung schwinde. Und das liegt wohl nicht an seiner Arbeit vor Ort. „Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass in den Medien zwar über Anschläge und Opfer berichtet werde, nicht aber über Erfolge“, vermutet Tina Hamann. Letztere seien weniger gut darstellbar, denn alles bewege sich mit sehr kleinen Schritten voran, große Geduld sei gefragt.

Was die Situation für die Soldatinnen und Soldaten nicht verbessert, ist, dass auch vereinzelt bei den Afghanen der Rückhalt schwindet. Hauptmann Hamann glaubt zu wissen, woran das in seinem Areal liegt: „Den Afghanen gehen die Fortschritte nicht schnell genug. Sie haben eine extrem hohe Erwartungshaltung an die ISAF“, gibt Tina Hamann weiter.

Jeder der Männer und Frauen ist bemüht, seinen Dienst so gut es möglich ist, zu verrichten. Idealerweise gibt es enge Abstimmungen zwischen ziviler (Diplomaten, Polizeiausbilder, Wiederaufbauhelfer) und militärischer Komponente für Sicherheit und Wiederaufbau in den Provinzen. Leider ist aber mit Masse nur die militärische Komponente vor Ort und wird nur vereinzelt von ziviler Seite unterstützt.

Wenn die Pakete zu Ostern eintreffen, komme Abwechslung in den harten Alltag. Dann können es die kleinen Dinge sein, die eine größere Wirkung haben, als dies der Absender erwarten könnte.
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